Glücklich alt werden – geht das?
Die Lebenserwartung von uns Menschen ist heute hoch wie nie – und sie steigt weiter an. Grund genug, zu fragen, wie wir nicht nur gesund, sondern auch lebensfroh und zuversichtlich älter und alt werden können. Autorin Susanne Ackstaller hat darüber ein Buch geschrieben und verrät hier ihre Erkenntnisse.
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„Jeder will alt werden, aber älter werden will keiner.“ – Dieser Spruch mag unter der Generation 50+ als abgedroschen gelten – aber stimmen tut er schon. So fand ich es ziemlich großartig, als die Mutter einer guten Freundin kürzlich ihren 100. Geburtstag feierte – als sehr viel weniger charmant empfinde ich allerdings meinen eigenen bald 59. Geburtstag, dabei bin ich ja mehr als 40 Jahre jünger als besagte Jubilarin, geradezu ein Jungspund im Vergleich. „Älterwerden ist nichts für Feiglinge“ ist ein weiterer viel zitierter Spruch, der manchmal Bette Davis, manchmal Mae West zugeschrieben wird. Und auch der stimmt! Es kann einen schon beängstigen, wenn man die Jahre immer schneller vorbeiziehen spürt; wenn die Kinder, eben noch Babys, nun schon erwachsen sind und Familie haben (und womöglich schon übers Älterwerden klagen), und wenn sich Arztbesuche häufen. Früher schmunzelte ich über die ausgeklügelten Einnahmepläne meiner Eltern, heute nutze ich selbst eine Tablettenbox mit Tageszeiten-Fächern, um bloß keine Pille zu vergessen.
Statistik belegt: Ab 50 werden wir immer glücklicher
Dann ist Älterwerden also tatsächlich diese mühselige und traurige Angelegenheit, als die sie gerne dargestellt wird? Quasi ein deprimierender Countdown bis zum bitteren Ende? Aber nein – sagt die Statistik. Denn sie belegt, dass wir nach unserem 50. Geburtstag immer glücklicher werden. Mit 49 ist der „Glückstiefpunkt“ in unserem Leben erreicht, danach geht es stetig bergauf. Und tatsächlich machen die meisten Seniorinnen und Senioren in meinem Bekanntenkreis einen sehr zufriedenen, gelassenen und lebensfrohen Eindruck. Andererseits kenne ich viele Frauen, die gerade in ihren Fünfzigern und Sechzigern durchaus mit ihrem Leben und dem damit verbundenen Altern hadern. Und – nicht immer, aber gelegentlich – bin ich eine von ihnen. Es ist ja auch eine Zeit mit vielen, sehr unterschiedlichen Herausforderungen: Wechseljahre, Midlife-Crisis, Empty Nest, Ruhestand, nicht zuletzt diverse Zipperlein und Krankheiten. Und über allem die Frage: War’s das schon? Gehören wir jetzt zum alten Eisen? Auf was in der zweite Lebenshälfte dürfen wir uns überhaupt noch freuen?
Glücklich älter werden: Schicksal selbst in die Hand nehmen
Durch die Arbeit an meinem Buch „Auf das Leben!“ und die vielen Gespräche, die ich mit den darin porträtierten Frauen geführt habe, ist mir klar geworden: Wie gut und wie glücklich wir älter werden, haben wir in erster Linie selbst in der Hand. Das ist die gute Nachricht. Die Kehrseite: Wir sind selbst für uns verantwortlich, und das kann uns niemand abnehmen.
Und was bedeutet das konkret? Trauen Sie sich – und trauen Sie sich etwas zu!
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Mutige Entscheidungen im Alter
Hadern Sie nicht mit Unabänderlichem – machen Sie das Beste daraus! Wie Lucia Heigl. Die Landwirtin ist seit sechs Jahren an metastasiertem Brustkrebs erkrankt (damalige Prognose: maximal sechs Monate). Nach der Diagnose hat sie ihr Leben umgekrempelt, frei nach dem Motto „Nicht leiden, nicht hadern. Sondern leben, einfach leben!“. Ebenso Claudia Braunstein, die sich durch ihre schwere Zungenkrebs-Erkrankung komplett neu erfunden hat. Oder Lisa Graf, die mit dem Scheitern ihrer Ehe und dem Zerbrechen ihrer Familie zu sich selbst aufbrach: Sie fing an zu schreiben und ist heute eine gefeierte Autorin. Einen Satz von Anna von Rüden, einer weiteren Protagonistin aus „Auf das Leben!“, habe ich zu meinem persönlichen Mantra gemacht. „Glück ist nicht bequem“ lautet er, und im Grunde fassen diese vier Worte zusammen, was ich in diesem Beitrag auf knapp 5000 Zeichen und in meinem Buch auf 192 Seiten beschrieben habe. Natürlich gilt diese Aussage für jedes Lebensalter – besonders jedoch für uns Ältere. Mit über 50, 60, 70 oder noch mehr Jahren hält das Leben noch viel für uns bereit. Ja, wir können noch viel bewegen, vor allen Dingen uns selbst. Aber wir müssen es auch tun, wir müssen den Hintern hochkriegen. Mutig sein, Neues wagen, rege bleiben, jeden Tag als Geschenk begreifen – wer das Leben so angeht, der kommt dem Glück ganz nah.
(Susanne Ackstaller)



