Ich dachte, bis dahin bin ich tot

Meine Zeit als RAF-Terroristin und mein Leben danach | Aus dem Inneren der Rote Armee Fraktion
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Buchprofile - Rezension
Autobiografie der Ex-Terroristin Silke Maier-Witt (geb. 1950).
Die Autorin gehört zu den wenigen Protagonisten der Terrorszene im Umfeld des "Baader-Meinhof-Komplexes", die nach ihrer Verhaftung das Schweigen gebrochen und sich ihrer Vergangenheit gestellt haben. In ihren Erinnerungen, verfasst zusammen mit dem Journalisten André Groenewoud, möchte sie durch Selbstbefragung ihren Weg in den Linksextremismus nachzeichnen und verstehbar machen. Als wichtige Faktoren identifiziert sie eine unglückliche Kindheit, eine ungefestigte Persönlichkeit, das linksradikale Milieu während des Studiums, die Mitarbeit im "Komitee gegen Folter" zur Unterstützung der in Stuttgart-Stammheim inhaftierten RAF-Terroristen der ersten Generation und schließlich den freiwilligen Schritt in die Illegalität 1976/77 nach dem Suizid von Ulrike Meinhof. Es folgt der "Deutsche Herbst" 1977 mit der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, der Entführung der Lufthansamaschine "Landshut" nach Mogadischu und dem kollektiven Selbstmord der inhaftierten RAF-Mitglieder. Silke Maier-Witt wird 1979 aus der RAF ausgeschlossen und taucht mit Hilfe der Stasi bis 1990 in der DDR unter. Nach der Wende wird sie verhaftet und verurteilt. – Auch wenn manche Fragen zur Schuld und ideologischen Verblendung offen bleiben, so zeigt die Vita der Autorin, wohin Radikalität führen kann. – Personenverzeichnis, Chronologie sowie kurze persönliche Erinnerungen von drei Zeitzeugen ergänzen diese Autobiografie, die größeren Büchereien durchaus empfohlen werden kann.
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Artikelbeschreibung

Schonungslos, ehrlich, voller Reue - die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt erzählt ihr Leben

Die RAF ist ein deutsches Trauma. Viele Verbrechen der Roten Armee Fraktion aus den 70er- bis 90er-Jahren sind bis heute unaufgeklärt, noch immer ranken sich Mythen um die Mitglieder, die die Bundesrepublik terrorisierten. Silke Maier-Witt gibt in diesem Buch einzigartige Einblicke in das Innere der Gruppe.

Am 7. April 1977 - dem Tag des Mordes an Siegfried Buback - schloss Silke Maier-Witt sich der RAF an und tauchte unter. Fortan war sie eine der meistgesuchten Terroristinnen der Bundesrepublik. Während des »Deutschen Herbstes« spähte sie die Fahrtstrecke von Hanns Martin Schleyer aus, leistete logistische Hilfe und gehörte dem innersten Kreis der RAF an, der in Köln den Arbeitgeberpräsidenten entführte und dessen vier Begleiter tötete. Nach einem Banküberfall der RAF, bei dem eine Unbeteiligte erschossen wurde, übte sie Kritik - und stieg aus der Terrorgruppe aus. Mithilfe der Staatssicherheit tauchte sie in der DDR unter und begann ein neues, bürgerliches Leben - das mit ihrer Verhaftung nach dem Fall der Mauer ein jähes Ende fand.

In ihrem Buch blickt Silke Maier-Witt auf ihr Leben zurück - von der Kindheit in Hamburg über ihre Zeit in der RAF, ihrem Leben mit neuer Identität in der DDR, die Haft bis hin zu ihrem Neustart als ausgebildete Friedensfachkraft. Vor allem aber ergründet sie, wie es dazu kam, dass sie sich als junge Frau der Roten Armee Fraktion anschloss, und warum sie das Töten als Mittel zum Erreichen der RAF-Ziele hinnahm.

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Personeninformation

Silke Maier-Witt wurde 1950 in Nagold, Baden-Württemberg, geboren und wuchs in Hamburg auf. Sie studierte Medizin und Psychologie. 1977 schloss sie sich der Roten Armee Fraktion an und ging in den Untergrund. 1979 löste sie sich von der Terrorgruppe und tauchte in der DDR unter. Nach dem Mauerfall wurde sie verhaftet und in die Bundesrepublik abgeschoben, wo sie 1991 wegen der Beteiligung an der Entführung und Ermordung von Hanns Martin Schleyer sowie anderer Straftaten zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. 1995 kam sie vorzeitig aus der Haft frei. Sie beendete ihr Psychologiestudium und absolvierte eine Ausbildung zur Friedensfachkraft. Heute lebt Silke Maier-Witt vorwiegend in Nordmazedonien.

André Groenewoud, Jahrgang 1972, arbeitete als Chefreporter und Autor für die Bunte in München und Paris, schrieb für den stern und war Korrespondent der Reportage-Agentur Zeitenspiegel in New York. Zuletzt arbeitete er fürs ZDF im Südostasien-Studio in Singapur. Groenewoud veröffentlichte 2019 das Buch »Das wollte ich Ihnen noch sagen - ein Jahrhundert im Gespräch« und 2023 »Jahrhundertverbrechen - Opfer und Täter erzählen«.

Pressestimmen

»Was den Text so besonders macht: Maier-Witt schont sich nicht, rechtfertigt ihre Taten nicht. Stattdessen versucht sie zu erklären, was kaum zu erklären ist.« André Bosse Galore 20250210

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