Meine langen Nächte

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Buchprofile - Rezension
Eine junge Krankenschwester, vom Nationalsozialismus überzeugt, beteiligt sich an Zwangssterilisierungen.
Das Buchcover zeigt eine Krankenschwester ohne Gesicht, deren Tracht in der Hintergrundfarbe des Einbands, ein ins Beige changierendes Hellbraun, aufgeht und nur durch eine weiße Schürze und Haube konturiert ist. Mit dieser Darstellung werden alle Elemente des Romans kongenial ins Optische übertragen: Anna Alrutz, Jahrgang 1907, die sich selbst als durchschnittliches Mädchen empfindet, ist vom Nationalsozialismus so tief überzeugt, dass sie eine Ausbildung zur "braunen Schwester" absolviert, einem der NSDAP nahestehenden Schwesternverband. Als solche arbeitet sie in der Frauenklinik Göttingen und ist wesentlich an der Zwangssterilisierung vermeintlich "erbkranker" Frauen beteiligt. Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur, die, als Strafe für ihre Sympathie mit dem Nationalsozialismus, nach ihrem Tod dazu verdammt ist, als Gespenst in der Klinik umzugehen und ihr eigenes Schicksal - dieses Mal aus kritischer Reflexionsdistanz - erneut zu erleben. Der Roman, in Italien 2014 erschienen und mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, ist kunstvoll gebaut und, trotz des bedrückenden Themas, ein unerwartet poetisches Buch. Gerne werden es alle diejenigen lesen, die sich auch für eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte interessieren, das hier im Bezugsrahmen der griechischen Tragödie erzählt wird.
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Artikelbeschreibung

Anna Alrutz ist ein beliebiges blondes Mädchen, wie sie selbst findet. Als älteste Tochter einer wohlhabenden Familie verbringt sie glückliche Sommer im kleinen Kurort Salzgitter. Hier zankt sie sich mit ihrem Bruder Willi, streift mit ihrer besten Freundin Helene durch die Wälder, trifft ihre erste große Liebe. Dass Anna sich schon früh für den Nationalsozialismus begeistert, können die liberalen Eltern nicht verhindern. Auch nicht, dass sie ihr Medizinstudium abbricht und eine »NS-Schwester« wird. An der Universitätsklinik Göttingen praktiziert sie, was Hitler per Gesetz angeordnet hat: die Zwangssterilisation »erbkranker« Frauen und Männer. Anna meint, das Richtige zu tun. Doch als sie sich in den französischen Medizinstudenten Thierry verliebt, und Helene in die Klinik eingeliefert wird, gerät ihre Überzeugung ins Wanken. Sie schließt sich einer Gruppe an, die Patientinnen zur Flucht verhilft, und muss bald eine folgenschwere Entscheidung treffen.Meine langen Nächte ist die Geschichte einer ideologischen Verirrung, aber auch eine Geschichte des Mitgefühls und der späten Einsicht: die anrührende literarische Lebensbeichte einer jungen Frau.

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