Nannerl Mozart

Leben einer Künstlerin im 18. Jahrhundert | Die Biografie über Wolfgang Amadeus Mozarts hochbegabte Schwester
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Buchprofile - Rezension
Biografie der im Schatten des genialen Bruders stehenden Schwester von W.A. Mozart.
Beliebtes Thema: Verkanntes Talent neben allzu bekanntem Genie - oder: Bedeutsame Frauen ohne die Chance, sich emanzipieren zu können! Nein, diesem Klischee erliegt die Autorin nicht - im Gegenteil versucht die progressive Musikwissenschaftlerin, eine Biografie der Schwester von Wolfgang Theophilus Mozart vorzustellen, die durch genaueste Detailforschung ein vollständiges wie kritisches Bild vermittelt, wie es dieser künstlerisch begabten Frau im Schatten des "göttlichen Wunderkindes" gerecht wird. Es ist dies bereits eine verbesserte Fassung ihres Erstlings von 2005, die neue Quellenfunde (Tagebuchblätter und Auseinandersetzung mit Urteilen wie Vorurteilen aus dem biografischen und sozialen Umfeld der mozartischen Sippe) erschließt und so den Musikfreund als auch den Milieu-Kenner gründlich informiert, während der langen Lebensspanne (1751-1829) vom "Nannerl" (sic!), d.h. Anna Maria (sie bekam den Vornamen ihrer Mutter), verheiratet mit J.B. von Berchtold zu Sonneberg. Imponierend akribisch recherchiert und chronologisch entfaltet wirken doch die letzten Kapitel noch aufschlussreicher: Nannerl als Musikerin - die Rolle von zeit-genössischen(!) Komponistinnen - Das soziale Umfeld (in Salzburg und St. Gilgen) - das Frauenbild jener Epoche, speziell die Beziehung zum Vater Leopold und dessen wie Wolfgangs zu Frauen. "Ich hoffe, o meine Königin… du wirst aus der schönsten und sichersten Vernunft, die du neben deiner Schönheit besitzest… mir etliche (andere) Mannspersonen aufopfern" (Brief vom Bruder ans Nannerl - August 1773). Insgesamt ein wohl unübertroffen ausführliches, beim Studieren etwas ermüdendes Lebensbild einer genuin künstlerischen Persönlichkeit, eines milieuverhaftet und gender-behinderten Weibsbilds, doch nur scheinbar Opfer, vielmehr als selbstlose Tochter und Schwester, Verehrerin und Vermittlerin (auch für Constanzes Familie), Nachlassverwalterin ihres genialen Bruders) eine großartige Frau. Und gerade in den sozialgeschichtlichen Informationen ein wertvolles, weil mustergültig aufklärendes biografisches Werk.
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Artikelbeschreibung

Ihr Vater Leopold zählte die hochbegabte Tochter, die komponieren und improvisieren konnte, zu den besten Tastenspielerinnen der Welt. Doch während die Emanzipationsbewegungen des Bürgertums aufgeklärtes Gedankengut und neue Lebensentwürfe für den Mann eröffnen, wird die Frau kulturell 'ausgebürgert'. Wolfgang Amadeus Mozart befreit sich vom väterlichen Zwang und geht in Wien eigene Wege, die ihn auf die höchsten Höhen der musikalischen Welt führen, derweil seine Schwester Nannerl im Salzburger Elternhaus das Gesinde beaufsichtigt und Hausmusik pflegt. Als die Dreiunddreißigjährige auf Wunsch ihres Vaters einen Witwer heiratet, zahlt ihr der Ehemann nach der Hochzeitsnacht eine 'Morgengabe' als Belohnung für ihre Jungfräulichkeit. Alle Eigenschaften, die zum künstlerischen Schaffen notwendig sind: Freiräume, Lebenserfahrung, öffentliche Anerkennung und berufliche Tätigkeit, gelten für sie nicht. Sie akzeptierte diese Rolle, stützte den Vater in Sorgenzeiten, liebte die Geselligkeit mit Kartenspiel und Maskenbällen, war eine leidenschaftliche Theatergängerin und legte mit der Aufbewahrung der Familienbriefe den Grundstein zur Mozartforschung. Die Musikgeschichtsschreibung hat diese so unterschiedlichen Lebenswege von Mann und Frau als naturgegeben hingenommen. Nannerls angebliche Opferhaltung wird gelobt, doch gilt sie auch als 'kleinlich, selbstsüchtig, farblos, gekränkt, engherzig und verbittert', als das 'ewige gehorsame kleine Mädchen'. Doch was hätte aus ihr werden können, wenn sie zu einer anderen Zeit gelebt hätte? Eva Rieger erzählt die Lebensgeschichte der Maria Anna Mozart aus der Vielfalt allgemeiner Veränderungen des 18. Jahrhunderts.

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