Orangen für Dostojewskij

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Buchprofile - Rezension
Eine fiktive Begegnung zwischen dem russischen Dichter und dem italienischen Komponisten Gioachino Rossini.
Dostojewskij streift 1862 auf seiner ersten Westeuropareise durch die Gassen Venedigs. Gesang aus einer Gaststätte lockt ihn an und er wird so Gast des berühmten Opernkomponisten Gioachino Rossini. Der macht ihm das Angebot, das Libretto für eine Opera buffa über Casanova zu schreiben. Gleichzeitig macht er den Dichter mit einer opulenten fröhlichen Lebensweise bekannt. Rossini führt ihn in die Widerstandskreise der Serenissima gegen die Österreicher ein und nimmt ihn mit auf einen Bootsausflug zum Lido. Der stets ernste Dostojewskij, von seinen Erfahrungen des zehnjährigen Strafaufenthalts in Sibirien geprägt, ist überrascht über die Leichtigkeit bis hin zum Badevergnügen, das damals erstmals in Mode kam. Das Opernprojekt scheitert an den so unterschiedlichen Charakteren. Der Autor fingiert, die Begegnung habe Rossini zu seiner einzigen Messkomposition angeregt. - Dangl gestaltet den Roman in einem eher epischen Stil, der wie in Dostojewskijs Werken Raum lässt für die inneren Wahrnehmungen der Protagonisten, besonders der Hauptfigur. Als Gedankenassoziationen lässt Dangl die zurückliegende Lebensgeschichte Dostjewskijs in den Handlungsablauf einfließen. Der Leser kann dadurch erkennen, welche Motive für die späteren Romane wie "Schuld und Sühne" den Dichter wohl schon einige Zeit vor den Niederschriften beherrschten. Als Pendant zeigt sich der Lebenslauf Rossinis, der vor seinem 40. Geburtstag 29 Opern komponierte und ab dann gewissermaßen schwieg und mit Genuss ein Leben ohne materielle Sorgen führte. Für den Leser ist der Kontrast der zwei Persönlichkeiten frappierend, zugleich nähert er sich dem, wie Dostojewskij die Welt wahrnahm und die Menschen nahezu sezierte.
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Artikelbeschreibung

Als Fjodor M. Dostojewskij zum ersten Mal Venedig besucht, ist das die Erfüllung eines Kindheitstraums. Doch ist er bereits 40, im Westen unbekannt und in einer beruflichen wie privaten Krise. Die Schönheit und Lebendigkeit Venedigs erreichen ihn nicht. Da widerfährt ihm eine phantastische Begegnung: mit dem Komponisten Gioachino Rossini, 70, weltberühmt, eine Legende. Der barocke Genussmensch, Inbegriff mediterraner Leichtigkeit und Allegria, verzaubert ihn mit Lebensfreude und stellt den grüblerischen, schwermütigen Asketen in drei Tagen sozusagen vom Kopf auf die Beine. Die Gegensätze sind die größten und doch erleben wir die Annäherung zweier hochsensibler Künstlerseelen, in teils grotesken, komischen und an die Grundfragen des Menschlichen rührenden Situationen und Gesprächen. Ich habe Venedig noch mehr geliebt als Russland, findet sich in privaten Notizen Dostojewskijs. Der Roman spürt möglichen Ursachen dieser Liebe nach.

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