Liebes Arschloch

Roman
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Buchprofile - Rezension
Moderner Briefroman über die Themen Feminismus, #MeToo, Cybermobbing und Drogenkonsum.
Der Romanautor Oscar Jayack zieht auf Instagram über die Schauspielerin Rebecca Latté her; sie schießt krass zurück an das "liebe Arschloch". Oscar entschuldigt sich und stellt sich als der kleine Bruder ihrer Kinderfreundin Corinne vor. Es entsteht ein reger E-Mail-Verkehr, in dessen Verlauf er gesteht: "Ich bin ein Opfer von #MeToo." Dazwischengeschaltet sind Feeds von Zoé Katana, in denen sie den Macho-Autor beschuldigt, sie gestalkt zu haben. Zoé hat gerade mit ihren feministischen Statements im Netz "ein Riesending" gelandet. Rebecca vertritt den älteren Feminismus, der auch einmal etwas durchgehen lässt, doch sie wird Oscar nicht öffentlich verteidigen. Ihr Briefaustausch erstreckt sich über Themen wie Cybermobbing und Drogenkonsum. Dabei wird klar, dass es bei den Anonymen Narkotikern Gespräche gibt, die sich auf Oscar wohltuend auswirken, im Gegensatz zu den Gift-und-Galle-Attacken im Netz, welchen auch Zoé ausgesetzt ist. - Die französische Starautorin setzt sich in ihrem neuen Roman wieder streitbar und dialektisch mit den aktuellen Themen der Zeit auseinander. Unbedingt lesen!
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„Liebes Arschloch“ ist ein moderner Briefroman, das scheint wieder in Mode zu kommen. Oscar und Rebecca schreiben sich zahllose und oft lange Mails. Sie lassen den anderen in ihr Innerstes blicken, teilen sich ihre Gedanken mit über alles, was sie beschäftigt. die Gewaltherrschaft des Autoverkehrs, die Unterwerfung unter den Glanz der Filmindustrie, die behauptete Schwäche der Frauen und immer wieder die Ursachen für ihren Drogenmissbrauch. Die Ruhe des Lockdowns lässt sie tiefer vordringen. Am Ende sind sie wirklich Freunde geworden.

Artikelbeschreibung

Mit der ihr eigenen Verve und Sprachgewalt nimmt sich Despentes der Themen unserer Zeit an - #MeToo und Social Media, Drogen, Machtmissbrauch, Feminismus. Ungeschönt, aber nicht unversöhnlich hält Despentes unserer Gesellschaft den Spiegel vor.Rebecca, Schauspielerin, über fünfzig und immer noch recht gut im Geschäft. Oscar, dreiundvierzig, Schriftsteller, der mit seinem zweiten Roman hadert, und Zoé, noch keine dreißig, Radikalfeministin und Social-Media-Aktivistin.  Diese drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen nach einem verunglückten Instagram-Post Oscars aufeinander. Wie? Digital. Und so entsteht ein fulminanter Briefroman des 21. Jahrhunderts, in dem alle wichtigen gesellschaftlichen Themen unserer Zeit verhandelt werden. Rebecca, Oscar, Zoé, alle drei sind vom Leben gezeichnet, voller Wut und Hass auf andere - und auf sich selbst. Aber sie müssen erkennen, dass diese Wut sie nicht weiterbringt, sondern nur einsamer macht, dass Verständnis, Toleranz und sogar Freundschaft erlernbar und hin und wieder sogar überlebenswichtig sind. Mit dieser Tour de Force durch gesellschaftliche Debatten und Konflikte behauptet Virginie Despentes klar ihre Position als eine der wichtigsten Autor*innen Frankreichs, die Wut und Aggression gekonnt einsetzt, um Versöhnung zu predigen. Ganz große Literatur.

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