Botanik des Wahnsinns

Roman | »Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« Siri Hustvedt
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Buchprofile - Rezension
Was ist schon normal oder: Die Furcht verrückt zu werden.
Ausgehend vom vermehrten Familienwahnsinn mit den Diagnosen für psychische Erkrankungen – „Meine Mutter ist eine F 10.2. Mein Vater ist eine F 33.2. Mein Opa eine F 20.0. Meine Oma eine F 31.5, eine F 20.0, eine F 13.2, eine F 10.2.“ –, fürchtet der Erzähler, bei seiner Erbmasse von Depressiven, Alkoholikern und Bipolaren auch selbst zu erkranken. Er flieht aus München Richtung New York und Paris, wird sesshaft in Wien und landet schließlich doch in einer Psychiatrie im Wiener Umland, aber nicht als Patient, sondern als studierter Psychologe. Dort setzt er sich mit der Klassifizierung von psychischen Erkrankungen auseinander, wie in der Botanik, um am Ende zu der Erkenntnis zu gelangen, dass „die Seele eine vage Idee ist, die dem menschlichen Wunsch nach Eindeutigkeit immer wieder entwischt“. In verschiedenen Abteilungen der Einrichtung macht er seine Erfahrungen mit den Patienten und sich selbst, dazu werden in Rückblenden Schlaglichter auf seine Giesinger Kindheit mit Mutter, Oma, Bruder und dem getrennt lebenden Vater geworfen, in dem Versuch, die „Verrücktheit“ seiner Familie und „den nomadischen Unsinn“ einzuordnen. – Psychiatriegeschichte mit einer Mischung von autofiktionalen Anteilen, so dem Erleben der Kindheit mit seinen labilen Anverwandten und dem persönlichen Umgang mit der Möglichkeit einer eigenen psychischen Erkrankung. Ein Versuch, seine eigene Geschichte zu fassen zu kriegen, Verständnis aufzubringen, zu versöhnen und loszulassen – mit schönen Formulierungen und Bildern. Für eine ausgewählte Leserschaft zum Tabu-Thema psychische Erkrankungen ein erlesener Gewinn, mit einem schönen Cover inklusive. Herausfordernd und bereichernd.
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Artikelbeschreibung

Als bei der Zwangsräumung der Wohnung seiner Mutter durch eine Verwechslung alles von Wert in die Müllverbrennungsanlage wandert, bleibt dem Erzähler wortwörtlich nur der Abfall der eigenen Familiengeschichte. Wie hat es so weit kommen können? Der Erzähler blickt auf die Biografie seiner Familie: ein Stammbaum des Wahnsinns. Die Großmutter bipolar, zwölf Suizidversuche, der Großvater Stammkunde in Steinhof, die Mutter Alkoholikerin, der Vater depressiv. Und er blickt auf seinen eigenen Weg: Eine Kindheit im Münchner Arbeiterviertel. Die frühe Angst, verrückt zu werden. Die Flucht vor der Familie ins entfernte New York. Jahre in Wien mit Freud im Kaffeehaus. Und wie er schließlich doch in der Anstalt landet - als Psychologe. Bei der Arbeit mit den Patienten lernt er, dass ein Mensch immer mehr ist als seine Krankheit, dass Zuhören wichtiger ist als Diagnostizieren. Vor allem aber muss er sich bald die Frage stellen, was das sein soll: ein normaler Mensch.Eine aus dem Ruder gelaufene Familienanamnese? Ein Schelmenroman? Ein Lehrstück in Empathie? Leon Englers Debüt ist all das und mehr, ein zärtlicher Befreiungsschlag, die Geschichte einer Versöhnung. Lieblingsbuch des Schweizer Buchhandels 2026.Nominiert für den ZDF-aspekte-Literaturpreis 2025.»Ein fantastisches Buch - abgrundtief und doch tröstend. Hab's verschlungen.« DORIS DÖRRIE »Unwiderstehlich. Leichtfüßig und ernst, zärtlich und brutal, ironisch und ehrlich.« SIRI HUSTVEDT

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Personeninformation

LEON ENGLER wuchs in München auf und studierte Theater-, Film-, Medien-, Kulturwissenschaft und Psychologie in Wien, Paris und Berlin. Er veröffentlichte zahlreiche Theaterstücke, Hörspiele und Kurzgeschichten und wurde 2022 mit dem 3sat-Preis beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Er ist tätig als Autor, Psychologe und Dozent für Psychologie und Literarisches Schreiben. 'Botanik des Wahnsinns' ist sein Debütroman, mit dem er auf der Shortlist für den aspekte-Literaturpreis stand.
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