Mischka

Drei Porträts
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Buchprofile - Rezension
Jüdisches Leben der Nachkriegsgeneration unter schwierigen Bedingungen.
Mischka (1905-2005) war eine Überlebende des GULAG. Ihre Wohnung in Moskau war in den 1960er- und 1970er-Jahren zentraler Treffpunkt vieler Dissidenten. Auch die Autorin B. Honigmann (geb. 1949) verkehrte dort, Mischka wurde ihr eine mütterliche Freundin. Doch was sie in zahlreichen mitunter albtraumhaften Erzählungen über das terroristische Regime erfuhr, prägte sich der Tochter jüdischer Kommunisten, die den Nationalsozialismus als Emigranten in England überlebten, im Gedächtnis ein. Im Buch über ihre Mutter „Ein Kapitel aus meinem Leben“ hatte sie Mischka bereits ein Kapitel gewidmet. Jetzt hat sie das Geschehen nach eigenen Worten aus Anlass des Kriegs gegen die Ukraine neu und ausführlicher aufbereitet, denn Russland präsentiere sich zunehmend wie in stalinistischer Vergangenheit. Die preisgekrönte Autorin begann nach ihrem Umzug 1984 von Ostberlin nach Straßburg in die dortige jüdische Gemeinde, ihre unfassbar bewegte Familiengeschichte aufzuschreiben, in schmalen Bänden, jüdisches Leben und Überleben aus vielseitiger Perspektive, schwere Kost in verträglichen Häppchen, aber stilistisch mitreißend dargeboten. Die beiden anderen, kürzeren Texte befassen sich mit jüdischem Leben und Erleben in Straßburg anhand zweier Protagonisten und mitunter schwerer oder gar unmöglicher Aufarbeitung jüdischer Schicksale durch die Nachkriegsgeneration.
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Artikelbeschreibung

Persönlich, nahbar und voller Menschlichkeit - mitreißend erzählte Erinnerungen von Barbara Honigmann, der »Meisterin des biographischen Porträts« Deutschlandfunk»Eigentlich war es kein Kreis, eher ein Kosmos, ein Universum, das mich in meiner Kindheit und Jugend umstrahlte.« Barbara Honigmann erzählt vom Leben und Überleben der Freunde ihrer Eltern, die den Lagern der Nazis und des Gulag entkamen. Junge jüdische kommunistische Intellektuelle, die für ihre Ideale teuer bezahlten und von denen einige doch immer wieder Auswege fanden. Mischka zum Beispiel brachte in ihrer Moskauer Zweizimmerwohnung in den Siebzigerjahren Dichter und Dissidenten zusammen, die dem Sowjetregime die Stirn boten. Vor dem Hintergrund der mörderischen Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts bestechen diese mitreißend erzählten Erinnerungen an Bekannte, Gefährten, geliebte Menschen vor allem durch ihre Freundlichkeit, ihre Wärme, ihren Witz.

Produktsicherheit

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Personeninformation

Barbara Honigmann, 1949 in Ost-Berlin geboren, arbeitete als Dramaturgin und Regisseurin. 1984 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Straßburg, wo sie noch heute lebt. Honigmanns Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Heinrich-Kleist-Preis, dem Max-Frisch-Preis der Stadt Zürich, dem Jakob-Wassermann-Preis, dem Bremer Literaturpreis 2020, dem Jean-Paul-Preis 2021, dem Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung 2022, dem Goethe-Preis der Stadt Frankfurt 2023, zuletzt 2024 mit dem Schiller-Gedächtnispreis, dem Jehuda-Amichai-Literaturpreis und dem Bundesverdienstkreuz am Band. Bei Hanser erschien bisher »Damals, dann und danach« (1999), »Alles, alles Liebe!« (Roman, 2000), »Ein Kapitel aus meinem Leben« (2004), »Das Gesicht wiederfinden« (2007), »Das überirdische Licht« (Rückkehr nach New York, 2008), »Chronik meiner Straße« (2015), »Georg« (2019) und zuletzt »Unverschämt jüdisch« (2021).

Pressestimmen

»Honigmanns Werk ist auf bescheidene Art selbstbezogen, aber handelt auf der abstrakten Ebene von den seltsamen Verirrungen aller Menschen. Das macht es zu großer Literatur.« Zelda Biller, Die Zeit, 26.03.26 »Das Buch führt vor Augen, dass Geschichte nicht einfach endet, auch wenn man sie beschweigt.« Carsten Hueck, Deutschlandfunk, 05.05.26 »Barbara Honigmann ist Buch für Buch zu einer der großen autofiktionalen Erzählerinnen der Gegenwart geworden.« Gerrit Bartels, Tagesspiegel, 02.02.26 »Aus Barbara Honigmanns neuem Buch lässt sich erfahren, welch strenge Schönheit und unprätentiöse Würde in der Erinnerung liegen.« Marko Martin, Jüdische Allgemeine, 29.01.26 »Ein eindringliches Porträt ... Geschrieben ist es in einer geschmeidigen, humorvollen Prosa - mit Satzgirlanden, die so verschlungen sind wie die erzählten Lebenswege.« Oliver Pfohlmann, SWR Kultur, 25.01.26 »Honigmanns Porträts machen diese Zeitzeugnisse zu Sinnbildern menschlicher Existenz, voller Herzenswärme und mit jenem erzählerischen Esprit, der Barbara Honigmanns Schreiben von Anfang an auszeichnet.« Michael Braun, Kölner Stadt-Anzeiger, 23.01.26
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