Der Kolibri

Roman. Premio Strega 2020
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Buchprofile - Rezension
Einem Augenarzt gelingt es, trotz vieler Schicksalsschläge immer wieder ein Ziel im Leben zu haben.
Der Augenarzt Marco Carrera erfährt plötzlich vom Psychoanalytiker seiner Frau, dass diese ihn verlassen will wegen eines anderen Mannes, von dem sie schwanger ist. Nach dieser schockierenden Nachricht lernt der Leser den Protagonisten kennen und erfährt von seiner Jugend, von Schicksalsschlägen, wie dem Unfalltod von Marcos Schwester, von seiner Liebe zur Tochter Adele, um die er sich intensiv gekümmert hatte, und von ihrem frühen Tod. Das Baby, das sie ihm hinterlässt, gibt Marco wieder ein Ziel im Leben. Die Geschichte wird nicht linear dargestellt, sondern in Abschnitten, die zwischen auktorialer Erzählung, Briefen, E-Mails und Telefonaten wechseln. Eingefügt ist die Briefkorrespondenz zwischen Marco und seiner großen lebenslangen, aber unmöglichen Liebe Luisa. Der Autor analysiert detailliert die Persönlichkeit Marcos, die Frage, warum die Eheleute nicht zueinander passen und warum die Liebe zwischen ihm und Luisa nicht klappen kann: Das hat mit dem Titel des Romans zu tun: "Kolibri", Marcos Spitzname, bedeutet laut Luisa, dass er "wie ein Kolibri (s)eine ganze Energie dafür verwendet, auf der Stelle zu bleiben". Sehr spät ist Luisa klar geworden, dass sie nicht dazu fähig war, immer am selben Ort zu bleiben - die Bedingung, mit ihm zusammen zu sein. - Veronesis Roman wurde mit dem „Premio Strega“, dem wichtigsten italienischen Literaturpreis, ausgezeichnet, wie schon sein Roman “Stilles Chaos”(BP 08/128), in dem es um einen traumatisierten und übervorsorglichen Vater geht. Viele Zeitsprünge erschweren die Lektüre, auch die Endlos-Sätze sind anstrengend, aber dennoch handelt es sich um eine sprachlich eindrucksvolle Seelenschau.
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Artikelbeschreibung

"Meisterhaft: ein Kuriositäten- und Genusskabinett voller kleiner Wunder" Ian McEwan. "Unkonventionell, entwaffnend und zutiefst menschlich. 'Der Kolibri' ist eine neue Art der Familiensaga." Jhumpa Lahiri Ein Schock, der heftigste vielleicht in einem an Schocks reichen Leben: Vom Psychoanalytiker seiner Frau erfährt der Augenarzt Marco Carrera, dass sie ihn wegen eines deutschen Piloten verlassen werde, von dem sie schwanger ist. Damit beginnt Sandro Veronesis mit dem Premio Strega ausgezeichneter Roman "Der Kolibri". Auf psychologisch raffinierte Weise erzählt er darin von einer Achterbahn der Gefühle, die das Schicksal dieses sensiblen Mannes prägen, von unvergleichlichen Charakteren, denen er auf dem Tennisplatz oder am Spieltisch begegnet, von familiärem Unglück und von einer großen, lebenslänglichen Liebe ... Marcos Dasein gleicht dabei dem eines Kolibris: Auf der Suche nach Ruhe ist er ständig in Bewegung. Ein großartiger polyphoner Roman, ein Jonathan Franzen Italian Style.

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Personeninformation

Sandro Veronesi wurde 1959 in Florenz geboren und lebt in Rom. 2006 wurde er für seinen später mit Nanni Moretti verfilmten Roman »Stilles Chaos« zum ersten und 2020 für »Der Kolibri« zum zweiten Mal mit dem Premio Strega ausgezeichnet. Die deutsche Übersetzung von »Der Kolibri« erschien 2021 bei Zsolnay, »Comandante« (2024), das er gemeinsam mit dem Filmregisseur Edoardo De Angelis schrieb, sowie 2026 der Roman »Schwarzer September«. Michael von Killisch-Horn, 1954 in Bremen geboren, studierte Romanistik, Germanistik und Deutsch als Fremdsprache. Er lebt als freier Übersetzer aus dem Französischen und Italienischen in München.

