Insel der verlorenen Erinnerung

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ein düsteres Märchen und eine beklemmende Zukunftsvision.
Die Bewohner einer namenlosen kleinen japanischen Insel sind in regelmäßigen Abständen sonderbaren Ereignissen ausgesetzt. Von einem Tag auf den anderen verschwinden Dinge auf immer (Hüte, Vögel, die Fähre, Rosen u.a.) Ebenso rasch verblasst bei den meisten von ihnen die Erinnerung daran und so finden sie sich klaglos damit ab. Einige wenige wollen aber nicht vergessen. Diese werden rigoros von der Erinnerungspolizei gejagt und verhaftet, oft gefoltert und manchmal sogar umgebracht. Denn die verschwundenen Dinge dürfen auch im Gedankengut der Menschen nicht mehr vorkommen. Das Vorgehen dieser Polizei kann man durchaus mit den Methoden der Stasi oder der SS vergleichen. Da ihre Mutter selbst vor einigen Jahren abgeholt worden war und nicht mehr zurückkam, befürchtet die Erzählerin, eine junge Schriftstellerin, dass ihr Verleger R., der sich gegen das Vergessen wehrt, in großer Gefahr sei. Zusammen mit einem guten Freund, einem alten Mann, versteckt sie R. in ihrem Haus und riskiert damit selbst ihr Leben. Der gesamte Roman wird von der bedrückenden Situation beherrscht, in der sich die Inselbewohner befinden. Sie fühlen sich verunsichert, verängstigt und ratlos. Und immer droht das unheilvolle Auftauchen der Erinnerungspolizei. Beeindruckend wird auch ihr willenloser Gehorsam dargestellt. Ein ungewöhnlich lang andauernder und heftiger Schneefall trägt weiter zu dem düsteren Gesamtbild bei. So gelingt es Yoko Ogawa mit ihrer Fantasy-Story dem Leser wirkungsvoll vor Augen zu führen, dass die Menschen den Verlust der Freiheit hinnehmen müssen, wenn sie sich nicht gegen eine ständig drohende Unterdrückung zur Wehr setzen. Fast unmerklich, aber umso eindringlicher weist sie immer wieder darauf hin, wie wichtig Erinnerungen, Emotionen und eigenständiges Handeln für das menschliche Leben sind. - Für Leser, die eine Vorliebe für unheilvolle Zukunfts-Szenarien hegen, ist der Roman sehr zu empfehlen.
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Artikelbeschreibung

Auf einer Insel, nicht weit vom Festland entfernt, prägen sonderbare Ereignisse das Leben. In regelmäßigen Abständen verschwinden Dinge, und zwar für immer. Zunächst sind es Hüte, dann alle Vögel, später die Fähre. Bald gibt es keine Haarbänder mehr und keine Rosen ... Die Bewohner haben sich damit abgefunden, dass auch ihre Erinnerung immer weiter verblasst. Nur einige wenige können nichts vergessen. Deshalb werden sie von der Erinnerungspolizei verfolgt, die dafür Sorge trägt, dass alle verschwundenen Dinge auch verschwunden bleiben, nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch in den Köpfen der Menschen.
Als eine junge Schriftstellerin herausfindet, dass ihr Verleger Gefahr läuft, von der Erinnerungspolizei festgenommen zu werden, beschließt sie, ihm zu helfen - auch wenn sie damit ihr Leben riskiert. Sie richtet im Untergeschoss ihres Hauses ein Versteck für ihn ein. Doch die Razzien der Polizei werden ständig ausgeweitet, und immer häufiger verschwinden Dinge. Die beiden hoffen auf die Fertigstellung ihres neuen Romans als letzte Möglichkeit, die Vergangenheit zu bewahren.
Yoko Ogawas internationaler Bestseller ist eine faszinierende Parabel über den Verlust von Freiheit und die Bedeutung der eigenen Vergangenheit. Selten werden die drängenden Fragen unserer Zeit so poetisch verhandelt wie hier.

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Personeninformation

Yoko Ogawa gilt als eine der wichtigsten japanischen Autorinnen ihrer Generation. Für ihr umfangreiches Werk wurde sie mit vielen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Akutagawa-Preis und dem Tanizaki-Jun'ichiro-Preis. Für ihren Roman »Das Geheimnis der Eulerschen Formel« erhielt sie den begehrten Yomiuri-Preis. Bei Liebeskind erschienen u.a. die Romane »Das Museum der Stille«, »Schwimmen mit Elefanten« und »Der Herr der kleinen Vögel«. Mit der englischsprachigen Ausgabe von »Insel der verlorenen Erinnerung« wurde Yoko Ogawa für den National Book Award und den International Booker Prize nominiert.
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