Das Haus Wittelsbach und die Fotografie

Fotografie und Film erobern das Königreich Bayern
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Bayern im Buch-Rezension
Bildband über die Nutzung des damals neuen Mediums Photographie durch die bayerischen Könige.
Biografien über die bayerischen Könige sind in den letzten Jahren in großer Zahl und mit sehr unterschiedlichem Niveau veröffentlicht worden. Doch diese Neuerscheinung ergeht sich nicht in Darstellungen über das Leben, das Wirken und die Schicksale der gekrönten und ungekrönten Mitglieder des Hauses Wittelsbach, sondern sie wirft einen bisher wenig beachteten Blick auf die Bedeutung der Fotografie zur Selbstdarstellung und vor allem zur öffentlichen Imagepflege des bayerischen Herrscherhauses. Da die Herstellung von Ölgemälden oder grafischen Reproduktionen familiärer Ereignisse wie Geburten, Verlobungen, Hochzeiten, Jubiläen und Trauerfälle durch Hofmaler oder Kupferstecher sehr teuer und zeitaufwendig waren, nutzten die bayerischen Könige und deren Hofgesellschaften ab ca. 1850 das neue, aktuelle und kostengünstigere Medium der Fotografie sehr intensiv. Vor allem die Aufnahmen des Hoffotografen Joseph Albert (1825-1886) und dessen Konkurrenten Franz Seraph Hanfstaengl (1804-1877) sowie des umtriebigen Hanfstaengl-Sohnes Edgar sind nicht nur hübsch arrangierte, sondern vor allem repräsentative fotografische Kunstwerke. Neben zahlreichen und in dieser stattlichen Dokumentation bestens reproduzierten und teilweise zum ersten Mal veröffentlichten Porträtaufnahmen von König Ludwig I. bis zum Prinzregenten Luitpold, vor allem natürlich von Ludwig II. und dessen Cousine, der österreichischen Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi, vermittelt der Autor hier sehr kenntnisreich auch die Erfindung und die Entwicklung von der Lithografie über die "Lichtzeichnungen" mittels der Camera Obscura bis zur "Kollodium-Photographie". Auch auf den Widerstand gegen das neue Medium seitens konservativer Kreise, die den Ausbruch einer "Massenkrankheit von Eitelkeitswütigen" befürchteten, "wenn sich jedes Gesicht billig dutzendweise verschenken lässt", geht der Autor hier schmunzelnd ein. Und neben zahlreichen gesellschaftlichen Ereignissen und Landschaftsaufnahmen, die nicht nur von den Hoffotografen, sondern auch von Mitgliedern der Königsfamilie festgehalten wurden, veröffentlicht der Autor als Filmhistoriker und Bavarica-Spezialist hier auch bisher größtenteils unbekannte zeitgenössische Fotomontagen, die einigen Mitgliedern der Wittelsbacher Dynastie einst schmeichelnd gewidmet waren, aber auch manche gekrönte und ungekrönte Adelige diskreditieren sollten. Ein in Druckqualität und Layout geradezu vorbildlicher Foto-Text-Band im Großformat, der zu all den Publikationen über das bayerische Herrscherhaus im 19. Jh. eine ideale Ergänzung darstellt.
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Artikelbeschreibung

Sie sind inzwischen »Medienstars«: Ludwig II., König von Bayern, und Elisabeth, Kaiserin von Österreich. Wer kennt nicht ihre tragischen Lebensgeschichten und hat nicht ihre Gesichter vor Augen? Die beiden Herrscher aus dem Hause Wittelsbach verdanken ihren Weltruhm vor allem der Foto- und Filmbranche und dies bis zur unmittelbaren Gegenwart. Unter anderem landete 2021 das Streamingportal RTL+ mit einer sechsteiligen »Sisi«-Serie einen riesigen Publikumserfolg - eine zweite Staffel soll daher bereits Ende 2022 ausgestrahlt werden. Ohne die Erfindung von Fotografie und Film wäre die bis heute andauernde Popularität der Wittelsbacher undenkbar.Doch wie sah im 19. und frühen 20. Jahrhundert, also vor unserem modernen Blitzlichtgewitter, den Argusaugen übergriffiger Paparazzi und der Vermarktung durch die Regenbogenpresse, die Welt der Fotografie und des Films aus? Wie kamen die Mitglieder des Hauses Wittelsbach und andere bayerische Adelige mit diesen Medien in Berührung? Was veränderte sich durch diese in ihrem Leben?Diese und weitere Fragen beantwortet Autor Bernhard Graf im Spannungsbogen der europäischen und bayerischen Entwicklungsgeschichte von Fotografie und Film, der Ablehnung und Begeisterung der neuen Technik sowie dem Aufstieg und Erfolg konkurrierender Fotografen und Fotografinnen im Königreich Bayern.

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