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Roman. Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung 2024
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Buchprofile - Rezension
Doku-Roman über menschenzerstörerischen Einsatz weiblicher Prostituierter durch die Staatssicherheit in der DDR.
Nach der Geburt ihres Sohnes, wenigen Ehejahren, manchen Männerbeziehungen, wenigen finanziellen Ungereimtheiten wird die 24-jährige Verkäuferin Uta 1973 von Vertretern der Staatssicherheit in der DDR angesprochen. Es folgt eine mehrjährige Tätigkeit als Sexarbeiterin unter dem Codenamen IM Anna: Sie wird auf Geschäftsleute aus Westdeutschland und dem Ausland oder auch DDR-Vertreter angesetzt, um durch Sex von diesen Geheimnisse zu erfahren, die der Staatssicherheit in ihrem Überwachungswahn zur Sicherung des "demokratischen Sozialismus" helfen sollen. Mit zahlreichen offensichtlichen Zitaten aus Utas STASI-Akten, ihren eigenen Selbstreflexionen und Gesprächen zwischen Hauptperson und Autor wird die Geschichte dramaturgisch aufgebaut. Bückmann dokumentiert das Innenleben des Systems, die (finanzielle) Not mancher Frauen, die politischen Absichten hinter der Freigabe von Abtreibungen 1972 und die nur durch Alkoholismus und entsprechende Abhängigkeiten zu ertragende Tätigkeit. Die Entwicklung des Sohnes, die familiären Bande zu den Eltern spielen nur ansatzweise eine Rolle. – Dem bisher als Autor von Dokumentarfilmen bekannten Böckmann gelingt ein bedrückend trauriger Einblick in die von Nachrichtendiensten eingesetzte "Sexspionage" am Beispiel der DDR. Literarische Züge erhält der als Dokumentarroman zu bezeichnende Text in den Begegnungen zwischen Hauptperson und Autor. – Für zeitgeschichtlich Interessierte.
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Artikelbeschreibung

Wer ist diese Frau? Ihre Stasi-Akten beschreiben Uta als "groß", "schlank", "sehr intelligent, z. T. auch sehr raffiniert". Sie nennen sie "mannstoll" und notieren, dass sie "sehr viel raucht und auch viel Alkohol verkonsumiert". Aber ist das schon alles? Wie kann man einen Menschen voller Hoffnung und Lust beschreiben, der in die Widersprüche seiner Zeit gerät? Über vierzig Jahre war Uta Sexarbeiterin. Seit 1971 von der Stasi auf Männer angesetzt, war sie dabei Täterin und Opfer zugleich. In Clemens Böckmanns die Geschichte aufwühlendem Roman erzählen er, sie und die Akten gemeinsam ein Leben. Dabei gibt es keine Wahrheit über die DDR oder die Ausbeutung als Frau - aber Aufmerksamkeit für einen von allen vergessenen Menschen.

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Personeninformation

Clemens Böckmann studierte in Kiel, Leipzig, Lissabon und Tel Aviv. Er arbeitet als Filmemacher, Herausgeber und Autor u. a. für Deutschlandfunk Kultur und unterschiedliche Zeitungen. Seit 2019 betreut er den Nachlass des Dichters und Skispringers Alvaro Maderholz.

Pressestimmen

"Clemens Böckmann lässt in seinem formidablen Romandebüt Wahn und Wirklichkeit der DDR gegenwärtig werden." Paul Jandl, Neue Zürcher Zeitung "Äußerst lesenswert, psychologiefern, getrieben von Interesse am Menschen und seiner Geschichte." Stefan Michalzik, Frankfurter Rundschau "Einer der besten Romane über die DDR, der in denletzten Jahren geschrieben wurde." Kais Harrabi, MDR "Der Autor überzeugt mit der großen Fähigkeit zur atmosphärischenVerdichtung. Er macht die DDR für die Leserinnen und Leser erlebbar." Claudia Cosmo, NDR
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