Die Legende von Montecassino

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Buchprofile - Rezension
Beutekunst oder Kunstrettung: Gerhard Köpf überträgt die spannende Geschichte vom Kloster Montecassino einem abtrünnigen Mönch.
Um die Benediktinerabtei Montecassino wurde Anfang 1945 schwer gekämpft, sie lag zwischen alliierter und deutscher Front auf der engsten Stelle des italienischen Stiefels zwischen Neapel und Rom. Gerhard Köpf erzählt die Geschichte der Zerstörung des Klosters aus einer ganz neuen Perspektive. Er stellt die Evakuierung der Kunstschätze der Abtei in die Engelsburg, von 17 Kisten auch nach Deutschland, in den Rahmen eines Augenzeugenberichts. Der steinalte Pater Remo erzählt in seinem Turiner Domizil einem Journalisten seine Biografie. Aber in seinen Berichten vermischen sich Fakten und Skandale, es kommen vermeintlich gute Nazis und zwielichtige Partisanen ins Spiel, der Journalist wird misstrauisch, und wer das Ganze liest, fragt sich erst recht, wem die kostbare Kunstsammlung nun eigentlich gehört: den Künstlern, der Nation oder der Welt, dem Museum, dem Archiv oder der Bibliothek. Kunstraub und Kunstrettung: das ist hier die im Sinne der Beutekunstdebatten hochaktuelle Frage. Aber Köpf schreibt auch einfach eine gute, packende Story, garniert mit monastischen Weisheiten: Der Unterschied zwischen Gott und den Historikern bestehe darin, dass Gott die Vergangenheit nicht mehr ändern könne. Das stachelt die Leselust an und führt zu einem überraschenden Ende. Eine spannende Klostergeschichte, eine ‚wahrlügende‘ Geschichtslegende, sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Die einen sprechen vom größten Kunstraub aller Zeiten, die anderen von einer außergewöhnlich mutigen Aktion zur Rettung abendländischer Kulturgüter. Was ist mit der Sammlung des italienischen Benediktinerklosters Montecassino, gegründet von Benedikt von Nursia, wirklich geschehen? Ein alter Mönch erzählt die von Historikern unterschiedlich gedeutete Geschichte aus seiner Sicht, denn er war als junger Mann Augenzeuge, ehe die Abtei von alliierten Bombern dem Erdboden gleichgemacht wurde. Und er ist darüber hinaus persönlich verstrickt in die Frage, ob es Kunstraub war oder Kunstrettung. Jetzt, im hohen Alter, legt er bei einem Journalisten seine Beichte ab, aber niemand weiß, ob er dabei lügt oder die Wahrheit sagt, denn Wahrheit und Lüge sind manchmal nur eine Frage der Blickrichtung.

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Personeninformation

Gerhard Köpf, 1948 geboren, ehemaliger Literaturprofessor an verschiedenen Universitäten des In- und Auslandes, danach Gastprof. an der Psychiatr. Klinik der LMU München; diverse Literaturpreise für sein literar. Werk (u. a. 1983 Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann- Preis; 1989 Förderpreis Berliner Akad. der Künste, 1990 Raabe-Preis); spielte kleine Rollen in Film und Theater (Münchner Kammerspiele).
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