Pressestimmen

"Intelligent komponiert, gedanken- und anspielungsreich, mit tiefgründigen Dialogen und einem Protagonisten, der, aufmerksam und emotional durchlässig, für sich einnimmt, beweist auch dieser neunte Roman Veronesis Erzählkunst." Andreas Rossmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.21 "Passagen, die Fragen aufwerfen und offen lassen, geben dieser mit viel Leichtigkeit erzählten Familiensaga ihre menschliche Tiefe ... Der Roman ist voll mit kostbaren Momentaufnahmen, oft in zärtliche Bilder verpackt ... Marcos Geschichte liest man in einem Zug, taucht in sie ein, spürt die Atmosphäre des stürmischen letzten halben Jahrhunderts in Italien." Susanna Bastaroli, Die Presse am Sonntag, 03.10.21 "Veronesi zeigt sich ungeheuer feinfühlig und psychologisch ... Insgesamt ist die Prosa wirklich höchst elegant, sehr feinsinnig, sehr lässig, oft wie hingetupft, sehr scharfsichtig." Irene Binal, Ö1 'ex libris', 19.09.21 "Dieses unfassbar grandios geschriebene Buch, das zwischen Überdruss und Überfluss pendelt, zwischen filigranen Flügelschlägen und deftigen Trommelwirbeln, dieses Wunder von einem Buch ist immer in Bewegung, ohne dass dem Autor jemals der Schweiß auf der Stirn steht." Bernd Melichar, Kleine Zeitung, 04.09.21 "Wir haben es nicht mit einer fiktiven Biografie zu tun, sondern mit einem Familienepos, das an Raffinesse seinesgleichen sucht. [...] Wer die frisch erschienene Übersetzung in die Hände bekommt, liest sie wie im Schwirrflug aus. [...] Sandro Veronesi liest sich wie ein Mario Vargas Llosa in Bestform und im Italo-Style." Juliane Fischer, Salzburger Nachrichten, 03.09.21 "Was ist Zufall, was ist Schicksal? ... Damit spielt Veronesi sehr subtil. ... Von diesen Spannunen profitiert das Buch." Julian Schütt, SRF2 Kultur, 30.08.21 "Dieser Roman ist auch eine Anamnese: Die Anamnese einer Familiengeschichte." Salomé Meier, SRF2 Kultur, 30.08.21 "Ein sehr vielschichtiger Roman, auch mit einer gesellschaftskritischen Note." Esther Schneider, SRF2 Kultur, 30.08.21 "Aus dem Unglück seiner Romanfiguren schöpft Sandro Veronesi seinen Erfolg - und das Glück seiner Leserinnen und Leser. ... 'Der Kolibri' ist das kurzweilige Erzählwerk eines wachen Zeitgenossen, der nebenbei auch dem kränkelnden Italien des letzten halben Jahrhunderts stets den Puls fühlt. ... Ein dunkel-brillianter Roman ..., der stets den richtigen Ton zwischen Ethik und Lakonik trifft." Franz Haas, Neue Zürcher Zeitung, 26.08.21 "Seine tragischen Figuren erinnern an Mario Vargas Llosas Helden. Der raffinierte, vielstimmige Roman springt zwischen den Jahren und beglückt mit musikalischen und filmischen Referenzen." Juliane Fischer, Falter, 25.08.21 "Ein todtrauriges poetisches Buch, das wie eine antike Tragödie über einem zusammenbricht. Und das man dennoch mit einem Lächeln im Gesicht liest." Frank Pommer, Die Rheinpfalz, 23.08.21 "Veronesi ist einer der raffiniertesten Erzähler der Gegenwart. So ist denn auch 'Der Kolibri' eine äußerst bemerkenswerte ... Romanepopöe, ein Wirbel beständig kaleidoskopisch wechselnder Blickwinkel." Alexander Kluy, Standard Album, 14.08.21 "Unkonventionell, entwaffnend und zutiefst menschlich. Der Kolibri ist eine neue Art der Familiensaga." Jhumpa Lahiri "Ein Geschenk an die Welt." Michael Cunningham "Meisterhaft: ein Kuriositäten- und Genusskabinett voller kleiner Wunder" Ian McEwan "Alles, was einen Roman wertvoll und fesselnd macht, ist hier: Wärme, Witz, Intelligenz, Liebe, Tod, hoher Ernst, niedrige Komik, Philosophie, subtile persönliche Beziehungen und das komplexe Innenleben des Menschen." The Guardian "'Der Kolibri' ist der inspirierteste Roman von einem unserer inspiriertesten Schriftsteller. In ihm steckt der ganze Veronesi. Er ist eine Folge von immer elektrisierenderen Arien. Die Lebendigkeit eines jeden Bildes ist fast zum Weinen." Corriere della Sera "Sandro Veronesi denkt über die Nutzlosigkeit der großen Veränderungen nach und darüber, wie gut es ist, wenn man den Schmerz richtig zu leiten weiß." El País "'Der Kolibri' ist kämpferisch und amüsant, ist Komödie und Tragödie zugleich, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Veronesi erfindet das Genre Familienroman neu." Le Monde "Die Höhen und die Tiefen eines einzigen Lebens mit solchem Einfallsreichtum und einer solchen Zärtlichkeit festzuhalten, ist schon lange keinem Roman gelungen." Financial Times
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