Warum brauchen wir Moore?
Im Hohen Venn brannte im August 2026 das Moor. Rund um das belgische Naturschutzgebiet zeigte sich eindrücklich, was passiert, wenn ein Moor zu trocken ist. Doch was ist eigentlich ein Moor? Und warum lohnt sich dessen Schutz?
Moorlandschaft in der Uckermark im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, Brandenburg. Foto: © imago/imagebroker
Ein nasses Moor kann Klimaschützer sein, besondere Tiere und Pflanzen beherbergen und Hochwassern vorbeugen. In Deutschland liegen die meisten Moore allerdings trocken. Sieben Fragen und Antworten zu einem Thema, das jede und jeden mehr betrifft, als man auf den ersten Blick denkt.
Was ist eigentlich ein Moor?
Ein Moor ist ein dauerhaft feuchter Lebensraum. Sein Boden ist so stark mit Wasser gesättigt, dass abgestorbene Pflanzen nur unvollständig zersetzt werden. Die Pflanzenreste sammeln sich deshalb über sehr lange Zeit an. So entsteht Torf. Schicht für Schicht bildet sich so über Jahrhunderte ein Torfkörper. Je nach Klima, der Geologie und anderen Faktoren entwickeln sich Moore unterschiedlich.
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Wo gibt es Moore?
In Deutschland gibt es Moore vor allem im Norddeutschen Tiefland und im Alpenvorland. Weltweit sind etwa drei Prozent der Landfläche mit Mooren bedeckt, vom größten tropischen Moor der Welt im Kongobecken bis zu arktischen Mooren in Russland.
Was nützen Moore?
Moore sind wichtig für den Wasserhaushalt, die Artenvielfalt und das Klima. Für den Wasserhaushalt spielt eine wichtige Rolle, dass die Torfkörper von Mooren wie Schwämme wirken – in Zeiten von Trockenheit können sie Feuchtigkeit bieten, bei starken Niederschlägen Wasser aufnehmen und so helfen, Hochwasser und Fluten einzudämmen.
Moore sind außerdem besondere Lebensräume. Dort leben Pflanzen und Tiere, die an die nassen und nährstoffarmen Bedingungen angepasst sind und anderswo kaum vorkommen.
Warum sind Moore für das Klima wichtig?
Pflanzen nehmen beim Wachsen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid aus der Luft auf. Wenn sie in einem nassen Moor absterben, wird ein Teil dieses Kohlenstoffs im Torf gespeichert. Über Jahrtausende können so gewaltige Kohlenstoffvorräte entstehen.
Obwohl Moore weltweit nur etwa drei Prozent der Landfläche bedecken, speichern ihre Torfschichten laut Bundesamt für Naturschutz etwa doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder weltweit. Das funktioniert allerdings nur, solange ein Moor nass bleibt.
Was passiert, wenn einem Moor das Wasser fehlt?
Wird ein Moor entwässert, gelangt Luft in den Torfkörper. Der Torf beginnt sich zu zersetzen und der zuvor gespeicherte Kohlenstoff wird freigesetzt – unter anderem als Kohlenstoffdioxid. Aus einem Kohlenstoffspeicher wird so eine Quelle von Treibhausgasen.
Noch schlechter ist die Treibhausgasbilanz von Mooren, wenn sie brennen. Trockener Torf brennt leicht. Das war im August 2026 im Hohen Venn zu sehen: Teile des Moors dort seien jahrzehntelang entwässert worden, so der Moorforscher Gerald Jurasinski von der Universität Greifswald. Besonders problematisch sei, dass Torf unter der Oberfläche weiterbrenne und starken Rauch entwickle.
Auch in Deutschland wurde der Großteil der Moore trockengelegt – vor allem, um die Flächen zu nutzen, etwa für Landwirtschaft, Wälder und Siedlungen. Früher war Torf außerdem ein wichtiger Brennstoff. Aus trockengelegten Mooren wurden Torfstücke abgestochen und getrocknet.
Wie werden Moore heute geschützt?
Vor allem, indem entwässerte Moore wieder nass werden. Bund und Länder fördern die Wiedervernässung. Auch die EU hat Vorgaben zur Wiederherstellung von Mooren beschlossen. Laut dem Greifswalder Professor Jurasinski sind in Deutschland bisher vier Prozent der Moore wieder vernässt worden. Er fordert mehr Tempo.
Nach Angaben der Uni Greifswald verursachen entwässerte, genutzte Moorflächen in Deutschland jährlich rund 7 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen. Wiedervernässung ist also ein Baustein, die Klimaziele zu erreichen.
Was kann jede und jeder für den Schutz von Mooren tun?
Ein einfacher Beitrag ist, torffreie Blumenerde zu kaufen. Denn für den Gartenbau wird weiterhin industriell Torf abgebaut. Wer im Garten auf Torf verzichtet, hilft dabei, Moore und den darin gespeicherten Kohlenstoff zu schützen. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein rät außerdem, auf Palmöl zu verzichten. Denn etwa in Südostasien befinden sich viele Palmöl-Plantagen auf trockengelegten Mooren. Und: Wer im Moor unterwegs ist, kann ganz einfach seinen Teil zum Schutz beitragen: Natur genießen und Müll wieder mitnehmen.
Nicola Trenz



