Mondbad

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Buchprofile - Rezension
Eine Familiengeschichte, die immer wieder durch die Geschichte des geschundenen Landes Haiti beeinflusst wird.
Eine Frau liegt am Strand im Wasser. Ihr Leben wird von ihr selbst in einer distanzierten Ansicht von außen geschildert. Es ist das Ergebnis einer generationenübergreifenden Geschichte, die der Haitis ähnelt und die hier ihren traurigen Höhepunkt findet. Der Großteil des Buches ist den letzten hundert Jahren der haitianischen Geschichte gewidmet. Diese wird aus der „Wir“-Perspektive der einfachen Leute erzählt, die nicht lesen und schreiben können und die ihren Vorfahren in Guinea mehr verbunden sind als der Regierung oder dem Christentum. Dem Baum der Familie mit seinen vielen Zweigen und Ästen werden immer wieder Opfer dargebracht und dadurch ihrer Religion aus Westafrika, dem Voodoo, gehuldigt. So gelingt es den Bauern, die ständige Unterdrückung durch die Regierung (ob durch Besetzung von Seiten der USA, Diktatur durch Duvalier oder Unabhängigkeit) auszuhalten und sich in ihrem kargen Leben zurechtzufinden. Gewalt (durch die Mächtigeren, die Reichen oder von Männern gegen Frauen) ist an der Tagesordnung und wird nicht in Frage gestellt. Der Stammbaum am Ende des Buches erleichtert es, die Verbindungen der Familien zu folgen. Dieser schmale Band des auf haitianische Literatur spezialisierten Kleinverlages ist keine leichte Kost und liest sich nicht im Vorbeigehen. Doch wer sich darauf einlässt und die Zeit investiert, wird mit einer Landesgeschichte belohnt, die die (meist) negativen Aspekte nicht außen vor lässt und trotzdem sehr poetisch ist. Die Autorin (zuletzt „Morgenröte“ BP/mp 13/105) und die Übersetzerin Jutta Himmelreich verlieren kein Wort zu viel. – Einer erfahrenen Leserschaft, die gerne anspruchsvolle Literatur liest, und Literaturkreisen gerne empfohlen. Ausgezeichnet mit dem Prix Femina 2014.
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Artikelbeschreibung

Eine haitianische Saga vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. In nüchterner und zugleich poetischer Sprache erzählt Yanick Lahens vom schicksalhaften Neben-, Mit- und Gegeneinander der Großfamilien Lafleur und Mésidor, die einen Bauern, Fischer und Diener der Voodoogeister, die anderen Großgrundbesitzer. Es entsteht ein einzigartiges Porträt des ländlichen Haiti mit seinen traditionellen Glaubensvorstellungen und Bräuchen. Dabei werden immer wieder die Trennlinien zwischen denen, die stets »Jäger« und denen, die immer »Beute« sind, sichtbar. Ein Sittengemälde, dessen Faszination man sich nicht entziehen kann.

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