Karl Valentin und die Musik

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Bayern im Buch-Rezension
Gut lesbare und bebilderte Darstellung des Künstlers als Musiker und Musikakrobaten.
Der Valentin-Kenner Schweiggert, der seine reich bebilderte Darstellung - leider ohne genauere Quellennachweise - auf den umfangreichen Nachlass Valentins in Köln und weitere Unterlagen aus der Familie des Künstlers stützen kann, zeichnet kenntnisreich und gut geschrieben das ambivalente Verhältnis des "tragikomischen" Universalkünstlers Valentin zur Welt der Musik nach. Valentin war selbst musikalisch, beherrschte um die 15 Instrumente, von der Zither bis zur Tuba, aber er sah sich nicht als Musiker oder beispielsweise Musikkabarettist. Beeinflusst von der typisch Münchnerischen Volkssängerkultur suchte er vielmehr seine eigenen Wege, ver-spielte, zersang, parodierte Musik, um sie als Stilmittel und Werkzeug in seinen eigenen Werken zu nutzen. Schweiggerts Ausführungen folgen zumeist chronologisch dem Leben seines Protagonisten. Von Valentins Anfängen als gescheiterter "Musical-Fantast Charles Fey" 1907 bis zu dessen Lebensende 1948 beleuchtet der Autor detailliert jede Beziehung, jede Verwendung von Musik in Leben und Werk des Münchener Ausnahmekünstlers und zieht dabei Parallelen oder zeigt Gegensätze zur allgemeinen Volkskultur der jeweiligen Zeit auf. Valentins kongeniale Partnerin Liesl Karlstadt, Bertolt Brecht, Annemarie Fischer und andere Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter kommen demgegenüber nur komplementär vor. Buchstaben erzeugen keine Töne, doch Schweiggert gelingt es gut, in seinem Buch das musikalische Leben Valentins, aber auch die Klangwelt der Münchener Volkskultur in der ersten Hälfte des 20. Jh. erahnbar zu machen. Manche anachronistischen Vergleiche, etwa zur Rapmusik, sind da vernachlässigbar. Über 70 Jahre nach dem einsamen Tod Valentins ist seine Kunst - denn ihn als reinen "Komiker" abzustempeln würde viel zu kurz greifen - durchaus fremd geworden, sie benötigt Vermittlung, zumal die meisten Menschen mit Valentin vielleicht nur noch Kalendersprüche oder die auf Film und Platte überlieferten Werke verbinden. Schweiggerts Buch ist schon von daher wichtig.
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Artikelbeschreibung

Bei Valentin hatte die Musik nichts zu lachen, aber er auch nicht mit ihr. Er war durchwachsen von Musik. Er war von ihr besessen. Er kämpfte mit ihr und sie mit ihm. Wer Karl Valentin begreifen will, der muss in sein Herz schauen. Dort wohnte seit seiner Kindheit die Musik. Als man ihm am Ende seines Lebens alles genommen hatte, blieb ihm nur noch eines - die Musik. Alfons Schweiggert deckt erstmalig das ambivalente Verhältnis Karl Valentins zur Musik auf. Er zeigt den Volkssänger, Liedparodisten und Instrumentalmusiker, den Verfasser von Couplets, Moriaten, musikalischen Anekdoten und damischen Ritterliedern. Das Soubretten-Duo und Valentins tönendes »Panoptikum« sind weitere Aspekte, die das musikalische Leben des grandiosen Volksschauspielers prägten.Unterhaltsam und informativ, illustriert mit zahlreichen Abbildungen - ein Band für Musikliebhaber und Valentin-Fans!

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Personeninformation

ALFONS SCHWEIGGERT veröffentlichte neben Biografien über die Wittelsbacher auch zu Karl Valentin und Franz Kafka. Von 1993 bis 2010 war Schweiggert am Staatsinstitut München als Institutsrektor tätig. Für sein literarisches Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, u._a. 1995 den Bayerischen Poetentaler. Als Co-Präsident stand er 17 Jahre der Autorenvereinigung Münchner Turmschreiber vor.
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