Zeter und Mordio

Frei nach den Memoiren der Glückel von Hameln
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Buchprofile - Rezension
Gelungener Einblick in die Lebensumstände der jüdischen Bevölkerung Hamburgs und Altonas im 17. Jh.
Basierend auf einem Teil der Autobiografie der jüdischen Handelsfrau Glikl Bas Jehuda Leib (= Glückel von Hameln) vermittelt Cornils mit seinem Erstlingswerk einen Eindruck der Gesellschaftsstruktur der Hansestadt Hamburg im 17. Jh. Eingebettet in eine spannend erzählte Kriminalgeschichte um zwei verschwundene jüdische Gemeindemitglieder befasst sich die Graphic Novel mit der mangelnden Akzeptanz und Integration der Juden durch Mitbürger:innen, Politik und Kirche. Nur wenig entfernt, in Altona, protegiert die dänische Krone die jüdische Bevölkerung und garantiert auch eine faire Rechtsprechung. So folgen die Leser:innen dem Hilferuf "Zeter + Mordio" der jungen Rebekka Lipmann, die die Aufklärung des von einem alteingesessenen Hamburger Bürgers begangenen Verbrechens verfolgt. Äußerst gelungene Zeichnungen – Bilder sagen oft mehr als Worte – geben ein gutes Spiegelbild der damaligen Zeit. Erklärungen jüdischer Ausdrücke im Text, ein Personenregister sowie ein Glossar sind hilfreich. – Eine Graphic Novel, die unterhält, aber auch Interesse für die jüdische Geschichte weckt. Für größere Bestände äußerst empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Als ein jüdischer Händler von einem Mitglied einer angesehenen Hamburger Bürgerfamilie ermordet wird, müssen die Mitglieder der jüdischen Gemeinde das Verbrechen hinnehmen, um niemanden gegen sich aufzubringen. Nur die junge Rebekka Lipmann kann sich nicht damit abfinden und beginnt mit ihrem Mann Schmuel Ermittlungen, die sie durch Hinterhofsynagogen, Handelsbörsen, Tavernen und Vergnügungsmeilen des frühen Hamburg führen ...Die Geschichte basiert auf einem historischen Kriminalfall von 1687, den Glückel von Hameln in ihren Memoiren schildert.Glückel von Hameln, geboren 1647 als Glikl bas Judah Leib, wurde früh mit dem nur wenige Jahre älteren Chajim verheiratet. 1691 starb Chajim und hinterließ Glikl das verschuldete Geschäft und 14 Kinder, von denen acht noch unverheiratet waren. "Um nicht endgültig dem Trübsal zu verfallen", wie sie ihre Autobiografie einleitet, beginnt Glikl ihr Leben aufzuschreiben. Ihre Memoiren sind eine herausragende Quelle für die Erforschung deutsch-jüdischer Geschichte und Kultur.Jens Cornils ist Finalist beim Comicbuchpreis 2024 der Berthold Leibinger Stiftung.

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