Das Bier, das Leuchten und der Grant

Münchner Alltagsleben um 1900
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Bayern im Buch-Rezension
Liebevoll kritischer Blick auf München in der Prinzregentenzeit.
Die Jahrhundertwende wird oft als „die gute alte Zeit“ gesehen. In diesem aufschlussreichen, spannend zu lesenden Buch zeigt Michael Kubitza am Beispiel Münchens, wie stark pauschale Charakterisierungen an der Realität vorbeigehen, wie gewaltig sich das Bild der Stadt – vor allem in den Bereichen Technik und Wirtschaft – veränderte, wie vehement diese Entwicklungen auch auf das soziale Gefüge innerhalb der Bevölkerung einwirkten, das Alltagsleben umkrempelten und der Freizeitgestaltung – natürlich nur bei wohlhabenden Leuten – ungeahnte Möglichkeiten eröffneten. Diese zwiespältige Situation veranschaulicht der Autor und setzt sich dabei kritisch, stets ironisch-humorvoll mit den gemeinhin als typisch bayerisch/münchnerisch bezeichneten Gepflogenheiten auseinander. Seine auf lockere Art und Weise äußerst informativen Ausführungen belegt er mit aussagestarken Abbildungen/Fotografien, die die Kunst- und Kulturmetropole, das boomende Wirtschaftszentrum, aber eben auch die soziale Schieflage, die grantelnde Unzufriedenheit und die Angst vor „Zuagroasten“ lebendig werden lassen. Am Ende der unterhaltsamen Lektüre wird der Leser feststellen, dass sich – abgesehen von städtebaulichen Aspekten - eigentlich nicht allzu viel verändert hat, man denke nur an die heutigen, Verkehrs-, Wohnungs- und Integrationsprobleme.
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Artikelbeschreibung

München um 1900: Die boomende Kunstmetropole ist globale Bierhauptstadt mit dem weltweit höchsten bekannten Bierkonsum. Die Brauwirtschaft ist Wirtschaftslokomotive, ihr Produkt der Taktgeber im gesellschaftlichen Leben. Zugleich wirkt der "Hopfen fürs Volk" als kollektives Beruhigungsmittel in einer Stadt, die zwischen Reichsgründung und Erstem Weltkrieg wächst, baut und beschleunigt wie nie zuvor. Michael Kubitza begibt sich auf eine profunde Zeitreise: Wie wohnen, arbeiten, ernähren sich die Münchner - die wohlhabenden und die finanziell schlechter gestellten? Wie verändert sich ihr Alltag, als es plötzlich elek-trisch beleuchtete Straßen und Schaufenster gibt und trinkbares Leitungswasser, dazu Zuggleise ins Gebirge, Kinematografen und andere heute längst vergessene Volksbelustigungen, mit denen sich das neue Phänomen "Freizeit" füllen lässt? Warum riecht es anno 1900 in der bayerischen Hauptstadt ganz anders als noch 50 Jahre zuvor?
Dabei scheint die Gegenwart zum Greifen nah: Schon um 1900 kämpft München erfolglos gegen Mietwahnsinn, leidet unter Verkehrschaos und Feinstaubbelastung, grantelt über die Risiken neuer Kommunikations- und Fortbewegungsmittel (Telefon! Trambahn! Fahrrad!), debattiert über Vegetarismus und Fast Food und streitet darüber, wie viel Zuzug die Stadt noch verträgt.

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Personeninformation

Kubitza, MichaelMichael Kubitza, geboren 1969, studierte in Regensburg und München Geschichte und Germanistik und arbeitet seither als Journalist und freier Autor. Seit 2003 beschäftigt er sich als Online -Redakteur und Hörfunkautor beim Bayerischen Rundfunk mit dem »Hier und Heute« und seinen historischen Hintergründen.
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