Nelka

Roman | »Von der ersten Seite an war ich verzaubert, so herzzerreißend, so traurig und doch federleicht ...« Kristine Bilkau | Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2026
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Nachdruck. Folgt laut Verlag/Lieferant: 25.08.2026
Buchprofile - Rezension
50 Jahre nach Kriegsende kehrt eine ehemalige Zwangsarbeiterin an den Ort ihres Leidens zurück.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs macht sich die Ukrainerin Nelka auf den Weg nach Norddeutschland, dorthin, wo sie im Zweiten Weltkrieg Zwangsarbeit leisten musste. Mit Sorge erwartet Marten, der ehemalige Gutsverwalter ihre Ankunft, nicht wissend, in welcher Absicht Nelka nach 50 Jahren zurückkehrt. 1941 wurde das 16-jährige Mädchen aus Lemberg verschleppt und mit vielen anderen Frauen zu unmenschlich harter Arbeit auf einem deutschen Gutshof gezwungen. Schnell wirft Marten ein Auge auf Nelka, sie ist hübsch, spricht deutsch und kennt sich bestens auf dem Gebiet des Obstbaus aus, eine Geschäftsidee, die er für die Zeit nach dem Krieg ins Auge fasst. Unter den misstrauischen Augen seiner Frau entwickelt sich ein perfides Szenario von Machtmissbrauch, sexueller Nötigung und Vergünstigungen, das Nelka keinen Spielraum zur Gegenwehr lässt. Eine Zwangslage, die nicht nur im Moment, sondern auch noch nach der Flucht der Verwalterfamilie bei Kriegsende ihre Auswirkungen zeigt. – Svenja Leiber ruft mit den Erinnerungen der beiden Protagonisten das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte ins Gedächtnis. Dabei entlarvt sich Marten als Mitläufer der übelsten Sorte, der sich mit seiner vermeintlichen „Liebe“ zu Nelka rechtfertigt. Nelka hingegen überlebt dank ihrer großen Resilienz und der Güte der Gutsköchin. Mit klarer Sprache beschreibt die Autorin das wortlose Kammerspiel zwischen Nelka und Marten, macht die brutale Situation der Zwangsarbeiterinnen deutlich und beschreibt mit einer herzzerreißenden Zärtlichkeit die Verbundenheit der versklavten Frauen. Ein wichtiges, unverzichtbares Buch gegen das Vergessen.
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Artikelbeschreibung

Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.

Welche Spuren die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts und Zwangsarbeit hinterlassen haben, bis in die Gegenwart und Landschaften hinein, das macht Svenja Leiber in ihrem neuen Roman sichtbar. Sie erzählt von Frauen, deren Wissen und Körper ausgebeutet wurden, die sich in Freundschaft verbanden und sich so gegen Erniedrigung und Brutalität stemmten. Nelka beleuchtet ihre Schicksale hellwach und sensibel - und bewahrt die Erinnerung an sie.

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Personeninformation

Svenja Leiber, 1975 in Hamburg geboren, wuchs in Norddeutschland auf und verbrachte als Kind einige Zeit in Saudi-Arabien. Sie studierte Philosophie, Literaturwissenschaft, Geschichte und Kunstgeschichte, debütierte 2005 mit dem Erzählungsband Büchsenlicht, 2010 folgte der Roman Schipino. Im Suhrkamp Verlag erschien 2014 Das letzte Land, 2018 Staub und 2021 Kazimira. Svenja Leiber lebt und arbeitet in Berlin und Schleswig-Holstein.

Pressestimmen

»... Nelka setzt den 'Ostarbeiterinnen' ein filigranes Denkmal. Svenja Leiber erzählt ausbalanciert. ... [I]hr bewegender und bedrückender Roman [macht] Mut.« Cornelia Geißler Berliner Zeitung 20260809
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