Der Abgrund

Ein Zeitroman
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Bayern im Buch-Rezension
Roman über einen SPD-Stadtrat in der schwierigen Zeit der Weimarer Republik.
Zu den bekanntesten Werken des berühmten bayerischen Autors zählt "Der Abgrund" seltsamerweise nicht, obwohl dieser Roman nicht nur Grafs erstes im österreichischen und tschechoslowakischen Exil entstandenes Werk ist, sondern womöglich auch Grafs sozial- und gesellschaftskritisches Anliegen am besten dokumentiert. Graf schildert hier unter dem Eindruck persönlicher Erlebnisse höchst eindrucksvoll unter anderem auch den Vorabend von Hitlers Machtergreifung, das Wüten und brutale Vorgehen der SA gegen SPD- und Gewerkschaftsmitglieder in München, die sich dem faschistischen Terror tapfer entgegenstellen. Im Zentrum dieser fiktiven und doch sehr realen "Familienchronik als Zeitgeschichte" steht Joseph Hochegger, ein aufrechter Sozialdemokrat, der in seiner Funktion als SPD-Stadtrat in der Weimarer Zeit durch eine aktiv gestaltete Politik gesellschaftliche Reformen, vor allem durch ein umfassendes Wohnbauprogramm für Arbeiter, erreichen will. Doch trotz der Hoffnung, dass die Jahre der ewig paktierenden Sozialdemokraten gezählt sind, stellt sich bei Hochegger zunehmend Resignation ein. Zuerst 1936 in London mit der berühmten Fotomontage von John Heartfield auf dem Umschlag erschienen, von Heinrich Mann und anderen Schriftstellern hoch gelobt, arbeitete Graf in den 1950er Jahren dieses Werk unter dem Titel "Die gezählten Jahre" mehrmals um, ohne freilich die Brisanz der Erstausgabe zu erreichen. Besonders erfreulich bei dieser textkritischen Edition sind das kenntnisreiche Nachwort des Herausgebers und Graf-Spezialisten Ulrich Dittmann und die beigefügten Dokumente zur Entstehung und Rezeption dieses spannenden Romans. Wo nach kritischer bayerischer Literatur gefragt wird, sollte dieser Band nicht fehlen.
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Artikelbeschreibung

Mit seiner spannenden Familiengeschichte entwirft Oskar Maria Graf ein Bild der bedrohlichsten Phase unmittelbar erlebter Zeitgeschichte: den "Sturz Deutschlands ins Bodenlose" (Jean Amery). Strategien der Gegenwehr und Bewältigung des Exils, die seine Figuren entwickeln, machten das Buch zum Politikum, Parteienstreit verzögerte sein Erscheinen. Obwohl von Autorenkollegen höchst gepriesen, blieb das optimistische Pathos des "Abgrund" (1936) im Schatten der resignativ gestimmten Bearbeitung "Die gezählten Jahre" (1976). Nach 65 Jahren ist dies erst die dritte Auflage. Sie bietet textgetreu die typografischen Eigenheiten einmontierter Dokumente, der originale Einband intendiert die Zeitnähe.

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Personeninformation

Graf, Oskar MariaOSKAR MARIA GRAF wurde 1894 in Berg am Starnberger See geboren. Von 1911 an lebte er als Schriftsteller in München. Mit seinem Roman »Wir sind Gefangene« gelang ihm 1927 der Durchbruch. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ging er nach Wien, wo er mit seinem berühmten »Verbrennt mich!«-Aufruf gegen das NS-Regime protestierte. Ab 1938 lebte er in New York, wo er das Buch seiner Herkunft und mit ihm ein Stück deutscher Geschichte schrieb: »Das Leben meiner Mutter«. Oskar Maria Graf starb 1967 in New York.
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