Der souveräne Leser

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Buchprofile - Rezension
Eine kleine Sammlung von Erzählungen mit autobiografischen Lektüreerfahrungen.
Die Bücher von Alan Bennett gehören seit vielen Jahren zu den Bestsellern in England und auch in Deutschland. Besonders sein Buch "Die souveräne Leserin" (BP 08/573) mit einer ironischen Anspielung auf die Lektüren von Queen Elisabeth, war ein riesiger Bucherfolg. Das (im deutschsprachigen Raum) neue Buch des Autors knüpft schon im Titel an diesen Erfolg an. Der Autor, inzwischen schon über achtzig Jahre alt, hat seit seiner frühen Entdeckung von Buchstaben, Wörtern und Sätzen eine ganz große Leidenschaft gehabt: das Lesen. Und später kam dann das Schreiben eigener Bücher, Drehbücher und Theaterstücke hinzu. Eine kleine Auswahl von seinen Gedanken beim Lesen und seine geliebten oder gehassten Autoren ist in diesem ästhetisch sehr sorgfältig gemachten Band versammelt. "Beim Lesen von Büchern wurde mir allmählich klar, dass ich offenbar eine nicht sonderlich zufriedenstellende Version der Gattung Junge war." In diesen stark autobiographisch gefärbten Texten spürt man etwas von einer Zeit, in der das Buch noch eine fast sakrale, auf jeden Fall überragende Rolle im Leben der gebildeten englischen Kreise besaß. Wer sich allerdings nicht besonders gut in der englischen Literatur auskennt, wird bei einigen der Essays und Tagebuchaufzeichnungen etwas gelangweilt. Man wird dann aber getröstet mit der verrückten Leidenschaft des Autors für Franz Kafka, den er von allem philologischen Staub befreit auf die Ebene eines Autors herunterholt, mit dem man auch einmal in ein Pub gehen möchte.
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Artikelbeschreibung

Seine Liebe zu Büchern entdeckte Alan Bennett früh. Im Gefolge von Dr. Doolittle begann er in der Armley Public Library in Leeds diesem Hobby ausgiebig zu frönen, obwohl seine Mutter Bücher aus der Bibliothek als unhygienisch empfand. Bis heute liest Bennett gerne ausgeliehene Bücher und erfreut sich an hineingekritzelten Kommentaren. Seine eigenen Lektüreeindrücke, akkurat vermerkt in seinen detaillierten Tagebüchern, zeugen von seiner wilden Phantasie (inklusive Spekulationen über pikante Szenen im Leben anderer Schriftsteller), überbordendem Humor (nichts ist ihm heilig) und Argwohn gegen jede Bildungshuberei (manches Sachbuch hält da nicht stand). <BR>Während er beispielsweise Puschkin bräsig, Achmatowa banal und Isaiah Berlin langatmig findet oder Saul Bellow »Designerprosa« vorwirft, ist er verzückt von W.¿G. Sebald, Philip Roth, Ludwig Wittgenstein oder auch hierzulande kaum bekannten Autoren wie Denton Welch und Philip Larkin. Sein unerreichter Held aber ist Franz Kafka, und nichts ist ihm lieber, als sich diesen in Shorts am Gartenzaun in Letchworth vorzustellen, in Begleitung junger Damen, die ihm die Socken hochziehen.<BR>

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