Das Blaue vom Himmel

Roman | Was, wenn es die Möglichkeit gäbe, die Erde abzukühlen, der Himmel dadurch aber für immer sein Blau verlieren würde?
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Buchprofile - Rezension
Wenn Blau zu Grau wird: Ein Umwelt- und Familienroman, der von Verlusterfahrungen erzählt.
Wir können die Erderwärmung aufhalten, wenn wir auf das Blaue des Himmels verzichten. Mit diesem Szenario eröffnet Magdalena Schrefel ihr empfehlenswertes Romandebüt, das gekonnt zwischen Climate-Fiction, Kunstbetrachtung und Familiengeschichte changiert. Indem Schwefel- und Kalkpartikel in regelmäßigen Abständen in die Stratosphäre ausgebracht werden, lässt sich die Sonneneinstrahlung dauerhaft regulieren. Doch durch die geänderte Zusammensetzung der Atmosphäre wird das Blau des Himmels „einem milchigen Grau, einem weißeren Licht weichen“. Eine groß angelegte Kunstausstellung in Wien, an der die Ich-Erzählerin Hannah als Assistenz mitarbeitet, soll in Bildern, Fotos, Collagen, Filmen oder Installationen die kollektive Erinnerung an den Blauen Planeten bewahren. Die von ihr bei der Recherche geführten Interviews über die unterschiedlichen Blautöne des Himmels werden nicht selten zu assoziativen Erzählungen über Verluste, Abschiede und Leerstellen im Leben der Befragten, zu denen auch Hannahs Schwester Vera und ihr Vater Jacob gehören. Hier kreisen die Gespräche um die Abwesenheit der Mutter, die die Familie bereits vor Jahren verlassen hat. In leisen, melancholischen Tönen fängt der Text die diffusen Erinnerungen ein, über die lange geschwiegen wurde. – Eine nachdenkliche Lektüre für alle, die Freude an feinsinniger, formbewusster Sprache und literarischer Reflexion haben.
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Artikelbeschreibung

Was, wenn es die Möglichkeit gäbe, die Erde abzukühlen, der Himmel dadurch aber nie wieder blau wäre? Hannah arbeitet an einer Ausstellung mit, die dieses Blau bewahren soll, kurz bevor eine globale Geoengineering-Maßnahme in Kraft treten wird. Durch die in die Stratosphäre geschossenen Schwefelpartikel wird sich das Sonnenlicht anders brechen, Meere und Flüsse werden verblassen, und der blaue Planet wird sich milchig grau färben. »Kannst du das Blaue beschreiben?«, fragt Hannah die Menschen, denen sie mit ihrem Aufnahmegerät gegenübersitzt: eine Filmemacherin, einen Botaniker, ihre ältere Schwester Vera. Immer tiefer taucht Hannah in die Erinnerungen der anderen ein, die am Tag der Ausstellungseröffnung in einem Raum zusammenfinden. Und plötzlich steht da auch Jakob, Hannahs Vater. Auch er hat eine Geschichte zu erzählen, über die die beiden bisher nie gesprochen haben.

Das Blaue vom Himmel erzählt davon, wie sich Veränderungen von historischer Tragweite im Persönlichen spiegeln. Von Verlusten und Abschieden - und vom Bewahren der Dinge, die uns kostbar sind, von Menschen, die wir lieben.

- Die konkreten Folgen der Klimakrise poetisch durchdacht
- Umschlaggestaltung von Judith Schalansky

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Personeninformation

Magdalena Schrefel, 1984 geboren, studierte Europäische Ethnologie in Wien und Literarisches Schreiben in Leipzig. Sie schreibt Theaterstücke, Hörspiele und Erzählungen, für die sie vielfach ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem Robert Walser-Preis 2022 für ihren Erzählungsband Brauchbare Menschen (es 2800) und mit dem NESTROY-Preis in der Kategorie »Bestes Stück - Autor:innenpreis« 2024 für Die vielen Stimmen meines Bruders, dessen Umsetzung als Hörspiel vom ORF als bestes Originalhörspiel des Jahres 2024 ausgezeichnet wurde.

Pressestimmen

»Schrefel beobachtet genau und sensibel, wie gefasst ganz unterschiedliche Menschen auf Verluste und den bevorstehenden Abschied vom Blau reagieren, wie sie reflektieren, über Kunst sinnieren, Worte und Bilder finden, sich an diese oder jene Momente erinnern.« Sabine Rohlf Berliner Zeitung 20260215
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