Die Lungenschwimmprobe

Verteidigung einer jungen Frau, die des Kindsmords bezichtigt wurde - Roman
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Buchprofile - Rezension
Historischer Roman über den Kampf naturwissenschaftlicher Erkenntnisse gegen die Allianz von Politik und Glauben.
Bei der Obduktion einer Babyleiche zeigt sich dem Physikus Schreyer, dass die Lunge des Babys in einer Wasserschale untergeht, also keine Luft enthält. Damit ist für den belesenen Arzt der Tod des Babys vor der Geburt eingetreten, seine Mutter Anna also keine Kindermörderin. Die Anklage der Mutter durch die Leipziger Obrigkeiten, entsprechend den Machtverhältnissen der zweiten Hälfte des 17. Jh. dominiert durch die evangelischen Theologen, verlangt jedoch ihren Tod. Ihr begüterter Vater kann den jungen Advokaten Christian Thomasius als Rechtsbeistand gewinnen, der sich früh aufklärerischem Gedankengut verschrieben hat und sich gestützt auf das Ergebnis der Obduktion für das Leben Annas einsetzt. Im Ergebnis gelingt ihm dies. Doch ist es für alle Beteiligten eine lange und kostspielige Verhandlungs- und Leidenszeit. Denn die Vorherrschaft naturwissenschaftlicher Erkenntnisse bricht sich erst anfanghaft seine Bahn, ist eng verwoben mit politischen Interessen der Mächtigen und geht zulasten der Betroffenen und Änderungswilligen. Für Anna bedeutet dieser Weg ein zehn Jahre längeres Leben unter kaum lebenswerten Bedingungen, für ihre Eltern soziale Isolation und Verarmung, für Thomasius und seine Familie im Ergebnis die Vertreibung aus Leipzig. Erst im brandenburgischen Halle kann er sich unter einem anderen Fürsten als Frühaufklärer durchsetzen. – Dem norwegischen Autor gelingt ein erkennbar intensiv recherchierter Roman über das voller Veränderungen steckende ausgehende 17. Jh. Mit viel Liebe zum Detail zeichnet er als Icherzähler die Lebenssituation der Handelnden nach, mit denen er gelegentlich in Dialog tritt. Ein umfangreiches Online-Personen- und Quellenregister liefert ergänzende Erkenntnisse. Empfohlen, breit einsetzbar.
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Artikelbeschreibung

Leipzig/Sachsen im Jahre 1681: die fünfzehnjährige Anna Voigt steht vor Gericht, sie soll ihr neugeborenes Baby getötet haben. Die Obrigkeit will sie verurteilt sehen, es droht ihr der Tod - wie vielen anderen Mädchen und Frauen in dieser Zeit, die des gleichen Verbrechens bezichtigt werden. Aber dieser Fall ist anders: Sie hat nicht nur einen mächtigen Vater, der sich für sie einsetzt. Sondern es findet sich auch ein Arzt, der etwas spektakulär Neues wagt und ein wissenschaftliches Verfahren entwickelt, das in die Medizingeschichte als "Lungenschwimmprobe" eingehen wird. Durch dieses soll nachgewiesen werden, dass es tatsächlich eine Totgeburt war, wie Anna hartnäckig versichert, und kein Mord. Kann sie gerettet werden?

In Renbergs brillantem historischen Roman folgen wir dieser Geschichte durch die Augen verschiedener, unverwechselbarer, historisch belegter Charaktere - da ist der Arzt, der sich der Wissenschaft verpflichtet fühlt und das Neugeborene untersucht; da ist der kontroverse und progressive Anwalt, der sich entscheidet, diesen nahezu aussichtslosen Fall zu übernehmen; und da ist Annas Vater, ein wohlhabender, einflußreicher Mann, der sich sofort auf die Seite seiner jungen Tochter schlägt und alles daran setzt, damit ihr Gerechtigkeit widerfährt, dessen Hass auf ihre Widersacher so groß ist, dass er sich schon bald auf einen unerbittlichen Rachefeldzug begibt. Demgegenüber stehen die Köchin aus seinem Haushalt, die gegen Anna aussagt - und vor allem der erbarmungslose Ankläger, der das Mädchen durch grausame Folter zum Geständnis bringen will. Inmitten all dessen befindet sich die blutjunge Anna, verzweifelt und verängstigt, aber standhaft in ihrem Beharren darauf, unschuldig zu sein.

Die Lungenschwimmprobe ist ein packender historischer Roman über das Zusammenprallen zweier Welten: die Ausläufer des Mittelalters treffen auf die ersten Ansätze der frühen Aufklärung, dies alles vor dem dramatischen Hintergrund einer barocken Lebenswelt - basierend auf wahren Begebenheiten, die der Autor akribisch recherchiert hat, die Lungenschwimmprobe selbst gilt als Beginn der modernen Rechtsmedizin.

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Personeninformation

Tore Renberg (geb. 1972) nimmt in der norwegischen Literatur einen außergewöhnlichen Platz ein, sein literarisches Werk umfasst eine große Spannbreite. Er ist einer von Norwegens populärsten und erfolgreichsten Autoren, vielfach preisgekrönt, seine Bücher erscheinen in 23 Ländern. Die Lungenschwimmprobe ist sein erster historischer Roman, für den er mehrmals vor Ort in Sachsen war, um in Archiven, Museen und Kirchenbüchern Anregungen und Anhaltspunkte für seine Geschichte zu finden. Ina Kronenberger lebt in Bremen, wo sie Belletristik sowie Kinder- und Jugendbücher aus den Sprachen Französisch und Norwegisch übersetzt. Von ihr übersetzte Autor*innen aus dem Französischen sind beispielsweise Anna Gavalda, Vincent Zabus/Nicoby und Olivier Tallec, aus dem Norwegischen Per Petterson, Nina Lykke und Anna Fiske. Für ihre Übersetzung des Bilderbuchs »Garmans Sommer« von Stian Hole wurde sie 2010 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und 2012 auf die IBBY Ehrenliste aufgenommen. Karoline Hippe, aufgewachsen an der Ostseeküste, hat Skandinavistik, Anglistik und Spracherwerbsforschung studiert und übersetzt aus dem Norwegischen, Dänischen und Englischen, u. a. Heidi Furre, Lotta Elstad und Ida Lødemel Tvedt. Die Übersetzung von Espen Dekkos »Sommer ist trotzdem« wurde mit der Silbernen Feder ausgezeichnet. Karoline Hippe lebt in Berlin und Oslo.

Pressestimmen

»Vielschichtige Geschichtsstunde und ein toller Schmöker!« Peter Twiehaus / ZDF - Morgenmagazin
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