Kultur und Wissen
30.09.2026

Höllhund, Geiersnest und Wolfsöd

Der 4. Oktober ist der Gedenktag des heiligen Franz von Assisi, der den Tieren predigte – und Welttierschutztag. Aus diesem Anlass starten wir unsere neue Ortsnamenserie mit Orten im Erzbistum München und Freising, die nach Tieren benannt sind.
    

„Höllhund“ ist der kuriose Name einer Einöde im dünn besiedelten Bauernland zwischen Waldkraiburg und Trostberg. „Höllhund“ ist der kuriose Name einer Einöde im dünn besiedelten Bauernland zwischen Waldkraiburg und Trostberg. Foto: © Burghardt

Sie verrichten Arbeiten für uns, leisten uns Gesellschaft, liefern Fleisch und Milch, erfüllen besondere Aufgaben im Ökosystem oder sind einfach schön: Was wäre unsere Welt ohne die Tiere! Zum Gedenktag des heiligen Franz stellen wir sie in den Mittelpunkt – auf überraschende Weise. Rund 40 Begriffe aus dem Reich der Tierwelt sind nämlich in den Ortsnamen unseres Erzbistums verewigt, von der Stadt bis zum Einzelgehöft, von Ebersberg bis Hundsschedel.  

Manche dieser Namen erinnern an Nutztiere, die im jeweiligen Ort wichtig waren (Schwein, Schaf, Kuh …),andere an das Vorkommen von Wildtieren (Wolf, Fuchs, Bär …). Besonders wild: der Höllhund (so heißt ein Einödhof zwischen Waldkraiburg und Trostberg). Noch wilder ist wohl nur der Drache, der uns in Drachenthal, einem Weiler in der Gemeinde Fischbachau, begegnet.

Andere historische Wortbedeutungen

Viele dieser Namen gehen ursprünglich gar nicht auf ein Tier zurück: So ist Bockhorn nicht das Horn eines Bocks, sondern eher eine Form von Bachern; Rattenkirchen hat nichts mit Nagern zu tun, sondern mit der Sippe der Ratonen oder einer Rodung; Oberhummel basiert auf einem Flur- oder Personennamen Humpla und nicht auf der Hummel; Otterloh kommt tatsächlich von der (Kreuz-)Otter, Otterfing hingegen vom Personennamen Otolf – und so weiter.  

Dennoch: Auch durch das Umdeuten von Begriffen anderer Herkunft zu Bock, Ratte, Hummel und Otter sind Tiernamen entstanden. Andererseits gibt es „echte“ Tiernamen, die heute kaum noch erkennbar sind: Der Ort Beigarten war einst der Bienengarten des Klosters Schäftlarn, in Perlach steckt der Bär, in Irschenberg (von lateinisch ursus) ebenso, in Keferloh der Käfer, in Sauerlach und Solln die Sau.
    

[inne]halten - das Magazin 20/2026

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Auch 800 Jahre nach seinem Tod hat der Heilige noch viel zu sagen

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Nutztiere, Wildtiere und sogar Insekten

Insgesamt an die 150 „tierische“ Orte im Erzbistum hat unsere – sicher unvollständige – Recherche ergeben. Zum Beispiel diese (von denen manche mehrfach existieren): 

Katze: Katzenberg, Katzenreuth, Katzbach, Katzwalchen 

Hund: Hundham, Hundsham, Hundsschedel, Hundsmüthing, Hundsruck, Hundsöd, Höllhund 

Schwein: Schweinersdorf, Schweinhub, Schweinthal, Schweinsteig, Schweinbach, Ebersberg, Eberspoint, Sauberg, Saulgrub, Sauerlach, Solln 

Pferd: Roßdorf, Roßwies, Roßbach, Roßholzen 

Rind: Kuhberg, Kühloh, Ochsenfurt, Stierberg, Bullreuth 

Schaf/Ziege: Schafleiten, Schafstatt, Schafwaschen, Schafhausen, Geißstall, Bockhorn 

Hirsch: Hirschbach, Hirschbichl, Hirschpoint, Hirschhof 

Hase: Hasenwinkel, Hasenhaus, Hasenreit, Hasenbichl, Haseneck 

Fuchs: Fuchsbichl, Fuchsholz, Fuchsthal, Fuchshölle, Fuchssteig, Fuchsreit, Fuchsreut 

Wolf: Wolfspoint, Wolfsöd, Wolfeck, Wolfegg, Wolfsberg, Wolfspoint, Wolfswinkel, Wolfersdorf, Wolfhausen 

Bär: Bärenschütz, Bärmühle, Bärnham, Bärnhausen, Bärnhöhle, Bärnau, Perlach, Irschenberg 

Marder- und Nagetiere: Dachsberg, Bibermühle, Bibereck, Biberkor, Biberbach, Rattenkirchen, Rattenbach 

Vögel: Habichtgraben, Amselgraben, Eulenthal, Eulenschwang, Taubenthal, Hahnbauer, Hahnbaum, Falkenberg, Falkenstein, Falkenbuch, Rabenbach, Fasanenjäger, Geier, Geiersnest, Geiersberg, Geierseck, Geierlambach, Gänsöd, Gänsberg, Gänsstall, Lerchenberg, Schwalbenberg, Vogleck, Voglherd. Voglsang 

Fische: Fischhausen, Fischbachau, Karpfsee, Welshofen 

Frosch: Froschberg, Froschham, Froschlack, Froschkern, Unterfroschheim 

Insekten: Keferloh, Ameiser, Oberlaus, Unterlaus, Oberhummel, Hummelhausen, Hummelsberg, Beigarten  

Andere: Viehhausen, Viehbach, Viehweide, Wurmsdorf, Wurmsham, Schneckenbauer, Schneckenberg, Schneckenbichl, Otterfing, Otterloh, Ottershausen, Affen, Drachenthal 

Apropos Drachenthal: Hier haust doch kein Drache, der Name kommt eher von „ent der Achen“ („auf der anderen Seite der Leitzach“). Und so stimmen wir erleichtert in Psalm 148 ein und singen: Ihr Tiere alle, von Altomünster bis Berchtesgaden, von Rottenbuch bis Landshut, von Bruck bis Übersee, lobet den Herrn! (Jenseits der Bistumsgrenzen liegen noch Spatzenhausen, Flohberg und Antenfressen, aber das führt wohl zu weit …) 

Tierische Ortsnamen Galerie
Joachim Burghardt
Artikel von Joachim Burghardt
Redakteur
Immer auf der Suche nach spannenden, kontroversen und kuriosen Themen rund um Glauben und Wissen.