Der Architekt und sein Führer

Roman
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Buchprofile - Rezension
Fiktionale Auseinandersetzung mit Albert Speer.
Albert Speer hat als eine der wenigen NS-Größen den Krieg und die Nürnberger Prozesse überlebt. Der Autor setzt sich hier romanhaft mit dieser Figur auseinander. Das ist ein in Deutschland eher ungewöhnlicher Weg, der in Frankreich aber seit Jahren erfolgreich ist. Orengo wahrt stets die kritische Distanz, nie lässt er die (für Romane eigentlich tragende) Identifikation zu. Es gelingt ihm nicht zuletzt damit auch gut, den großen "Clou" Speers zu entlarven, dem auch zahlreiche Historiker auf den Leim gingen. Nach der verbüßten Haftstrafe für seine Taten als Rüstungsminister hat er sich selbst in seinen "Erinnerungen" und zahlreichen Interviews als mehr oder minder ahnungslosen "guten Nazi" inszeniert, als einen nur der Kunst verpflichteten, unpolitischen Architekten. In diesem Roman geht es auch um diesen Konflikt der Narrative, die im Fall Speers zum Teil sogar aktenkundliche Beweise in den Hintergrund gedrängt hat. –Alles in allem ein interessanter Titel, bei dem die Unterscheidung zwischen Fiktion und dokumentarischen Elementen für Leser:innen allerdings sehr herausfordernd ist.
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Artikelbeschreibung

Ein Meister der Verführung: Jean-Noël Orengos Roman über Albert Speer, die Deutschen und ihre Schuld

1945: Albert Speer, Hitlers Architekt und Rüstungsminister, vollbringt auf der Anklagebank in Nürnberg ein Kunststück, das ihm das Leben rettet: Er behauptet, nichts von der «Endlösung» gewusst zu haben, erklärt sich «verantwortlich, aber nicht schuldig» - und man glaubt ihm bereitwillig.

1969: Speer veröffentlicht seine Memoiren, die sofort zu einem Bestseller werden. Er blickt darin zurück, von seinen Inszenierungen der Reichsparteitage über die Planungen zur «Reichshauptstadt Germania» bis zum Untergang Nazi-Deutschlands, und vollzieht eine schier unglaubliche Metamorphose, die seine zweite Karriere vorzeichnet: als Medienstar und Gewährsmann der deutschen Vergangenheitsbewältigung.

Wie war all das möglich? Jean-Noël Orengo fragt dort weiter, gräbt dort tiefer, wo Speer schwieg oder die Wahrheit verbarg. In seinem Roman ergründet er ein Phänomen, das viel über die Deutschen und ihr Verhältnis zur eigenen Schuld verrät - und damit weit über Speer selbst hinausreicht. Ein Lehrstück über das fatale Zusammenspiel von Politik und Propaganda, Fakt und Fiktion, Realität und Fake.

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Personeninformation

Jean-Noël Orengo, geboren 1975, ist Filmkritiker und Schriftsteller. Sein Roman «La Fleur du Capital» (2015) stand auf der Shortlist für den Debütpreis des Prix Goncourt und wurde mit dem Prix de Flore ausgezeichnet. 2017 folgte der Roman «L'Opium du Ciel», 2019 «Les Jungles rouges». Orengos jüngster Roman «Der Architekt und sein Führer» war ebenfalls für den Prix Goncourt nominiert, zudem für den Prix Renaudot und den Prix littéraire Le Monde.

Nicola Denis wurde mit einer Arbeit zur Übersetzungsgeschichte promoviert. Im niedersächsischen Celle geboren, lebt sie seit über zwanzig Jahren im Westen Frankreichs. Dort übersetzt sie neben Klassikern wie Alexandre Dumas oder Honoré de Balzac französische Gegenwartsautoren wie Sylvain Tesson, Olivier Guez, Philippe Lançon oder Éric Vuillard. 2021 erhielt sie für ihr übersetzerisches Gesamtwerk den Prix lémanique de la traduction, 2023 den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis. Im August 2022 erschien bei Klett-Cotta ihr literarisches Debüt Die Tanten.

Pressestimmen

Orengo zeigt den nach seiner Entlassung umjubelten Alt-Nazi als das, was er war: ein Meister der Inszenierung, der Blendung und der Lüge - und das lange, bevor es den Begriff «Fake News» gab. Frankfurter Neue Presse 20251215
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