Abenteuer Arktis und Alltag mit Sinn: Wie Manuela Brocksieper zwischen Eisbären, Forschung und Glauben lebt
Als Geologin forscht sie im Eis der Arktis, als Sozialdiakonin leitet sie ein Stadtteil-Café in Bremen: Manuela Brocksieper verbindet Wissenschaft und Glauben auf ungewöhnliche Weise.
Foto: © privat
Eisbären sind gefährliche Schleicher – und wissen sich meisterhaft zu tarnen: Man hält sie für ein schwimmendes Stück Eis, plötzlich springen sie aus dem Wasser. Manuela Brocksieper meldete sich in der Arktis dennoch freiwillig zur Bärenwache, ausgestattet mit Walkie-Talkie, Fernglas und Signalpistole. Eigentlich seien Eisbären nicht auf Snacktour, was uns Menschen betrifft, sagt die Bremer Geologin: „Aber es ist ihr Gebiet, in das wir eindringen.“ Nähert sich ein Tier, heißt es: Menschenkette bilden, Arme hoch, sich groß machen, drei Schritte auf den Bären zu und laut schreien. Notfalls die Signalpistole abfeuern. Keinesfalls voreilig zum Gewehr greifen. Das kann teuer werden. Jeder Schuss auf einen Eisbären wird genau untersucht.
Arktis-Expedition auf Spitzbergen
Das Polarfieber hat Brocksieper schon in ihrer Jugend gepackt. Vor vier Jahren erfüllte sich die evangelische Christin einen Traum und nahm an einer zooarchäologischen Arktis-Expedition rund um Spitzbergen teil. Der Auftrag des international besetzten Teams: die Geschichte des Walfangs zu erforschen. „Man findet noch riesige Walknochenberge, alte Schiffe und Schaluppen, die sich neu vermessen lassen und analysiert werden können“, sagt Brocksieper.
Lebenslauf voller Abenteuer
Gelernte Werbekauffrau, Kommunikationsprofi, Geologie-Studium mit 42, Buchautorin, Sozialdiakonin, Marathonläuferin, Motorradfahrerin, Mutter von zwei erwachsenen Kindern: Manuela Brocksieper, 1964 in Lüdenscheid geboren, ist ein Energiebündel. Woher kommt ihre Abenteuerlust? „Ich lerne unfassbar gern. Das Leben ist bunt, und ein kleiner Teil davon liegt auf meinem Weg und wird probiert.“ Sie lacht. „Zum Glück brauche ich nur wenig Schlaf.“
Das Angebot der Arktis-Expedition entdeckte sie während einer Kaffeepause beim Scrollen auf Social Media. Auf dem Schiff gab es noch drei freie Kojen. Sie überlegte nicht lange und bewarb sich. Mit 58 Jahren war sie die Älteste an Bord.
Die Natur auf Spitzbergen, die Weite und Stille, sei überwältigend, schwärmt sie. Auf dem Archipel zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol leben mehr Eisbären als Menschen, tanzen im Winter die Nordlichter und scheint im Sommer die Mitternachtssonne rund um die Uhr. „Ich fühlte mich dort winzig, allein und ausgesetzt. Das reduzierte Leben hat mich zum Nachdenken gebracht, darüber, was wir wirklich brauchen.“
Christsein an der Universität
Wie gelingt es Brocksieper, Forschung und Wissenschaft mit ihrem Glauben zu verbinden? Noch nie sei sie so scharf angegangen worden wie von ihren Kommilitonen an der Bremer Universität, erinnert sie sich. Dort hieß es oft: Du bist doch Wissenschaftlerin, wie kannst du da an Gott glauben? „Für mich schließt sich das nicht aus“, sagt Brocksieper, die in solchen Diskussionen gelassen bleibt. „Ich muss wissenschaftliche Fakten nicht leugnen, nur weil ich Christin bin und daran glaube, dass es mehr gibt als das reine Wissen.“
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Glaube praktisch leben im Stadtteil-Café
Ihr Glaube ist das, was sie hält und trägt. Und so kam nach ihrem Studienabschluss „Master of Geosciences“ ein dritter Beruf hinzu: Sozialdiakonin. Der Einstieg ergab sich über ein Stadtteil-Café in der Bremer Gartenstadt Vahr, das Brocksieper ins Leben rief. Das „Epi-Café“ ist heute ein lebendiger Ort mit hunderten Besuchern und vielen ehrenamtlich Aktiven. Ein Projekt, das die evangelische Epiphanias-Gemeinde zum Stadtteil hin öffnet. Mit einem gut besuchten Mittagstisch, an dem Menschen jeden Alters, besonders solche, die sich einsam fühlen, neue Kontakte knüpfen können – und vermisst werden, wenn sie mal nicht da sind. Brocksieper sagt: „Wir sind Menschen-Liebhaber. Bei einer guten Tasse Kaffee oder Tee ein bisschen Leben zu teilen, das treibt uns an.“
Lebenskunst und Neugier
Ohne Checklisten, sagt Brocksieper, wären ihre ganzen Aktivitäten nicht zu schaffen. Zumal sie sich noch Freiräume sucht, um weiterhin Neues zu lernen: Sprachen zum Beispiel oder Handwerke wie Schmieden, Bronzeguss oder Steinbildhauerei. Bei Gartenarbeit, Musik oder beim Motorradfahren entspannt sie sich.
Im April reist Brocksieper mit der Deutschen Geologischen Gesellschaft in die Westfjorde auf Island, auf Gletschertour, wieder unterwegs zu Orten, die in keinem Touristenführer stehen.
Anja Sabel



