Fremde am Pier

Porträt einer Familie
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Buchprofile - Rezension
Der erfolgreiche Romanautor versetzt sich in die Rolle seines Großvaters, der in den 1920er Jahren Südchina verließ.
In einer Mischung aus persönlicher Spurensuche und Essay setzt sich der erfolgreiche Romanautor sehr konkret und nachvollziehbar mit Fragen von regionaler Identität, nationaler oder ethnischer Zugehörigkeit auseinander, speziell von Migranten. Er tut dies vor einem asiatischen Kontext, in dem große Auswanderungsbewegungen (z.B. aus China) ganze Staaten neu geprägt haben, etwa Singapur oder Malaysia. Ganz persönlich hat ihn die Frage umgetrieben, wie sich wohl einer seiner Großväter gefühlt haben mag, als er in den 1920er Jahren Südchina verlassen hatte und völlig auf sich gestellt an einem Hafenpier in Singapur stand, als "Der Fremde am Pier", so der Titel des Buches. Tash Aw wurde als Kind malaysischer Eltern in Taiwan geboren, studierte in Großbritannien und lebt seit einiger Zeit in der Provence. Für die BBC und die New York Times kommentiert er Kultur und Politik im südostasiatischen Raum. Mit daraus geschärftem Blick entwickelt er höchst interessante, biografisch unterfütterte Deutungslinien. So charakterisiert er sich und seine Familie, trotz moderner Ansichten und Anpassung an westliche Gewohnheiten, im Kern als traditionelle chinesische Familie. Eine Auswanderung habe die Neuerfindung der eigenen Lebensgeschichte im Gepäck, folgert er, ähnlich sei das sogar bei der Geschichte von Nationen: Die Umdeutung in die Erzählung eines möglichst bruchlosen Aufstiegs finde statt, Vergangenheit und Geschichte würden ausgeblendet. – Aw gelingt mit dieser persönlichen Annäherung an seine Großeltern wie nebenbei eine anregende Deutung von Migrationsgesellschaften im südostasiatischen Kontext, die auch zur Reflexion im europäischen Zusammenhang einlädt.
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Artikelbeschreibung

'Wir wollen, dass der Fremde einer von uns ist, jemand, den wir verstehen können.' Tash Aw erzählt mit Blick auf seine malaysisch-chinesische Familie eine zutiefst persönliche Geschichte des modernen Asiens.

Vielleicht beginnt alles an der Universität in England. Da sitzt er beim Lunch inmitten von Kommilitonen, die ihren Stammbaum Generation um Generation herunterbeten können. Und er? Weiß nicht einmal genau, wo seine Großmutter aufgewachsen ist. Tash Aw macht sich auf die Suche, und was er findet, ist nichts weniger als der Kontinent, den er in sich trägt. Von einer Taxifahrt durch das heutige Bangkok über die Besuche bei Kentucky Fried Chicken im Kuala Lumpur seiner Kindheit bis zu den gefährlichen Bootsüberfahrten von China nach Malaysia, die seine Großväter in den Zwanzigerjahren antraten. Aw verwebt die Geschichten seiner Vorfahren mit seinen eigenen Erfahrungen, malt Bilder von ländlichen Dörfern und Nachtclubs in Megacitys. Er zeigt die schwindelerregende Vielfalt von Sprachen, Dialekten und Slangs und zeichnet damit das komplexe und lebendige Porträt Asiens.

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Pressestimmen

»'Fremde am Pier' ist ein kluges und berührendes Buch über die schwierige Suche nach den eigenen Wurzeln.« Tobias Wenzel/ NDR Kultur
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