Ein ganz normales Pogrom

November 1938 in einem deutschen Dorf
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Buchprofile - Rezension
Wie der geachtete Mitbürger zum entrechteten, missliebigen Juden wurde.
"Sechs Millionen Menschen mussten sterben, weil untergeordnete Dienststellen und Einzelpersonen sich die nationalsozialistische Maxime des Judenhasses zu eigen machten und sie mit aller Kraft so gründlich wie möglich umzusetzen versuchten." Diese zutiefst bedrückende wie beschämende Wahrheit belegt der Historiker Sven Felix Kellerhoff am Beispiel des rheinhessischen Weindorfes Guntersblum, das - stellvertretend für viele kleinere Gemeinden in Deutschland - deutlich macht, dass die menschenverachtenden Maßnahmen des NS-Regimes nur funktionierten, weil sie vom Großteil der Bevölkerung bereitwillig, ja begeistert aufgenommen und ohne Skrupel umgesetzt wurden. Aufgrund sorgsamer Recherchen zeigt der Autor, wie sich - u.a. beflügelt durch wirtschaftliche Not und französische Besatzung - antisemitisches Gedankengut immer stärker in den Köpfen der Guntersblumer festsetzte, wie aus geschätzten Nachbarn unliebsame Juden wurden, mit denen man nichts mehr zu tun haben, ja, die man am liebsten loswerden wollte. Diese von Kellerhoff sachkundig nachgezeichnete Entwicklung offenbart in dieser überschaubaren Gemeinde, in der jeder jeden kennt, das perfide Funktionieren des NS-Systems. Fehlendes Unrechtsbewusstsein, Verdrängung und ein kollektives Nicht-Erinnern-Können, Schweigen und ständig wechselnde Schuldzuweisungen charakterisierten ab 1945 jahrzehntelang das Verhalten der Guntersblumer Bürger - wiederum ein Spiegelbild der deutschen Nachkriegsgesellschaft - Für alle Büchereien sehr zu empfehlen!
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Artikelbeschreibung

Im November 1938 geht im ganzen Deutschen Reich die Saat des Hasses auf. In Hunderten Gemeinden demütigen Einwohner ihre jüdischen Nachbarn. Sven Felix Kellerhoff zeigt am Beispiel des rheinhessischen Weindorfes Guntersblum, wie der Hass wucherte, ausbrach und welche Folgen er hatte.

Das heutige Bild des Novemberpogroms 1938 wird von den Vorgängen in Berlin und einigen anderen großen Städten wie München oder Essen dominiert. Doch das eigentlich Schockierende an den antisemitischen Übergriffen der 'Reichskristallnacht' war, dass sie anders als frühere organisierte Pogrome tatsächlich reichsweit und bis in die Provinz hinein stattfanden. Die Novemberpogrome sind die Zäsur zu einer neuen Qualität und Intensität der Verfolgung. Gerade der Blick in ein ganz normales Dorf macht die erschreckende Normalität des Judenhasses greifbar und unmittelbar einsichtig. Hier kannten sich Opfer und Täter tatsächlich, lebten eng zusammen. Sven Felix Kellerhoff erzählt von den ergreifenden Schicksalen der Betroffenen in Guntersblum. Er zeigt, wie das Gift des Antisemitismus sich ausbreitete, wie die Situation ab 1933 eskalierte, was im November 1938 genau geschah und wie die Vergangenheit den Ort bis heute nicht loslässt.

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