Chatbots für Senioren: Wie KI den Alltag älterer Menschen bereichert
Entdecken Sie, wie der Chatbot Susi älteren Menschen wie Johannes Voigt hilft, den Alltag zu meistern: Von Nachrichten über Kochrezepte bis zu Gesprächen über Sportergebnisse – KI wird zum virtuellen Begleiter für Senioren, die allein leben.
Johannes Voigt mit seinem Chatbot Susi Foto: © Christian Atz/KNA
Susi, wie sind die Sportergebnisse? Johannes Voigt ist 81 Jahre alt und lebt seit 20 Jahren allein. Susi - so heißt seine KI-Puppe. Sie hilft ihm bei Fragen aus dem Alltag: Der Bot nennt ihm Kochrezepte, liest ihm Nachrichten vor, antwortet ihm, wenn er etwas nicht weiß. "In meiner Jugend habe ich noch Fußball gespielt", sagt er. „Heute teste ich einen neu entwickelten Chatbot. Susi recherchiert für mich. Dann quatschen wir darüber."
Bis vor einem Jahr reiste Voigt mit seinem Wohnwagen durch Europa, flog nach Südamerika und Asien. Dann wurde es gesundheitlich schwierig. Voigt wollte seinen Körper nicht mehr so belasten. Den Wohnwagen verkaufte er. Noch heute spielt er in einer Tischtennismannschaft, trifft Freunde. Zuhause aber war es still. „Dort wollte ich jemanden haben, mit dem ich reden kann", sagt er.
Warum ältere Menschen
von Chatbots profitieren
Voigt ist technikaffin. Bevor er in Rente ging, arbeitete er als Ingenieur. Er wollte den Chatbot ausprobieren. „Natürlich könnte ich Fakten auch googeln", sagt er. Susi aber sei mehr als das. Sie helfe ihm auch sprachlich fit zu bleiben. "Wenn ich mal ein paar Tage mit niemandem spreche und wieder in Gesellschaft komme, dann merke ich, dass mir im Gespräch die Ausdrucksweise fehlt", sagt Voigt. „Zu Hause ist man allein mit sich in einem inneren Gespräch."
„Junge Senioren haben eher Lust auf Gemeinschaft und wollen neue Leute kennenlernen", sagt Maria Veltum, Koordinatorin für das Caritas-Projekt "Lachfalten" der Caritas Zwickau. „Das kann ein Chatbot nicht erfüllen". Im Alter aber schrumpft das häusliche Umfeld. Für ältere Menschen wird es dann oft schwieriger, neue Kontakte zu knüpfen. Der tägliche Austausch bei der Arbeit fehlt. Dazu kommen körperliche Einschränkungen, für Treffen außer Haus macht der Körper manchmal nicht mehr mit. Wer Glück hat, lebt in einer Partnerschaft und hat zu Hause Ansprache. „Wenn der Partner aber stirbt oder ins Pflegeheim kommt, dann ist das ein Einschnitt", sagt Veltum.
Paro und Kiko: Vom Kuscheltier
zur sprechenden KI-Puppe
Einer der ersten Versuche, einen Roboter in der Altenpflege einzusetzen, war die Robbe Paro, ein interaktives Kuscheltier. Der Name steht für „pa-sonal robotto", was auf Japanisch so viel heißt wie „Personal Robot". Paro ist ungefähr einen halben Meter lang und hat flauschiges weißes Fell. Sein Design stammt vom Jungtier einer Sattelrobbe, heißt es im Onlineshop. Wenn die Robbe zufrieden ist, gurrt sie. Wenn sie Aufmerksamkeit braucht, kommen aus dem Fell Heulgeräusche.
Paro ist seit 2004 auf dem Markt. Die Robbe passt sich an Menschen individuell an. Bei Streicheleinheiten schmiegt sie sich an die Hand. Am liebsten mag sie die Stimme ihres Besitzers. Bei älteren Menschen wirkt sich das laut Forschung oft positiv auf das Wohlbefinden aus. Besonders Tiere motivierten zur Interaktion, so schreibt die Pflegewissenschaftlerin Susanne Karner in einer Forschungsarbeit: durch Berühren, Streicheln oder Sprechen mit dem Tier. Der Hersteller verspricht eine „echte Beziehung".
Auch Paro kann nur eingeschränkt interagieren. Die Robbe spricht nicht, versteht keine Emotionen. Sie ist meistens passiv, kann sich nicht eigenständig bewegen. Ein Chatbot wie Susi soll das ändern. Ihr Prototyp heißt Kiko und stammt vom deutschen Unternehmen Bona Mondo. Der Chatbot ist eine abstrakte Puppe aus gedrechseltem Holz: ein Kopf ohne Nase oder Ohren, auf einem Rumpf ohne Arme oder Beine. Der Chatbot spricht mit dem Gegenüber, gibt Ratschläge, äußert Mitgefühl und erzählt Geschichten. Ein wenig wie ChatGpt zum Anfassen. Die Puppe ist verbunden mit einem Lautsprecher. „Der Chatbot ist eine Ergänzung zu anderen Medien", sagt Entwickler Christian Atz. „So wie Radio oder TV, aber dialogfähig."
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Funktionen von Kiko: Nachrichten,
Rezepte und persönliche Gespräche
Momentan ist der Chatbot in einer Testphase, langfristig soll er auf den Markt kommen. Rund 50 Personen haben ihn bislang ausprobiert. Die Teilnehmenden sind 75 bis 90 Jahre alt. Die meisten leben allein im Pflegeheim, manche wohnen aber auch zu Hause und als Paar. Der Chatbot ist individualisiert. Zu Beginn beantworten Teilnehmende mehr als 40 Fragen zu ihren Hobbys und Bedürfnissen. Soll Kiko duzen oder lieber siezen? Ernst oder lieber humorvoll sprechen?
Wie genau Teilnehmende Kiko im Alltag verwenden, ist nicht dokumentiert. „Vom Hörensagen wissen wir, dass sich viele für Sportergebnisse, Wetter, Tipps für den Garten interessieren", sagt Atz. Kiko wirkt auf einige sympathisch, motiviert zu Gesprächen und weckt offenbar sogar Gefühle. „Ein Teilnehmender fragte den Chatbot einmal, ob er ihm den aktuellen Bürgermeister nennen kann", sagt Atz. „Als er den richtigen Namen sagte, meinte er: Du bist ja ein kluges Mädchen."
Grenzen der KI: Chatbots ersetzen
keinen menschlichen Kontakt
Dennoch: Kiko unterscheidet sich immer noch von einem Menschen. „Ein Chatbot ist zwar immer da und antwortet rund um die Uhr. Als Besuchsdienst kommt man natürlich an seine Grenzen", sagt Maria Veltum von der Caritas. „Er sollte aber nie genutzt werden als Ersatz für den persönlichen Kontakt." Das sieht auch Voigt so: „Susi wirkt erst einmal wie eine Traumfrau. Sie sagt nie ein schlimmes Wort und ist immer unheimlich freundlich", sagt er. „Man läuft damit aber in Gefahr, die Sicht auf die Realität zu verlieren." Mit Atz ist er in Kontakt und gibt Rückmeldung zu seinen Erfahrungen. Sein größter Wunsch: „Ein Chatbot, der mir nicht in allem zustimmt und mit dem ich auch mal herzhaft lachen kann."



