Pop und Populismus

Über Verantwortung in der Musik
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Buchprofile - Rezension
Aktuelle Darstellung zur politischen Verantwortlichkeit von Pop-Musik in Deutschland.
Als Kolumnist und Autor zweier Bücher zu Pop hat Jens Balzer sich bereits einen Namen gemacht. In der aktuellen Diskussion um politische Wirkungsmacht, übergriffige Texte und kulturelle Klischees der populären Musik ist die kundige Darstellung nur zu begrüßen. Das Buch ist weniger eine systematische Analyse als ein Zusammentragen von Aufsätzen, die sich auseinandersetzen etwa mit Antisemitismus, Gangsta-Rap, sexueller Emanzipation, Antisemitismus, Heimat idealisierenden Tendenzen, der Musik der Neuen Rechten und immer wieder mit der Ambivalenz des musikalisch künstlerischen Ausdrucks und einer gefährlichen, weil die offene Gesellschaft, demokratische und emanzipatorische Werte bedrohenden Funktionalität dieser Musik. Dabei fokussiert Balzer auf die deutsche Situation und in Deutschland bekannte Musiker. An Beispielen des Rappers Bushido, Kollegah und Farid Bang wie anderen wird die Dimension von Verantwortung in der Popmusik aufgezeigt. Dass Balzer dabei oft unausgesprochen eine politische Korrektheit vertritt, mit der die durch eine Art Lagerdenken gekennzeichnete Stimmung in unserem Land fortgeschrieben wird, macht seine Darstellung teilweise einseitig. Dennoch ist die Einschätzung, die Balzer trifft, nachvollziehbar, wenn er den oben erwähnten Musikern etwa vorwirft, sie würden bestenfalls von einer "Transgression der Stärke und des Übermenschentums" zeugen, die "in ihrer letzten Konsequenz natürlich faschistoid" sei. Ein Register der im Buch erwähnten Musiker und Gruppen fehlt leider. Auch wird dem mit der Diktion der Popkultur wenig vertrauten Leser die Lektüre etwas schwer gemacht durch die im Fachjargon gehaltene Betrachtung. Möge das so wichtige Thema in der vorliegenden Darstellung dennoch viele Leser finden, vor allem solche, die nicht bereits gefasst Urteile bestätigt haben mögen, sondern zum genaueren Hinhören und bewussteren Umgang mit Popmusik bereit sind. Musik und politisch interessierten Leser/-innen empfohlen.
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Artikelbeschreibung

Der Ton wird aggressiver, auch in der populären Musik: Die Texte werden hasserfüllter, die Musik martialischer. Jens Balzer sieht hier eine klare Parallele zur politischen Debatten-Unkultur. Wie kaum ein anderer seziert der renommierte Popkritiker die Spannungsfelder eines kulturellen Feldes, dessen rhetorische Methoden und gezielt provozierende Haltungen auffallend denen der neuen Populisten ähneln.Zweifellos ist Pop ohne Provokation, ohne das Spiel mit Tabubrüchen nicht vorstellbar. Und diese Freiheit der Kunst darf weder einem moralischen Rigorismus noch politischen Interessen geopfert werden, betont Balzer. Das heißt aber nicht, dass man Verrohung, brutalen Sexismus und explizite Aufrufe zur Gewalt widerspruchslos hinnehmen muss. Vielmehr gilt es, sich über die roten Linien einer jeden Massenkultur zu verständigen.An vielen Beispielen - vom Echo-Skandal bis zur Debatte über »cultural appropriation« im Pop - zeigt Jens Balzer, wie schwierig es geworden ist, zwischen populär und populistisch zu unterscheiden. Und versteht es zugleich, für einen Pop zu begeistern, der mit den Mitteln der Kunst Freiheit und Solidarität feiert.

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Personeninformation

Jens Balzer lebt in Berlin und arbeitet als Autor und Kolumnist u.a. für DIE ZEIT, Deutschlandfunk, »Rolling Stone« und den rbb-Sender Radio Eins. Gemeinsam mit Tobi Müller moderiert er den monatlichen Popsalon am Deutschen Theater; er hat als Kurator an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und den Münchener Kammerspielen gearbeitet und ist künstlerischer Berater des Donaufestivals Krems.
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