Ohne Furcht und Tadel

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Buchprofile - Rezension
Eine alte Dame hütet den Heiligen Gral wie ihren größten Schatz.
Zufällig entdeckt Mrs. Whitaker im Oxfam-Shop einen Metallbecher, der auf ihrem Kaminsims gut zur Geltung kommt. Bald darauf steht Galahad, einer der Ritter der Tafelrunde, vor ihrer Tür, der in dem Becher den "Heiligen Gral" erkennt. Es kostet ihn viel Mühe, Mrs. Whitaker zu überreden, ihm den Becher zu überlassen. Diese Graphic Novel persifliert die Artus-Sage und die Suche der Ritter nach dem Heiligen Gral. Dass dieser angebliche Abendmahls-Kelch sich erst zwischen dem Gerümpel eines Oxfam-Regals befindet und schließlich als Deko-Objekt bei einer schrulligen Witwe dient, ist nicht ohne Komik. Gestalterisch gelingt die Verbindung des zeitgenössischen Settings mit mittelalterlich anmutenden Bibel-Illustrationen als ein origineller Ausdruck von Pop-Kultur. Die Begegnung mit der Sagen-Gestalt ruft bei der Dame Erinnerungen an ihre Jugend hervor, die vom kitschigen Fantasy-Style überblendet werden. Die peniblen Schilderungen ihres Tagesablaufs sorgen für eine Verlangsamung der Handlung, was kaum mit der Dynamik von Ritter-Geschichten kompatibel ist. So changiert diese Arbeit zwischen feiner Ironie und derbem Humor, was für tolerante Liebhaber:innen von Fantasy-Literatur durchaus unterhaltsam sein kann.
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Artikelbeschreibung

Jeden Donnerstag ging Mrs. Whitaker zuerst zur Post, um ihren Pensionsscheck abzuholen, und danach zum Oxfam-Shop, um ein bisschen zu stöbern. An jenem Tag fand sie zwei alte Taschenbücher und den Heiligen Gral und kaufte alles zusammen für 40 Pence. Danach ging sie zum Metzger und kaufte ein schönes Stück Leber fürs Dinner. Mrs. Whitaker stellte den Gral auf ihren Kaminsims, zwischen die Figurine des Bassets mit den treuen Augen und das Foto ihres verstorbenen Ehemannes Henry, denn da machte er sich gut. Sie staunt nicht schlecht, als am nächsten Tag der edle Galaad in strahlender Rüstung vor ihrer Tür steht, um seine Queste, die Suche nach dem Sang Real, endlich abzuschließen. Glücklicherweise ist eine britische Dame nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen.Diese herrlich absurde Kurzgeschichte von Bestsellerautor Neil Gaiman (»American Gods«, »Sandman«) beantwortet die Frage, die uns allen schon immer unter den Nägeln brannte: Was wäre, wenn das heiligste Artefakt der Christenheit in den Besitz einer alten britischen Witwe geräte? Die unvergleichliche Illustratorin Colleen Doran (»Snow, Glass, Apples«) findet für Gaimans unbestechlich komische Prosa wunderschöne Bilder, die zwischen Opulenz und Banalität jeden Ton treffen.

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