Der versperrte Weg

Roman des Bruders. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2021 (Longlist).
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Buchprofile - Rezension
Der Schriftsteller Goldschmidt nähert sich in seinem Alterswerk seinem älteren Bruder.
Erich Goldschmidt wird 1924 als Sohn eines Oberlandesgerichtsrats in Reinbek bei Hamburg geboren. Die vormals jüdische Familie war im 19. Jh. zum Protestantismus konvertiert. Erich, ein Kind später Eltern, wächst behütet und verwöhnt auf. Als vier Jahre später ein Bruder geboren wird, fühlt er sich in seinem Schatten. In der Schule glänzt er durch hervorragende Noten und ist stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Mit Entsetzen erlebt er das Berufsverbot des Vaters und seinen Verweis vom Gymnasium. Die Eltern schicken beide Kinder zuerst nach Italien und später in ein Internat nach Frankreich. Erich ist hin- und hergerissen zwischen seinem Stolz und Hass auf Deutschland. Er fühlt sich nicht als Jude und gerät in eine Identitätskrise. Als der freie Süden sich zur Auslieferung auf Verlangen verpflichtet, schließt sich der Abiturient der Résistance an. Der jüngere Bruder wird bei einem Bauern versteckt. An der Seite der Amerikaner befreit Erich Paris und fällt nach dem Krieg in ein Loch. Er beginnt ein Jurastudium und meldet sich schließlich zur Fremdenlegion. - Der Schriftsteller und Übersetzer Georges-Arthur Goldschmidt versucht, sich in diesem kleinen, für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman seinem älteren Bruder zu nähern. Aus der Perspektive des Bruders schildert er nicht nur die Sicht auf den Jüngeren, sondern auch die Unmöglichkeit, angesichts von Flucht, Vertreibung und dem Verlust der Muttersprache einen Platz und eine Identität in der Welt zu finden. Lesenswert!
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Artikelbeschreibung

Ein bewegendes literarisches Dokument des Nachfühlens und Nacherzählens eines versperrten Lebensweges.Verbunden durch das gemeinsame Schicksal von Bedrohung, Flucht und Heimatlosigkeit hat der Bruder Erich doch einen ganz anderen Weg als der Autor wählen müssen. Während Georges-Arthur zwischen den Sprachen und mit den Worten lebt, hat der Bruder unter Waffen gelebt. Unter Waffen schweigen die Musen! Er schloss sich der Résistance an, kämpfte mit bei der Befreiung von Paris und des Elsass und war schließlich Major in der französischen Kolonialarmee in Algerien. Dort beteiligte er sich sogar an dem Offiziersputsch gegen de Gaulle, der Algerien in die Unabhängigkeit entließ, und blieb dennoch bis zur Pensionierung Offizier. Danach arbeitete er noch viele Jahre als unauffälliger Mitarbeiter der Crédit Agricole.Über Jahrzehnte im Inneren zurückgehalten, war ein Geburtstagsbrief der Anlass, die verschütteten Erinnerungen an das Leben des Bruders aufsteigen zu lassen.»Sie erfassen den Hauptschatten meines langen Lebens: Mein Bruder war vier, als ich zur Welt kam und durch meine Erscheinung auf dieser Welt habe ich sein Leben zerstört.«

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Personeninformation

Georges-Arthur Goldschmidt, geb. 1928 in Reinbek bei Hamburg emigrierte als Kind nach Italien und später nach Frankreich.Auszeichnungen: Für sein umfangreiches Werk wurde er u. a. mit dem Nelly-Sachs-Preis, der Goethe-Medaille, dem Joseph-Breitbach-Preis und dem Prix de l`Académie de Berlin ausgezeichnet.

Pressestimmen

»Der Text hat mich momentan in Bann geschlagen und sehr berührt. Ich MUSSTE das Buch in einem Zug lesen! Georges-Arthur Goldschmidt hat für seinen Roman des Bruders (der Brüder) eine wunderbar diskrete und darum umso eindringlichere Form gefunden.« (Johannes Fischer, Buchhandlung Mirhoff & Fischer) »Wie bei Beauvoir zeigt auch dieses schmerzlich schone Buch die Pragung junger Menschen durch Familie, Religion, Gesellschaft und Politik ihrer Zeit, der sie nicht entkommen konnen, an der viele zerbrechen, ihr Leben lang leiden oder auf ihre Art die Stirn zu bieten versuchen.« (Susanne Bader und Pascal Mathéus, Wetzsteinbrief November 2021, Buchhandlung zum Wetzstein) »Ein extrem starkes Buch und die nur 100 Seiten haben es in sich. Gut gemacht Herr von Wallmoden, dass sie Herrn Goldschmidt auf diese Leerstelle in seinen Bücher angesprochen haben. Wir hätten sonst diesen Leseschatz nie entdecken können.« (Samy Wiltschek, Ulmer Bücherstube Jastram) »Dieser Roman (...) versteht es durch die Distanz zum Bruder eine enorme Dichte zu kreieren. Eine Lektüre, die den Schatten der Vergangenheit aufwühlt und mit klugen und schönen Sätzen zum Leben erweckt. Es ist somit ein wahres Dokument, das uns Geschichte lehrt und durch die literarische Kunstfertigkeit zum Nachfühlen einlädt.« (Hauke Harder aka Leseschatz, Buchhandlung Almut Schmidt, Kiel) »Es gelingt dem Autor etwas ganz Tolles: er fasst den nahezu lebenslangen Konflikt in einen ganz sachlichen Ton, dadurch bekommt es so eine Emotionalität und Eindringlichkeit, sehr bewegend!« (Barbara Ter-Nedden, Parkbuchhandlung Bonn)
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