Miserere

Drei Texte
16,00 €
(inkl. MwSt.)
Versandkostenfrei in DE
Sofort lieferbar
Buchprofile - Rezension
Über durchgefallene Lebensbilanzen: Helena Adlers nachgelassene Anti-Idyllen.
Helena Adlers Geschichten, die in diesem postumen Band vorliegen, haben eine persönliche Geschichte. Die kürzeste, „Unter die Erde“, war 2022 im Radio Salzburg zu hören, die anderen, „Ein guter Lapp in Unterjoch“ und „Miserere Melancolia“, hatte die Autorin für die Klagenfurter Bachmann-Tage 2023 geschrieben, konnte aber aufgrund einer schweren Therapie nicht daran teilnehmen. Verbunden sind die Erzählungen durch das Motiv von Schwermut und Depression. Dieses Motiv hat einen christlichen Ursprung, der auf die Vertonung von Psalm 51 zurückgeht. Dort wird um Gottes Gnade in seiner Güte gebetet. In Adlers Storylines geht es auch um diese religiösen Dimensionen tiefer Traurigkeit, aber vor allem um Zwiegespräche mit dem inneren Dämon, der das Ich dazu nötigt, über Lebenstrauer, Weltüberdruss, eigene Unzulänglichkeit zu sprechen und viele Namen bekommt, „Knecht der Krepierkenntnis“ und „Relikt meiner Traumata“ zum Beispiel. Das ist in hohem Maße sprachvirtuos und anregend erzählt: warum man sich an Lachsalven die Zunge verbrennen kann, wie man in eine Geschichte „hast“, wieso Dauer kein Kriterium für Nähe ist und wann eine existenzielle Erschöpfung mit einer Erlösung endet. Die 1983 geborene und 2024 in Salzburg gestorbene Helena Adler schickt ihre Figuren in die Zumutungen eines Lebens, in dem vom Kirchenglauben über Alpträume und Familienfehden bis zu Festmählern und Stallarbeiten kaum etwas ausgelassen, was Idyllen unter umgekehrten Vorzeichen ausmacht. Empfehlenswert.
Weiterlesen

Artikelbeschreibung

Am 5. Januar 2024 ist Helena Adler gestorben, mit vierzig Jahren, viel zu früh. Für drei Bücher hat die Zeit gereicht, und mit diesen Büchern, vor allem aber mit Die Infantin trägt den Scheitel links ist es ihr gelungen, sich in die Geschichte der neueren deutschsprachigen Literatur einzuschreiben. Mit überschäumender Sprachlust, mit unbändigem Wortwitz, auf Leben und Tod und mit Hohn und Spott und Zähnen und Klauen hat sie sich ihrer Herkunft gestellt und der Alptraumidylle der österreichischen Provinz auf der Wetterseite einen frischen Anstrich verpasst. Sie hat auf Biegen und Brechen alle Register gezogen, denn ihre Literatur war nicht nur ein sehr großer Spaß, sondern immer auch eine sehr ernste Angelegenheit. Das zeigt sich auch an den drei noch zu Lebzeiten abgeschlossenen Texten, die dieser Band versammelt. Sie wüten und sie poltern wie eine Liebeserklärung an das Leben, die das letzte Wort behalten will - und behält!

Produktsicherheit

Hersteller: Jung und Jung Verlag KG
Anschrift: Hubert-Sattler-Gasse 1
AT-5020 Salzburg
Kontakt: office@jungundjung.at

Personeninformation

Geboren 1983 in Oberndorf, gestorben 2024 in Salzburg. Sie studierte Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg. Ihr Roman Die Infantin trägt den Scheitel links stand 2020 auf der Longlist zum Deutschen und auf der Shortlist zum Österreichischen Buchpreis. Zuletzt erschien der Roman Fretten, auch mit ihm war sie für den Österreichischen Buchpreis nominiert.

Pressestimmen

»Helena Adler schreibt Prosa, die sich durchs Fleisch bohrt, um für immer in den Knochen zu bleiben. Das ist wild-wuchernde Sprachkunst, die einzigartig ist in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.« Katja Gasser / ORF
Mehr von Adler, Helena

Bewertungen

Die Bewertungen werden vor ihrer Veröffentlichung nicht auf ihre Echtheit überprüft. Sie können daher auch von Verbrauchern stammen, die die bewerteten Produkte tatsächlich gar nicht erworben/genutzt haben.