Gottes hauchdünnes Schweigen

Band 20
Auf seine Stimme hören
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Buchprofile - Rezension
Von der Sprache und den Bildern, in denen sich Gott heute zeigt, und welche Konsequenzen sich daraus ergeben.
Angesichts der anhaltenden Kirchen- und Glaubenskrise in Deutschland und weiten Teilen Westeuropas wird oft gefragt, wie denn heute von Gott die Rede sein müsse, damit die Menschen wieder Zugang zu ihm finden? Für Wilhelm Bruners, Priester in Mönchengladbach und geistlicher Schriftsteller, unterschätzt diese Herangehensweise Gott - und überschätzt die Rolle und die Möglichkeiten des Menschen. Als ob Gott nur da wäre, wo "wir" - die Christen - ihn hinbringen! Müsste man nicht umgekehrt fragen, wie Gott heute mit uns redet? "Wo und wie spricht Gott den heutigen Menschen an? ... Und wie artikuliert sich das Göttliche in und durch die heutige, aber immer schon plurale Welt?" Mit Blick auf Elijas Erlebnis am Horeb, dem Gott nicht in Sturm, Erdbeben oder Feuer begegnet, sondern in leisem Säuseln - Martin Buber übersetzt "verschwebendes Schweigen" -, erinnert Bruners daran, dass Gott ein Gott der leisen Töne ist, der sich ganz der menschlichen Sprache ausgeliefert hat bis in ihre Widersprüchlichkeit hinein und dabei offensichtlich in Kauf nimmt, überhört zu werden. Bruners ist überzeugt, dass Gott immer schon und überall "da" ist - dass es also nicht nötig ist, ihn erst zu den Menschen zu bringen, sondern dass die Christen neu lernen müssen, ihn im Alltag und in der Sprache der Menschen zu entdecken. "Dabei muss sich die ganze kirchliche Gemeinschaft fragen, in welcher Weise sich Gott heute dem Menschen sprachlich und in anderen Zeichen offenbart. Denn nur so kann ihr Sprechen einen Zugang zu den Herzen der Menschen finden. Gott ist jeder kirchlichen Sprache voraus." Dazu gehört dann allerdings auch die Bereitschaft, die Welt und das Alltägliche nicht als Gott-los abzuqualifizieren. "Die Bereitschaft ist nötig, die Sprachgeräusche der Welt nicht als Störung und Lärm zu hören." Stattdessen gelte es, Gottes Ansprache, sein Atemholen aus den Geräuschen der Welt "herauszufiltern". Dazu gehört zu allererst die Bereitschaft, zu hören. Auf das Wort Gottes und auf die alltäglichen Worte der Menschen - auf ihre Sehnsüchte, Ängste, Hoffnungen. Gott ist vornehmlich da zu finden, wo Kreuze aufgestellt sind, so Bruners. "Sie sind Hilferufe Gottes in unserer Zeit, die SOS-Botschaft in den Chaosfluten der heutigen Geschichte. Sie sind die Lieblingsverstecke Gottes, in die der Jude Jesus mitzukommen uns einlädt." Mit einer wohltuend positiven (gleichwohl nicht unkritischen) Sicht auf die Welt und dem Vertrauen, dass Gott in allen Winkeln dieser Welt anzutreffen ist, legt Wilhelm Bruners Spuren aus, um Gottes hauchdünnes Schweigen wahrnehmen zu können - mit allen Sinnen. (Religiöses Buch des Monats Februar)
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Artikelbeschreibung

"Harmlos von Gott zu reden ist gefährlich." - Das Sprechen mit und über Gott war lange Zeit primär Kirchensprache in Gottesdienst und Katechese, spirituelle oder theologische Fachsprache. Zur Umgangssprache aber entstand ein immer tieferer Graben.Im Ringen um eine neue Sprache dreht Wilhelm Bruners die übliche Fragestellung um. Nicht: Wie heute von Gott reden? Sondern: Wie redet Gott den Menschen an? Welche Sprache müssen wir lernen, wenn wir ihn hören und verstehen wollen? Bedient sich Gott ausschließlich einer hohen, exklusiven, spirituellen Theologensprache? Oder ist seine Ansprache an uns nicht wie die Sprache der Psalmen voll Leben, mit kritischen Fragen und Zweifeln, mit vorläufigen Antworten und auch voll Zorn über unsere Feindschaften? Kann nicht jede menschliche Sprache, wenn sie nur ehrlich ist, zur Trägerin der Gott-Sprache werden?Diesen Fragen geht Wilhelm Bruners nach und ermutigt so dazu, den eigenen Sprach-Erfahrungen bei der Suche nach der Gottsprache in unserer Welt zu trauen. Das aber beginnt vor allem und zuerst im guten Hinhören.

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Personeninformation

Wilhelm Bruners, Dr. theol., geb. 1940, lebt in Mönchengladbach. Er ist Priester im Bistum Aachen, arbeitet v.a. in der geistlichen Begleitung von pastoralen Kolleginnen und Kollegen und ist ständiger Gastreferent in deutschen und österreichischen Bildungshäusern und Klöstern; Veröffentlichungen zu Spiritualität und Pastoraltheologie.
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