Ein Deutsches Leben

Was uns die Geschichte von Goebbels Sekretärin für die Gegenwart lehrt
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Buchprofile - Rezension
Die Erinnerungen der Goebbels-Sekretärin als Mahnung, wohin politisches Desinteresse und bewusstes Wegschauen führen.
"Ich habe das alles damals als nicht so ernst empfunden. Es gab ja so viele Dinge, die plötzlich besser waren ... Man wollte auch gar nicht so viel wissen, man wollte sich nicht unnötig noch mehr belasten ... Ich war an diesen Dingen total desinteressiert." Das sind nur einige Sätze Brunhilde Pomsels, die von 1942 bis 1945 als Sekretärin des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels in der NS-Machtzentrale arbeitete. Dieses sehr nachdenklich stimmende Buch enthält die 2013/14 für den gleichnamigen Dokumentarfilm aufgezeichneten Erinnerungen von Pomsel und zusätzlich aufschlussreiche Gedanken des Politikwissenschaftlers Thore D. Hansen zur Einordnung ihres Verhaltens. Darüber hinaus zieht er Parallelen zur heutigen politischen Lage, in der antidemokratische Tendenzen und rechter Populismus weltweit wieder salonfähig geworden sind. Die Lebensgeschichte dieser Frau macht nämlich beispielhaft deutlich, wohin politisches Desinteresse, Gleichgültigkeit, aber auch bewusstes Wegschauen und beruhigende Verharmlosung führen. Pflichtgefühl und Gehorsam sowie das erhebende Gefühl, dazuzugehören und ein gesichertes Fortkommen erreicht zu haben und deshalb bei Willkür und Diskriminierung wegzuschauen, waren ihr Verhaltenskodex wie der von Millionen unpolitischer Mitläufer und Opportunisten. Eine Mitschuld an den NS-Verbrechen kann sie für sich nicht erkennen. Die Ausführungen Hansens enden mit der aufrüttelnden Mahnung, in persönlicher Verantwortung die immer stärker infrage gestellten demokratischen Werte zu verteidigen und Nationalismus und Populismus die Stirn zu bieten.
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Artikelbeschreibung

Zeigt das Beispiel der 105-jährigen Brunhilde Pomsel, ehemalige Sekretärin von Reichspropagandaminister Goebbels, dass wir vor einer neuen Epoche des Radikalismus stehen? Warnt uns die Geschichte einer Frau aus dem Machtzentrum der Nazis vor der Wiederkehr autoritärer Regimes in Europa und den USA? Oder sehen wir längst unaufhaltsam mit an, wie sich die Geschichte durch uns und unser Verhalten wiederholt? <BR><BR><BR>Der Politikwissenschaftler Thore D. Hansen verdeutlicht am Beispiel Brunhilde Pomsels, wohin Karrieredenken, unreflektiertes Pflichtbewusstsein und politisches Desinteresse führen können und formuliert daraus ein eindringliche Warnung vor einer Wiederholung opportunistischer und egoistischer Blindheit. Dadurch wird die Relevanz von Brunhilde Pomsels Lebensgeschichte für die aktuellen nationalistischen und faschistischen Tendenzen in unseren Gesellschaften deutlich und macht das Buch besonders wertvoll. <BR><BR><BR>Brunhilde Pomsel diente einem der größten Verbrecher der Geschichte. Von 1942 bis 1945 war sie Stenotypistin im Propagandaministerium von Joseph Goebbels. In dem Dokumentarfilm »Ein deutsches Leben«, der im Herbst 2016 auf Filmfestivals in München, Jerusalem und San Francisco Furore machte, gibt sie einen Einblick in die Banalität des Schreckens. Pomsel war eine unpolitische Mitläuferin, und das bestreitet sie auch nicht. Ihr ging der Job vor, ihr Pflichtgefühl, das Bedürfnis dazuzugehören. Erst nach Kriegsende sei ihr das ganze Ausmaß der Geschehnisse bewusst geworden. Ihre Lebensgeschichte und ihre bestechende Ehrlichkeit konfrontieren uns mit der hochaktuellen Frage nach der persönlichen Verantwortung für das politische Zeitgeschehen und den Konsequenzen eines wiedererstarkten Nationalismus und Populismus. Werden wir später auch wie Brunhilde Pomsel sagen: »Wir wollten's ja auch nicht wissen«?

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