Höllhund, Geiersnest und Wolfsöd
Der 4. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, der den Tieren predigte – und Welttierschutztag. Aus diesem Anlass starten wir unsere neue Ortsnamenserie mit Orten im Erzbistum München und Freising, die nach Tieren benannt sind.
„Höllhund“ ist der kuriose Name einer Einöde im dünn besiedelten Bauernland zwischen Waldkraiburg und Trostberg. Foto: © Burghardt
Sie verrichten Arbeiten für uns, leisten uns Gesellschaft, liefern Fleisch und Milch, erfüllen besondere Aufgaben im Ökosystem oder sind einfach schön: Was wäre unsere Welt ohne die Tiere! Zum Gedenktag des heiligen Franz stellen wir sie in den Mittelpunkt – auf überraschende Weise. Rund 40 Begriffe aus dem Reich der Tierwelt sind nämlich in den Ortsnamen unseres Erzbistums verewigt, von der Stadt bis zum Einzelgehöft, von Ebersberg bis Hundsschedel.
Manche dieser Namen erinnern an Nutztiere, die im jeweiligen Ort wichtig waren (Schwein, Schaf, Kuh …),andere an das Vorkommen von Wildtieren (Wolf, Fuchs, Bär …). Besonders wild: der Höllhund (so heißt ein Einödhof zwischen Waldkraiburg und Trostberg). Noch wilder ist wohl nur der Drache, der uns in Drachenthal, einem Weiler in der Gemeinde Fischbachau, begegnet.
Andere historische Wortbedeutungen
Viele dieser Namen gehen ursprünglich gar nicht auf ein Tier zurück: So ist Bockhorn nicht das Horn eines Bocks, sondern eher eine Form von Bachern; Rattenkirchen hat nichts mit Nagern zu tun, sondern mit der Sippe der Ratonen oder einer Rodung; Oberhummel basiert auf einem Flur- oder Personennamen Humpla und nicht auf der Hummel; Otterloh kommt tatsächlich von der (Kreuz-)Otter, Otterfing hingegen vom Personennamen Otolf – und so weiter.
Dennoch: Auch durch das Umdeuten von Begriffen anderer Herkunft zu Bock, Ratte, Hummel und Otter sind Tiernamen entstanden. Andererseits gibt es „echte“ Tiernamen, die heute kaum noch erkennbar sind: Der Ort Beigarten war einst der Bienengarten des Klosters Schäftlarn, in Perlach steckt der Bär, in Irschenberg (von lateinisch ursus) ebenso, in Keferloh der Käfer, in Sauerlach und Solln die Sau.
[inne]halten - das Magazin 20/2026
Franz von Assisi
Auch 800 Jahre nach seinem Tod hat der Heilige noch viel zu sagen
Lesen Sie im [inne]halten-Magazin unseren Themenschwerpunkt und weitere Geschichten und Berichte aus dem kirchlichen Leben.
Nutztiere, Wildtiere und sogar Insekten
Insgesamt an die 150 „tierische“ Orte im Erzbistum hat unsere – sicher unvollständige – Recherche ergeben. Zum Beispiel diese (von denen manche mehrfach existieren):
Katze: Katzenberg, Katzenreuth, Katzbach, Katzwalchen
Hund: Hundham, Hundsham, Hundsschedel, Hundsmüthing, Hundsruck, Hundsöd, Höllhund
Schwein: Schweinersdorf, Schweinhub, Schweinthal, Schweinsteig, Schweinbach, Ebersberg, Eberspoint, Sauberg, Saulgrub, Sauerlach, Solln
Pferd: Roßdorf, Roßwies, Roßbach, Roßholzen
Rind: Kuhberg, Kühloh, Ochsenfurt, Stierberg, Bullreuth
Schaf/Ziege: Schafleiten, Schafstatt, Schafwaschen, Schafhausen, Geißstall, Bockhorn
Hirsch: Hirschbach, Hirschbichl, Hirschpoint, Hirschhof
Hase: Hasenwinkel, Hasenhaus, Hasenreit, Hasenbichl, Haseneck
Fuchs: Fuchsbichl, Fuchsholz, Fuchsthal, Fuchshölle, Fuchssteig, Fuchsreit, Fuchsreut
Wolf: Wolfspoint, Wolfsöd, Wolfeck, Wolfegg, Wolfsberg, Wolfspoint, Wolfswinkel, Wolfersdorf, Wolfhausen
Bär: Bärenschütz, Bärmühle, Bärnham, Bärnhausen, Bärnhöhle, Bärnau, Perlach, Irschenberg
Marder- und Nagetiere: Dachsberg, Bibermühle, Bibereck, Biberkor, Biberbach, Rattenkirchen, Rattenbach
Vögel: Habichtgraben, Amselgraben, Eulenthal, Eulenschwang, Taubenthal, Hahnbauer, Hahnbaum, Falkenberg, Falkenstein, Falkenbuch, Rabenbach, Fasanenjäger, Geier, Geiersnest, Geiersberg, Geierseck, Geierlambach, Gänsöd, Gänsberg, Gänsstall, Lerchenberg, Schwalbenberg, Vogleck, Voglherd. Voglsang
Fische: Fischhausen, Fischbachau, Karpfsee, Welshofen
Frosch: Froschberg, Froschham, Froschlack, Froschkern, Unterfroschheim
Insekten: Keferloh, Ameiser, Oberlaus, Unterlaus, Oberhummel, Hummelhausen, Hummelsberg, Beigarten
Andere: Viehhausen, Viehbach, Viehweide, Wurmsdorf, Wurmsham, Schneckenbauer, Schneckenberg, Schneckenbichl, Otterfing, Otterloh, Ottershausen, Affen, Drachenthal
Apropos Drachenthal: Hier haust doch kein Drache, der Name kommt eher von „ent der Achen“ („auf der anderen Seite der Leitzach“). Und so stimmen wir erleichtert in Psalm 148 ein und singen: Ihr Tiere alle, von Altomünster bis Berchtesgaden, von Rottenbuch bis Landshut, von Bruck bis Übersee, lobet den Herrn! (Jenseits der Bistumsgrenzen liegen noch Spatzenhausen, Flohberg und Antenfressen, aber das führt wohl zu weit …)



