Solange wir schwimmen

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Buchprofile - Rezension
"Sie weiß, dass sie vergisst. Sie weiß von Tag zu Tag immer weniger" – ein Annäherungsversuch an ein vergehendes Leben.
Solange sie unbehelligt in ihrem unterirdischen Schwimmbad ihre Bahnen ziehen und somit den Alltäglichkeiten der Welt oben für kurze Zeit entkommen können, ist alles gut. Sie sind eine kleine Gemeinschaft aus unterschiedlichen Menschen, Berufen und Herkünften. „Das Schwimmbad ist ihr Allerheiligstes, ihr Refugium, der einzige Ort auf Erden, wo sie ihrem Schmerz entkommen können, denn nur dort unten, im Wasser, finden ihre Symptome Linderung.“ Auch die ältere Alice ist seit vielen Jahren dabei und schwimmt stoisch ihre Runden, ganz im Einklang mit der Schwimmbadetikette. Als eines Tages ein Riss, der sich immer weiter ausbreitet, am Beckengrund erscheint, muss das Bad, ihr Zufluchtsort, über kurz oder lang aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Und auch bei Alice wird die zunehmende Demenz, wie Risse in der Erinnerung, immer deutlicher, bis ihre Familie sie in einem Pflegeheim unterbringen muss. Während Alice ihre Welt und Erinnerungen immer mehr abhandenkommen, versucht die Tochter eine ungeschönte Beschreibung des Lebens ihrer Mutter und ihrer wohl letzten Station im Pflegeheim. – Schonungslos, mit schwarzem Humor und doch mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt die Tochter in kurzen, prägnanten Sätzen den Ist-Zustand und die Vergangenheit. „Liebe und Verlust, Trauer und Erinnerung, Mütter und Töchter und die große Frage, was wir unseren Eltern schuldig sind“ – sind die Themen, die die New Yorker Autorin in ihrem kleinen Bändchen realitätsnah und eindringlich verpackt. Ein außergewöhnliches Buch, in dem sich pflegende Angehörige der Kindergeneration sicherlich gut wiederfinden können. Sehr empfehlenswert.
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Für Alice ist Schwimmen Therapie. Während ihr Geist sie immer mehr im Stich lässt, schafft es ihr Körper tadellos durch die Bahnen zu gleiten.

Das unterirdische Schwimmbad einer kalifornischen Stadt ist vielen zur zweiten Heimat geworden. In Badekleidung und unter den strengen Augen der Badeaufsicht sind alle gleich, egal aus welchen Gründen sie zum Schwimmen kommen. Eine von ihnen ist Alice, körperlich topfit, aber ihr Gedächtnis lässt sie zunehmend im Stich. Als das Schwimmbad schließen muss, verschlechtert sich ihr Zustand so rasant, dass ein Pflegeheim der letzte Ausweg ist. Für ihre Tochter, Erzählerin der zweiten Buchhälfte, ist es unerträglich, dem allmählichen Verschwinden ihrer geliebten, resoluten Mutter hilflos zuzusehen. Aus Fragmenten dessen, was die Mutter von sich und ihrem Schicksal preisgegeben hat, schreibt sie ihre Geschichte. Das Ergebnis ist dieser stark autobiografische Roman, ein Dokument gegen das Vergessenwerden und eine Geschichte von Mutterliebe und Tochterliebe. Julie Otsukas rhythmischer und poetischer Text wurde von Katja Scholtz so perfekt ins Deutsche übersetzt, dass ein eigenes kleines Meisterwerk entstanden ist.

Susanne Steufmehl, Buchberaterin Belletristik und Sachbuch

Artikelbeschreibung

In ihrem Schwimmbad fühlen sie sich zu Hause, hier können sie bei ihren täglichen Bahnen ihre Sorgen hinter sich lassen: Designer, Nonnen, Hundesitter, Veganerinnen, Polizisten, Professorinnen, Schauspieler... Bis eines Tages ein Riss erscheint - am Beckengrund, aber auch im Gedächtnis von Alice, die genau wie die anderen hier im Schwimmen stets Trost und Halt gefunden hat. Während sie bald nur noch in bruchstückhaften Erinnerungen schwimmt, versucht ihre Tochter, sich in ihre Mutter hineinzuversetzen, ihr Verhältnis zueinander neu auszuloten und Alice' Leben Sinn und Zusammenhang zurückzugeben.Aus so unterschiedlichen wie verblüffenden Perspektiven und mit unvergleichlichem Gespür für das Komische im Tragischen schreibt Julie Otsuka über Liebe und Verlust, Trauer und Erinnerung, Mütter und Töchter und die große Frage, was wir unseren Eltern schuldig sind.

Produktsicherheit

Hersteller: Mareverlag
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Kontakt: mare@mare.de

Personeninformation

Julie Otsuka, geboren 1962 in Kalifornien, lebt heute in New York City und ist ehemalige Guggenheim-Stipendiatin. 2012 erschien im mareverlag ihr internationaler Bestseller »Wovon wir träumten«, der von Publikum und Presse hymnisch gefeiert wurde und für den die Autorin u.a. den PEN / Faulkner Award, den Prix Femina sowie gemeinsam mit ihrer Übersetzerin Katja Scholtz den Albatros-Literaturpreis der Günter-Grass-Stiftung erhielt. Katja Scholtz, geboren 1971, studierte englische und deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft in Freiburg, Aberdeen und Bonn. Sie lebt und arbeitet in Hamburg und übersetzte u.a. Werke von Gabriel Josipovici, Mary Lavin und Julie Otsuka ins Deutsche. Für ihre Übersetzung von »Wovon wir träumten« wurde sie 2014 gemeinsam mit der Autorin Julie Otsuka mit dem Albatros-Literaturpreis der Günter-Grass-Stiftung ausgezeichnet.
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