Das Weiße Schloss

Roman
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Buchprofile - Rezension
Ada und Yves leben ihre Partnerschaft und Elternschaft nach einem Modell jenseits der heutigen gesellschaftlichen Normen.
Die Beziehung zwischen Ada und Yves - in einer wohl nicht allzu fernen Zukunft - ist geprägt von Leidenschaft, Freiheit und Spontaneität. Als sich die beiden entscheiden, Eltern zu werden, wählen sie das Angebot des Weißen Schlosses, das ihnen in ihrer abgeschotteten privilegierten Gesellschaft zur Verfügung steht. Dort gebären junge talentierte Frauen mittels künstlicher Befruchtung die Kinder interessierter Paare und kümmern sich auch in den folgenden Jahren um die Erziehung des Nachwuchses, während die Rolle der biologischen Eltern sich auf regelmäßige Besuche beschränkt. Einerseits wird somit der auch finanziell lukrative Beruf der Mutter geschaffen, andererseits können Kunden wie Ada und Yves ihre Elternschaft auf ein ihrer Lebensvorstellung entsprechendes Maß beschränken. - Christian Dittloffs Debütroman porträtiert ein Konzept von Familie, das bei näherer Betrachtung als eine logische Konsequenz des gesellschaftlichen Wandels aufgefasst werden könnte. Die biologischen Details sowohl der Zeugung und Schwangerschaft als auch der gleichberechtigten und offenen sexuellen Beziehung zwischen den Protagonisten werden mit großer Präzision in den Text integriert. Darüber hinaus zeigen einzelne Rückblicke auf Wendepunkte in der Forschung und der gesellschaftlichen Entwicklung, wie sehr sich sowohl die technischen Möglichkeiten als auch die Idealvorstellungen von Elternschaft verändert haben. Ein äußerst interessantes sozialutopisches Gedankenexperiment, für Leser/innen, die sich an den detaillierten Sexszenen nicht stören, zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

Sie sind ein glückliches Paar. Ada und Yves haben sich für ein Kind entschieden, doch fürchten sie die Unvereinbarkeit von Liebe, Karriere und Erziehung. Deshalb nehmen sie am Prestigeprojekt des Weißen Schlosses teil, wo Leihmütter Kinder fremder Eltern austragen und aufziehen, alles sozusagen Bio und Fair Trade. Elternschaft ist hier Beruf, überwacht und gelenkt von einem alles kontrollierenden Apparat. Der Nachwuchs kann jederzeit besucht werden. Über neun Monate zeigt der Roman die beiden auf dem Weg zum eigenen Kind, folgt den Veränderungen ihres Selbstbilds und ihrer Beziehung. Im Stile von Kazuo Ishiguros »Alles, was wir geben mussten« stellen sich wichtige Fragen unserer Zeit in eigener Versuchsanordnung: Ab wann ist Bindung ein Verlust von Freiheit? Was ist Familie? Sind die tradierten Rollenbilder von Mutter und Vater verhandelbar? Spielerisch erreicht »Das Weiße Schloss« eine stilistische Größe sowie eine gedankliche Tiefe voller literarischer Verweise und Fragestellungen und wird so zu einem fulminanten Gewebe von transzendenter Leuchtkraft.

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Personeninformation

Christian Dittloff, geboren 1983 in Hamburg, studierte Germanistik und Anglistik in Hamburg sowie Literarisches Schreiben in Hildesheim, arbeitete in einer Psychiatrie, als Kulturjournalist und Experte für Kulturmarketing. 2018 erschienen sein Romandebüt »Das Weiße Schloss« sowie 2020 und 2023 seine autofiktionalen Texte »Niemehrzeit. Das Jahr des Abschieds von meinen Eltern« und »Prägung. Nachdenken über Männlichkeit«. Er lebt und schreibt in Berlin.

Pressestimmen

»Ein bedrückender Roman in kühlem Ton geschrieben, der viele Fragen zu Gesellschaft, Familie und Elternliebe aufwirft.« Westdeutsche Allgemeine 20190124
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