Tiere

Roman | Ein gewaltiger Roman über die Flucht vor der eigenen Herkunft und die Umschreibung der Geschichte
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Buchprofile - Rezension
Vom vergeblichen Versuch einer niederländischen Achtzehnjährigen, dem rückständigen Leben auf einem abgelegenen Bauernhof in die Großstadt zu entfliehen.
Isabella Keller wächst auf einem abgelegenen Bauernhof am Rand eines Dorfes im niederländischen Achterhoek auf. Die Kellers, die keine Landwirtschaft mehr betreiben, weil das keinen Gewinn mehr bringt, sind verrufen bei den Dorfbewohnern. Die kettenrauchende Mutter, die während der Schwangerschaft morphiumsüchtig war, ernährt die Familie, indem sie einen unangenehmen alten Mann pflegt. Der Vater genoss als erfolgreicher Motocross-Fahrer große Beliebtheit, verlor aber nach einem Sturz ein Bein, ist jetzt arbeitsunfähig und verwahrlost. Tiere gibt es noch auf dem Hof, nämlich die nicht unbedingt artgerechte Nerzzucht von Isas gewalttätigem Großonkel. Nach der Schule geht Isa zum Studieren in die Großstadt, wo sie versucht sich mit Hilfe ihrer Freundin Erva, einer militanten Tierschützerin, zu integrieren, was ihr aber nicht so recht gelingt. Sie kommt mit dem Studium nicht zurecht, hat fragwürdigen Umgang und raucht Gras. Das Fiepen der Nerze verfolgt die Achtzehnjährige auch in der Stadt noch in schlaflosen Nächten. Als Isas Vater plötzlich spurlos verschwindet, eilt sie zurück ins Dorf, um sich an der Suche zu beteiligen. – In seinem intensiven Debütroman erzählt Gijs Wilbrink, niederländischer Autor, Musiker und Podcaster, ungeschönt vom Erwachsenwerden, vom Sterben der Höfe und von Tierquälerei. Der Autor spart nicht mit recht düsteren Alltagsbeobachtungen, hat aber immer auch ein Auge für die menschliche Seite. Der befremdliche Schreibstil, der Wechsel zwischen Zeit- und Handlungsebenen, sowie das Auftreten verschiedener Erzähler erschweren die Lektüre. Insgesamt eine atmosphärisch dichte, schonungslose Sozialstudie, die das Leben in all seinen Facetten und Abgründen einfängt. Für problembewusste, weniger zartbesaitete Leserinnen und Leser gesellschaftskritischer Stoffe absolut lesenswert.
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Artikelbeschreibung

»Es gibt Bücher, an denen kommt man einfach nicht vorbei. Tiere ist so ein Debütroman. Einschüchternd gut.« PaagMag

Am Rand eines abgelegenen Dorfes im Achterhoek liegt der Bauernhof der Familie Keller, vom Dorf gleichermaßen gefürchtet wie verachtet. Landwirtschaft wird hier schon lange nicht mehr betrieben, Tiere gibt es trotzdem: die illegale Nerzzucht des Großonkels. Auch als Isa längst den Hof verlassen hat und zum Studieren in die Stadt gegangen ist, verfolgt sie das Fiepen der Tiere noch bis in den Schlaf. Dann holt sie ein Anruf zurück ins Dorf: Ihr Vater ist verschwunden. Die Suche nach ihm wird zu einer Suche nach ihrer eigenen Identität. Und nach der Wahrheit über ihre Familie.

»Wer weiß nun in Wahrheit, was die Wahrheit ist: derjenige, der bis über beide Ohren in seinem eigenen Leben drinsteckt oder die Gemeinschaft, die aus der Distanz den Überblick über das Ganze hat, die sehen kann, dass man, obwohl man selber verdammt genau weiß, dass man keine Flöhe hat, auf irgendeine Art eben doch Flöhe hat.«


»
Tiere hat alles, was ein gutes Rennen ausmacht: Schnelligkeit, gefährliche Kurven und ein fiebriges Finale. Die Geschichte ist rasant und dunkel, aber stets durchdrungen von der Zärtlichkeit für die Figuren.« Daniel Schulz

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Personeninformation

Gijs Wilbrink (1984) ist Autor, Musiker und Podcaster. Er ist im Achterhoek aufgewachsen, der Region, die im östlichen Teil der niederländischen Provinz Gelderland und an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen liegt - in dieser Gegend spielt auch sein Debütroman De beesten, an dem er acht Jahre lang gearbeitet hat. Das Buch steht auf der Shortlist für den Nederlandse Boekhandelsprijs 2023 und wird von Presse wie Leser:innen geliebt. 

Ruth Löbner, Jahrgang 1976, hat ihren Magisterabschluss in Allgemeiner Sprachwissenschaft und Neuerer Deutscher Philologie in Düsseldorf absolviert. Seit 2010 ist sie als freischaffende Autorin tätig, seit 2017 freiberufliche Literaturübersetzerin aus dem Niederländischen. Ruth Löbner lebt in Mönchengladbach.

Pressestimmen

«Der Roman begeistert mit seiner präzisen und zugleich ungestüm überbordenden Sprache, die Ruth Löbner souverän ins Deutsche übertragen hat: ein Findling, grob, ungeschliffen und doch zart.» Susanne Schaber Falter 20240320

Bewertungen

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