Vom Fällen eines Stammbaums

Roman | Zwischen Fürsorge und Abgrund: eine deutsch-polnische Familiengeschichte, die unter die Haut geht
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Buchprofile - Rezension
Eine intensive Mutter-Sohn-Beziehung im Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz.
"Familie ist ein brutales Konzept. Familie kann einen Menschen brechen oder ermöglichen", sagt Martin, der Ich-Erzähler dieses bemerkenswerten Debüt-Romans. Als Sohn einer aus Polen geflüchteten alleinerziehenden Mutter wächst er in prekären Verhältnissen auf. Schon früh lernt er, Verantwortung zu übernehmen: für sich selbst und seine schulischen Belange, aber auch für die psychisch labile Mutter, die ihre Probleme mit zu viel Alkohol und Nikotin betäubt. Nachdem sie ihre Arbeit als Altenpflegerin krankheitsbedingt aufgeben muss, spitzen sich die Probleme zu: Die Mutter ist vollkommen auf den Sohn angewiesen. Als Martin nach und nach mehr über die Familiengeschichte erfährt, findet er nicht nur Erklärungen, sondern auch Verständnis für das Verhalten seiner Mutter. Das titelgebende Bild vom Fällen des Stammbaums zeigt den radikalen Schnitt in der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit. Martin sieht seinen Stammbaum in den Geschichten, die seine Mutter ihm erzählt hat. Für ihn ist Familie eine Geschichte, so, wie sie erinnert wird. In der Weitergabe dieser Geschichte liegt seine Erzählung, seine Fürsorge, mit der der Stammbaum endet. Packend und eindringlich schreibt Piekar über gelebte Traumata, über Verzweiflung und Wut, aber auch über viel Liebe und Zuneigung. Unbedingt beachtens-, lesens- und empfehlenswert!
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Artikelbeschreibung

'Eine Familien- und Leidensgeschichte, eine deutsch-polnische Coming-of-Age-Story, in der er die Jahre der Pflege verarbeitet und die Mutter verewigt hat.' Der SpiegelMarcin wächst auf in prekären Verhältnissen: Seine Mutter floh in den 1980ern aus Polen nach Deutschland, um ihn, ihr zweites Kind, hier großzuziehen. Sie arbeitet hart als Altenpflegerin, sie trinkt zu viel, und irgendwann sieht sie in ihrem Sohn nur noch den Antagonisten. Währenddessen versucht Marcin, mit Videospielen, Nu Metal und Gedichten herauszufinden, wer er ist und hier in Deutschland sein kann.¿ In dieser Spannung leben die beiden mit- und gegeneinander.Erst spät im Leben - die alternde Mutter ist schwer krank, und Marcin pflegt sie - offenbart sich die Familiengeschichte in Gänze: eine Lebenserzählung zwischen Anekdote und Abgrund. Der Krieg ist nicht vorbei. Kein Krieg ist je vorbei.¿2023 fand Martin Piekar mit einem Auszug aus diesem Roman beim Bachmann-Preis in Klagenfurt begeistertes Echo; er wurde mit dem Robert-Gernhardt-Preis 2024 ausgezeichnet und war 2025 für den Alfred-Döblin-Preis nominiert.

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Pressestimmen

Wie soll man dieses rasende, rasante, intime, bewegende Buch aus der Hand legen? Maike Schiller abendblatt.de 20260715
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