Cherubinischer Staub

Gedichte
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Buchprofile - Rezension
Durchbrechen der Zeit: Christian Lehnerts neue Gedichte.
"Teilchen. Cherubinische Spuren", unter diesem Titel hat Christian Lehnert 2016 bei seiner Wiener Poetikdozentur die poetischen und religiösen Sprachrituale erkundet. Gemeinsam mit dem Notizenband "Der Gott in seiner Nuß" (2017) liefert der neue Lyrikband "Cherubinischer Staub" eine Fortsetzung dieses Projekts. Der Titel bekennt sich zum mystischen Erbe des Jacob Böhme und des Angelus Silesius. Doch Lehnert liest erstaunlich modern im Wörterbuch der Naturerscheinungen. Seine Lesezeichen für das gottgegebene Buch der Natur sind Daten, Orte und Zeiten, Baum- und Pflanzennamen - und immer wieder Existentialien wie "Muttersprache", "Erwachen", "Abschied", die in die Welt einbrechen und dann Wortgestalt und poetische Form gewinnen. Herausragend sind die Gedichte über die Heiligen Drei Könige, schweigsame Auswanderer, aber auch die "Passions-Salve" an Christi Hände und postbarocke Gedenkblätter wie die Frage, warum "GOtt" (den Lehnert wie Luther mit unterscheidender Binnenversalie schreibt) vom Tod "so ungewiß verstellt" ist. Andächtige, bildintensive, denkreiche Texte, epigrammatisch, als Sonett, als Langgedicht, Christian Lehnert ist auf der Höhe seiner religiös inspirierten Kunst. Für alle Bestände.
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Artikelbeschreibung

Christian Lehnerts siebentes Gedichtbuch versucht erneut ein Äußerstes: Ausgehend von zweizeiligen Verknappungen bis an den Rand des Schweigens, über Sonett, Ode und Terzine bis hin zu vielgestaltig ausgreifenden Poemen sendet diese Dichtung experimentelle Sonden ins Unbekannte.

Mehrfach begibt sich der Dichter in ein 'Wörterbuch der natürlichen Erscheinungen'. Darin öffnen sich ihm Welt und Signatur von Schnee und Frost, Moos und Laub. Zu Sprache werden ihm Federgeistchen, Feuerkäfer, Fliegen und Falken. Ebenso versteht er sich später auf die Rede der Fichten und Buchen. Schließlich geht es um menschliches Schicksal, um mythische wie historisch-reale Stoffe. Hier verbindet er Polaritäten wie den Baal von Palmyra und die Todeserfahrung des Obersten Lehnert im Zweiten Weltkrieg.
Lehnerts Dichtung speist sich aus der deutschen Mystik. Von Jacob Böhme und Angelus Silesius übernimmt er die doppelbödig-eindringliche, Spiritualität und Physis verbindende Rede. In Lehnerts Gedichten ereignet sich, im vielberufenen Zeitalter des Digitalen, eine Wiederauferstehung analogen Denkens - und hier haben die Gedichte auch ihren widerständigen Ort in der Gegenwart: als Behauptungen von 'Sinn' in den Erscheinungen, als Näherungen an eine letztlich unsagbare Mitte.

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Pressestimmen

» ... in der gegenwärtigen deutschen Lyrik unerreicht und von bleibender Schönheit.« Eberhard Geisler taz. die tageszeitung 20181020
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