Stellt euch vor, ich bin fort

Roman
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Buchprofile - Rezension
Psychogramm einer Familie.
"Stellt euch vor, ich bin fort. Stellt euch vor, ihr seid ganz allein. Was macht ihr?", fragt John seine beiden Kinder Celia und Alec, als sie draußen auf dem Meer sind, legt sich auf den Boden des Bootes und tut, als ob er nicht da sei. Zusammen mit seiner Frau Margaret und dem Ältesten Michael machen sie zwei Wochen Urlaub auf einer kleinen Insel in Maine, USA. Celia weiß, was zu tun ist: sie und ihr kleiner Bruder müssen rudern. Doch das ist leichter gesagt als getan. Was sie nicht weiß: Ihr Vater wird bald wirklich weg sein. Seit seiner Jugend leidet er an Depressionen und verschwindet eines Tages, um sich die Pulsadern aufzuschneiden. Auch Michael hat psychische Probleme: Er leidet unter Angststörungen und nimmt Psychopharmaka. Als leidenschaftlicher Musikkenner versucht er vergeblich, ein Studium zu absolvieren oder eine Beziehung aufzubauen. Seine Geschwister bemühen sich um ihn. Aber Celia, die Psychotherapeutin, hat immer daran geglaubt, dass Michael heilbar ist, statt ihn zu nehmen wie er ist. Und Alec, der spät seine Homosexualität entdeckt, versucht, Michael von den Medikamenten zu entwöhnen, was letztendlich zu seinem Selbstmord führt. Margaret hat immer nur gewollt, dass ihre Kinder glücklich sind. - Im Wechsel erzählen die fünf Familienmitglieder in der Ich-Form, was ihnen widerfährt, wie sie mit der jeweiligen Situation umgehen, nicht zuletzt mit Michael, um den sich nach dem Tod Johns alle kümmern. Michael ist derjenige, der die Familie tatsächlich zusammen schmiedet. Der Roman war in den USA für den Pulitzer-Preis und den National Book Award nominiert; er zeigt auf beeindruckende Weise, was eine psychische Krankheit mit einer Familie macht. Der Autor beschreibt großartig das Verhalten psychisch kranker Menschen. Eine bedrückende Familiengeschichte für anspruchsvolle Leser. (Übers.: Dirk van Gunsteren)
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Artikelbeschreibung

"Stellt euch vor, ich bin fort" wurde in der englischsprachigen Presse «atemraubend» genannt, «überwältigend und herzzerreißend», wurde als «Literatur höchsten Ranges» gefeiert und für den Pulitzer Preis, den National Book Award und den National Book Critics Circle Award nominiert. Ein moderner Familienroman in der Tradition einer welthaltigen und weltläufigen US-Literatur.
Alles beginnt mit einem Unglück auf einer Landpartie in Maine. Nein, früher: Es beginnt in den 1960er Jahren in London, als die junge Amerikanerin Margaret erfährt, dass John, ihr Verlobter, nicht einfach verschwunden, sondern manisch-depressiv in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden ist. Vor die Wahl gestellt, entscheidet sie sich für ein Leben an seiner Seite, ein Leben mit seiner Krankheit. Was daraus folgt, ist die Geschichte einer Familie über zwei Generationen, die Geschichte einer erblichen bipolaren Störung, einer mal glanzvollen und häufiger noch prekären Existenz, durchzogen von den Spuren eines großen Verlusts.
Adam Haslett erzählt von Mutterliebe und Geschwisterbanden mit derselben Glaubwürdigkeit und Präzision wie vom Hummerfischen, von Clonazepam oder Funk, Techno und House. "Stellt euch vor, ich bin fort" ist ein Meisterwerk des psychologischen Realismus, genauso einfühlsam wie einfallsreich, ein Roman, der unseren Blick auf die Menschen, die uns am wichtigsten sind, dauerhaft verändern kann.

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Personeninformation

Adam Haslett, geboren 1970, studierte Literatur und Jura in Yale, Swarthmore und an der University of Iowa. Seine Bücher wurden in achtzehn Sprachen übersetzt und unter anderem mit dem PEN/Malamud-Award ausgezeichnet. Der Erzählungsband "Hingabe" gelangte nicht nur auf die Shortlist des Pulitzer Preises, sondern auch auf die des National Book Award. Für den Roman "Union Atlantic" erhielt Adam Haslett den Lambda Literary Award. "Stellt euch vor, ich bin fort", sein zweiter Roman, wurde für den Pulitzer Preis, den National Book Award und den National Book Critics Circle Award nomininiert. Adam Haslett lebt in New York City.

Dirk van Gunsteren, 1953 geboren, übersetzte u.a. Jonathan Safran Foer, Colum McCann, Thomas Pynchon, Philip Roth, T.C. Boyle und Oliver Sacks. 2007 erhielt er den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis.

Pressestimmen

Depressionen sind für Hasletts neuenglische Mittelstandsfamilie keine bloße Sto¨rung des Zusammenlebens, sondern Existenzgrund und Erkenntnisinstrument, ein Höllenfeuer, in dem weiche Gefühle gehärtet und zerfallende Familien zusammengeschmiedet werden. Wie der achtundvierzigjährige New Yorker Autor die subtile Psychodynamik einer traumatisierten Familie u¨ber fast fünfzig Jahre hinweg in all ihren Farbnuancen und historischen Facetten nachzeichnet, ohne dabei ihre Komik zu vernachla¨ssigen oder die Leser runterzuziehen - das ist große Erzählkunst. Der Roman deprimiert nicht. Er bewegt und ru¨hrt und ermutigt vielmehr dazu, das Ungeheuer mit Liebe und Verständnis zu bändigen. Der Vater und sein Kind fallen in den Brunnen des Todes, aber man kann daraus immer noch das klare Wasser von Trost und Sinn schöpfen. Martin Halter FAZ.NET
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