Ein Segen für die Ehe: Wie der Glaube das gemeinsame Leben stärkt
Pascale und Ludwig Reicherstorfer feiern heuer ihren 21. Hochzeitstag. Ihr Glaube spielte von Anfang an eine Rolle.
Der gemeinsame Glaube hat Pascale und Ludwig Reicherstorfer in ihrer Ehe immer wieder Halt gegeben. Foto: © StockAdobe/Alexandre
1996: eine Party im Pfarrheim, Jugendliche feiern und tanzen. An diesem Abend stehen sich Pascale und Ludwig Reicherstorfer zum ersten Mal gegenüber. Er fragt sie, ob sie zum Rauchen nach draußen gehen wollen, sie stimmt zu. Vor dem Pfarrheim muss Ludwig dann zugeben, dass er gar nicht raucht. Es wird klar: Er möchte Pascale kennenlernen – und ihr geht es ebenso.
30 Jahre später feiern die beiden ihren 21. Hochzeitstag. Während ihrer Ehe sind sie von München nach Berlin gezogen und wieder zurück; sie haben gemeinsam vier Kinder bekommen. „Wir haben viele verschiedene Phasen zusammen durchgemacht. Das ist ja klar, wenn man so lange zusammen ist.“ Der Glaube habe den beiden dabei immer Halt gegeben – ob eine Beziehung halte, das wisse man nie endgültig. „Aber man hat dieses Selbstbewusstsein, dass es noch eine Instanz gibt, die einen unterstützt“, meint der 45-Jährige. Seine Frau ergänzt: „In schlimmen Momenten gibt es die Ansprache in der Kirche und einen Ort, wo man ein Licht anzünden kann.“
So ist es kein Wunder, dass sich die 44-Jährige und ihr Mann im letzten Jahr zu ihrem zwanzigsten Hochzeitstag für die Festmesse der Ehejubilare anmelden. Jedes Jahr veranstaltet das Ehe- und Familienpastoral der Erzdiözese München und Freising eine Messe mit anschließender Einzelsegnung für alle Paare mit einem runden oder halbrunden Hochzeitstag. Das Angebot kommt gut an: Im letzten Jahr gab es mehr Anmeldungen als Sitzplätze im Münchner Frauendom, erzählt Organisator Johannes Sporrer. Ludwig und Pascale Reicherstorfer müssen warten und dürfen heuer ihr Ehejubiläum nachfeiern.
Kirchliche Trauung: „wie das Besteck zum Essen“
Aber zurück auf Anfang: Schnell waren sich die beiden Jugendlichen sicher, dass das etwas Ernstes ist. Auch an eine Hochzeit denkt Ludwig schon früh. Er macht Pascale noch in Jugendjahren einen Antrag – „so halb ernst“, sagt er und schmunzelt. Sie stehen mit zwei Tassen Glühwein auf den Treppen der Glyptothek auf dem Münchner Königsplatz, als er ihr einen Ring entgegenhält. Ein zweiter, richtiger Heiratsantrag folgt erst Jahre später. Kurz vor der Fußballweltmeisterschaft möchte Ludwig ihr beim Essen die Frage stellen: „Ich habe eine Überraschung für dich“, sagt er. „Du hast WM-Tickets!“, freut sich Pascale. Nicht ganz – aber noch besser. Obwohl die beiden schon lange ein Paar sind, ist die damals 23-Jährige überrascht.
Die katholische Trauung in der Münchner Thomas-Morus-Kirche war für das Paar selbstverständlich: „Das ist wie das Besteck zum Essen, das gehört dazu“, sagt Pascale: „Ohne dieses Siegel wäre es, wenn überhaupt, die Hälfte wert.“ In der Kirche wurden schon ihre Eltern getraut und sie selbst getauft. Auch zu dem Pfarrer haben sie eine enge Verbindung, erzählen die beiden. Eine kirchliche Trauung gebe dem Tag eine höhere Bedeutung. Der Moment des Ehegelübdes ist Ludwig besonders in Erinnerung geblieben: „Wir haben uns da gegenseitig geschworen, den Rest unseres Lebens füreinander da zu sein”. Pascale stimmt ihm zu: ”Da ist für mich wirklich nichts, was das auseinanderbringen kann. Denn er da oben hat uns zusammengebracht.“
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Langjährige Ehe: Krisen gemeinsam meistern
Herausforderungen gab es in den gemeinsamen 30 Jahren – die haben die Reicherstorfers aber zusammen gemeistert. Der Umzug nach Berlin sei ihnen schwergefallen, natürlich habe es auch Schicksalsschläge innerhalb der Familie gegeben: „Da muss man sich auch darauf verlassen können, dass man sich ein bisschen abkapseln darf, um sowas allein zu bewältigen.“ Gleichzeitig sei es wichtig zu wissen, dass die andere Person da ist, sobald man sie brauche. Miteinander zu sprechen, offen zu sein und niemals voneinander weglaufen – das sei ausschlaggebend. Mit „Z‘ammenhalten“ habe es ihr Pfarrer auf den Punkt gebracht; dieses Credo begleite sie.
Auf die schönen und die schwierigen Momente wollen die beiden jetzt zurückblicken, auch auf der Festmesse der Erzdiözese. Für Pascale und Ludwig Reicherstorfer bedeutet die Festmesse auch eine Erneuerung des Eheversprechens. Nebenbei sei sie einfach eine Abwechslung zum Alltag: „Wenn man mal Luft für sich hat, das ist schön“. Der Segen soll den Weg für die nächsten Jahrzehnte ihrer Ehe ebnen. Denn eigentlich wünschen sich die beiden nur eins: Dass die Zufriedenheit bleibt.
Pascale und Ludwig Reicherstorfer sind seit ihrer Jugend ein Paar. Foto: © privat
Wissenswert
Festmessen und ähnliche Veranstaltungen für Ehejubilare gibt es in vielen Bistümern und Pfarreien – zum Beispiel in Münster, Köln oder Augsburg. Häufig finden die Feste im Oktober rund um die Erntedankfeier statt. Teilnehmen können meist Paare mit einem halbrunden oder runden Hochzeitstag. Der diesjährige Festgottesdienst für das Erzbistum München und Freising findet am Sonntag, 11. Oktober 2026 um 10:00 Uhr im Münchner Dom statt. Eine Anmeldung über die Homepage des Erzbistums ist erforderlich.



