Sterbebegleitung
Das letzte Weihnachten
Für viele sterbende Menschen ist das letzte Weihnachten ein besonders wichtiger Moment. Seelsorgerin Gabriele Franke kümmert sich im Hospiz St. Johannis gemeinsam mit Haupt – und Ehrenamtlichen darum, dass Patienten und Angehörige die Feiertage trotz Krankheit noch einmal gemeinsam verbringen können.
Im Münchner Hospiz St. Johannes können Patienten ein letztes Weihnachtsfest mit ihren Angehörigen verbringen. Foto: © Konstantin Yuganov
An Weihnachten blicken viele Menschen auf die schönsten Erinnerungen der vergangenen Feste zurück. Auch im Hospiz ist diese Zeit von Emotionen geprägt; für Nichtgläubige ebenso wie für Christen. Noch einmal Weihnachten feiern – das ist für Sterbende oft ein großes Ziel. Das erlebt auch die katholische Seelsorgerin Gabriele Franke (58). Die Gemeindereferentin arbeitet im Johannes-Hospiz und auf der Palliativstation der Klinik Barmherzige Brüder in München. Dort begleitet sie Menschen auf ihrem letzten Weg – egal, ob sie einen Segen, die Krankensalbung oder einfach nur reden möchten.
Franke erinnert sich an einen Patienten, der im vergangenen Jahr unbedingt noch einmal Weihnachten erleben wollte. Und tatsächlich: Er hielt durch. Zu schwach zum Sprechen, aber bei klarem Bewusstsein konnte er den Gottesdienst und die festliche Atmosphäre ein letztes Mal genießen. In der Nacht auf den 25. Dezember verstarb er. „Das war unglaublich berührend“, erzählt Franke. „Er hatte ein Ziel, und er hat es erreicht. Viele Menschen leben für einen bestimmten Moment weiter – und wenn dieser Wunsch erfüllt ist, können sie loslassen.“
Seelsorgerin Gabriele Franke kümmert sich auch in der Weihnachtszeit um ihre Patienten. Foto: © SMB/Krka
Rituale schaffen einen feierlichen Rahmen
Damit die Patienten ein letztes richtiges Weihnachtsfest erleben können, tun die Mitarbeitenden und ehrenamtlichen Hospizelfer alles, um eine besinnliche Stimmung zu schaffen. Gewohnte Rituale sind dabei besonders wichtig: Franke sieht in ihnen „ein Geländer“, an dem sich Patienten und Angehörige orientieren können – die Weihnachtsgeschichte, gemeinsame Gebete, klassische Lieder. „Wir versuchen, für die Menschen einen vertrauten, feierlichen Rahmen zu schaffen, in dem sie begleitet und geschützt ihr letztes Weihnachtsfest begehen können“, sagt Franke.
Dazu gehört an Heiligabend ein Wortgottesdienst; auch die Kommunion können Patienten empfangen. Eine zentrale Rolle spielt dabei im Johannes-Hospiz die geschnitzte Krippe. Für den Gottesdienst wird sie aus der Eingangshalle herausgeholt; in der Kapelle reichen die Mitarbeitenden die Holzfiguren zwischen den Patienten herum.
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Gemeinsames Singen:
Trost und Nähe durch Musik
„Über Musik geht oft mehr als über Worte“, erklärt Franke. Deshalb habe das gemeinsame Singen einen hohen Stellenwert im Hospiz. Am beliebtesten sei dabei wohl „Stille Nacht“. Sie erinnert sich an einen sterbenden Mann, der bei dem Lied eine kleine Bewegung machte. „Wir haben gemerkt, dass die Musik noch etwas in ihm berührte. Für die Angehörigen war das ein tröstlicher Moment.“
An kaum einem anderen Tag verbinden sich im Hospiz Trauer, Trost und Dankbarkeit so intensiv wie an Weihnachten. Oft fließen Tränen. All das soll und darf hier einen Platz haben. „Das Fest in unserem Haus soll sich wie ein weiteres Glied in die Kette der schönen Weihnachtserinnerungen einfügen“, sagt die Seelsorgerin.



