Mit der Faust in die Welt schlagen

Band 06103
Roman | Ein beklemmend aktueller Roman über Aufwachsen, Verlust und Radikalisierung
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Buchprofile - Rezension
Kindheit und Jugend zweier Brüder in der sächsischen Oberlausitz in den Jahren 2000 bis 2015.
In der sächsischen Oberlausitz nahe Bautzen lebt die Familie von Philipp und seinem jüngeren Bruder Tobi. Als Tobi eingeschult wird, ziehen sie ins eigene, mit viel Eigenarbeit gebaute Haus. Die Großeltern führen ein ruhiges Leben und lieben die Arbeit in ihrem Garten. Ein paar Jahre später, Philipp ist inzwischen Teenager, lungern immer wieder junge Männer in einem Auto vor der Schule herum. Philipp ist von ihnen beeindruckt und lässt sich durch einen Mitschüler in diese Gruppe einführen. Sie treffen sich regelmäßig in einer Laube, trinken Alkohol und haben Spaß daran, Regeln zu brechen. Irgendwann ist auch Tobi mit von der Partie. Dass es sich um eine Gruppe von Neo-Nazis handelt, wie ein Klassenkamerad sagt, ignorieren die Brüder. Derweil zerbricht nach und nach die behütete Welt, an der vor allem der Jüngere hängt. Der Vater verlässt die Familie, das mühsam erbaute Haus wird verkauft. Als der Großvater stirbt, wird auch der Garten abgegeben, der so viele Kindheitserinnerungen birgt. Ein Gefühl der Chancenlosigkeit macht sich in der Region breit. Die Wut auf die Politik entlädt sich in Philipps und Tobis Gruppe in Aggressivität gegen Ausländer und wütender Teilnahme an den Montagsdemos in Dresden. Philipp wendet sich von der Gruppe ab. Wird auch Tobi den Absprung schaffen? – Lukas Rietschel, geboren 1994, ist selbst in Ostsachsen aufgewachsen. Er erzählt aus der jugendlichen Perspektive die Geschichte von zwei "normalen" Jungs, die durch die Trostlosigkeit ihres Umfeldes und das Wegbrechen von Geborgenheit in einen Kreis geraten, in dem sie sich durch Mittun Anerkennung und Zugehörigkeit erwerben wollen. Ein wichtiges Buch, das die Problematik des Zulaufs zur rechten Szene von innen sichtbar macht. Es sollte in keiner Bücherei fehlen.
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Artikelbeschreibung

Zwei Brüder, ein Dorf in Sachsen und eine Wut, die immer größer wird

Sie wachsen dort auf, wo Straßen und Träume längst Risse haben. Zwischen vollgestellten Küchen und stillen Abenden staut sich eine Wut, für die niemand Worte findet. Bis aus dem Schweigen eine gefährliche Kraft wird.

In einem Landstrich, in dem Betonplatten flirren und Frost die Straßen sprengt, erzählt dieser Roman von zwei Brüdern, die mit ihrer Umgebung langsam aus dem Gleichgewicht geraten. Der Hausbau der Eltern wirkt wie ein Versprechen auf ein anderes Leben, doch hinter den Bäumen lasten die alten Fabriken, unter den stillen Seen liegt mehr als nur Schlamm. Was als leises Unbehagen beginnt, wächst zu einer Wut, für die niemand Worte hat. Als Parolen, Aufmärsche und neue Gesichter im Ort auftauchen, kippt die Stimmung, und die Brüder treffen Entscheidungen, die sie für immer markieren. Diese Geschichte ist eine eindringliche Chronik des Zusammenbruchs einer Familie und eines ganzen Gefühls von Zugehörigkeit.

Mit großer Genauigkeit zeigt dieser Roman, wie aus stiller Enttäuschung offene Radikalisierung entsteht. Eine intensive Lektüre über Herkunft, Scham und den Wunsch nach Zugehörigkeit, die die Frage stellt, was eine Gesellschaft ihren Kindern schuldet.

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Personeninformation

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in Räckelwitz in Ostsachsen, lebt in Görlitz. 2012 wurde sein erster Text im »ZEIT Magazin« veröffentlicht, seitdem folgten Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien. 2017 war er Gewinner bei poet bewegt. Für das Manuskript seines Romandebüts wurde er 2016 mit dem Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet.

Pressestimmen

"Sehr gut beobachtet und schön und poetisch und genau geschrieben" Volker Weidermann Der Spiegel 20180908
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