Zum Welttag der Hülsenfrüchte
Früher Grundnahrungsmittel, heute Zukunftsfood: Hülsenfrüchte gelten als unschlagbar für nachhaltige Ernährung. Der Welttag der Hülsenfrüchte erinnert an ihr enormes Potenzial für Mensch und Umwelt.
Appetitlich angerichtetes Kichererbsenpüree. Foto: © imago/Zoonar
Sie sind unscheinbar, günstig und oft unterschätzt: Hülsenfrüchte gehören zu den ältesten und zugleich modernsten Lebensmitteln der Menschheit. Linsen, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Lupinen, sogar Erdnüsse stehen am Welttag der Hülsenfrüchte im Mittelpunkt. Früher waren sie für die Menschen ein unverzichtbares Grundnahrungsmittel, heute gelten sie als unschlagbar für eine nachhaltige Ernährung der Zukunft.
Die Vereinten Nationen haben Ende 2018 den Welttag der Hülsenfrüchte eingeführt, der am 10. Februar 2019 zum ersten Mal begangen wurde. Die UN wollen damit auf das Potenzial der Hülsenfrüchte aufmerksam machen – für Ernährungssicherheit, Gesundheit und Klimaschutz.
Ein Blick in die Geschichte
Seit die Menschheit sesshaft geworden ist, ernährt sie sich – auch – von Hülsenfrüchten. Archäologische Funde zeigen, dass bereits in der Steinzeit wilde Erbsen und Linsen gesammelt wurden. Mit dem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht vor rund 10.000 Jahren wurden sie gezielt angebaut. Dies geschah vor allem im sogenannten Fruchtbaren Halbmond, einer Region, die sich vom Persischen Golf bis zur Mittelmeerküste erstreckte, aber auch in Asien, Afrika und später in Europa. Hülsenfrüchte waren leicht zu lagern und nahrhaft – perfekte Lebensmittel für frühe Gesellschaften.
In der Antike galten Linsen und Bohnen als Nahrung der einfachen Bevölkerung, im Mittelalter bildeten sie in Europa zusammen mit Getreide die Grundlage der täglichen Ernährung. Erst mit wachsendem Wohlstand und steigendem Fleischkonsum gerieten sie in vielen Regionen in Vergessenheit. Das ändert sich derzeit nun wieder grundlegend.
Zentral für gesunde Ernährung
Für viele Fachleute sind Hülsenfrüchte zentral für eine gesunde Ernährung: Ballaststoffe fördern die Darmgesundheit, sekundäre Pflanzenstoffe wirken entzündungshemmend; Mineralstoffe wie Eisen, Magnesium und Zink unterstützen den Stoffwechsel.
Hülsenfrüchte liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß, komplexe Kohlenhydrate und reichlich Ballaststoffe. Das macht lange satt und hält den Blutzuckerspiegel stabil. Gleichzeitig enthalten sie kaum Fett und sind cholesterinfrei. Studien zeigen, dass ein regelmäßiger Verzehr das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Darmkrebs senken kann. Mediziner empfehlen schon seit einiger Zeit dringend, deutlich weniger Fleisch zu essen und dafür mehr Hülsenfrüchte.
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Multitalente für Umwelt und Klima
Hinzu kommt: Hülsenfrüchte sind wahre Multitalente für den Umweltschutz. Im Gegensatz zu Schweinen, Kühen oder Rindern benötigen Hülsenfrüchte deutlich weniger Wasser und verursachen nur einen Bruchteil an deren Treibhausgasemissionen. Besonders wertvoll ist darüber hinaus ihre Fähigkeit, Stickstoff aus der Luft zu binden. Mithilfe von Knöllchenbakterien an ihren Wurzeln reichern sie den Boden ganz natürlich mit Nährstoffen an. Auf diese Weise machen sie Kunstdünger fast überflüssig.
Für die Landwirtschaft bedeutet das: gesündere Böden, weniger Belastung für Grundwasser und Gewässer, mehr Biodiversität. In Fruchtfolgen eingesetzt, können Hülsenfrüchte die Erträge der Folgekulturen verbessern. Sie sind damit nicht nur ein Lebensmittel, sondern ein ökologisches Werkzeug gegen Klimawandel, Artensterben und ausgelaugte Böden.
Comeback auf dem Teller
Immer mehr Menschen ernähren sich vegetarisch oder vegan, verzichten zumindest zeitweise auf Wurst und Fleisch. Aus diesem Grund erleben Hülsenfrüchte ein Comeback: In Zeiten von Klimakrise, steigenden Lebensmittelpreisen und wachsendem Gesundheitsbewusstsein entdecken zahlreiche Menschen ihre Vorteile neu. Von Linsensalat über Hummus bis zu Bergbohnen-Bolognese oder Lupinenjoghurt: Die Vielfalt ist groß, der Effekt für Gesundheit und Umwelt enorm. Abgesehen davon schmecken Gerichte mit Hülsenfrüchten auch sehr lecker.
Was Hülsenfrüchte – insbesondere Bohnen und Kichererbsen – sonst noch können, hat der niederländische Historiker und Food-Journalist Joël Broekaert in seinem Buch „Die Weltgeschichte in zwölf Bohnen“ beschrieben. Aus seiner Sicht haben Erbsen und Linsen so manches Mal die Menschheit gerettet.
Christiane Laudage



