Liebe ist gewaltig

Roman | »Ein sprachgewaltiger, erschütternder, psychologisch kluger Wurf.« Benedict Wells
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Buchprofile - Rezension
Eine junge Frau will sich von den Folgen der häuslichen Gewalt befreien, der sie von ihrem Vater ausgesetzt war.
Nach außen hin sind die Ehres eine Vorzeigefamilie. Die Eltern, Rechtsanwälte, leben mit ihren vier Kindern in einer Vorstadtvilla. Doch für die 17-jährige Juli wohnt in ihrem Elternhaus ein Monster: ihr Vater misshandelt ihre Mutter und ihre Brüder psychisch und physisch. Und als Juli nicht mehr die erwarteten Höchstleistungen erbringt, muss auch sie den Gewaltterror des Vaters aushalten. Ihre Mutter verdrängt die brutale Realität, verteidigt den Vater. Doch keins der Kinder erzählt "draußen" von der Gewalt daheim, sie verlassen nur so bald wie möglich ihr Zuhause, auch Juli. Gleich nach dem Abitur geht sie nach Berlin, verdient sich ihr Studium als Profigamerin, kämpft mit seelischen Abstürzen, trifft ihre große Liebe Sanyu, die nichts von Julis Vorgeschichte weiß und sie verlässt, als sie Julis frauenverachtende Gewalt-Videospiele entdeckt. In einem Club trifft sie Thilo, der von ihr fasziniert ist. Mit ihm geht sie nach Zürich, lässt sich von ihm zu einem Abziehbild ihrer Mutter umformen, weil sie endlich zu jemandem gehören will. Doch schließlich begehrt sie auf, verlässt Thilo, geht nach Berlin zurück und sucht sich psychische Hilfe. - Ein sprachgewaltiger Roman, der die Leser trotz manch brutaler Szenen dank des schnoddrig-rotzigen Erzähltons der Protagonistin in seinen Bann zieht. Nicht nur für literarisch Interessierte sehr empfehlenswert.
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Ina Winkler empfiehlt:

Hinter der perfekten Fassade dieser Musterfamilie im Stuttgarter Speckgürtel findet häusliche Gewalt statt: Der Vater der anfangs siebzehnjährigen Protagonistin Juli ist ein erfolgreicher Anwalt und misshandelt sowohl seine vier Kinder als auch die Ehefrau. Der Roman erzählt, wie Juli als Jugendliche, als Studentin und als Erwachsene versucht, die inneren und äußeren Verwüstungen nicht nur körperlich, sondern auch seelisch zu überleben. Juli ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihren Eltern, der Angst und dem Abscheu vor ihnen, und die Autorin schreibt darüber in ihrem Debüt in einer intensiven, unmittelbaren, schnodderigen, sarkastischen und zugleich poetischen Sprache, die vollkommen mitreißt. Wunderbar ist es, als Juli für eine Weile das Glück in ihrer innigen Beziehung zu Sanyu findet, und dieser Teil erfüllt nicht nur die Protagonistin, sondern auch die Leser*innen mit Kraft und Hoffnung. Und das tut gut, denn die Schilderungen der väterlichen Willkür und Brutalität gehen an die Grenze dessen, was sich lesend ertragen lässt. Ein messerscharf formuliertes und brillantes Romandebüt!

Ina Winkler, Buchhändlerin

Artikelbeschreibung

Von Gewalt, von Zärtlichkeit und der Macht der Befreiung

Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf: Die Eltern sind Rechtsanwälte, sie ist Klassenbeste. Doch in der Kleinstadtvilla herrscht das Grauen. Der Vater drillt die Kinder auf Leistung, prügelt sie und seine Frau. Juli wird älter, fordert ein Ende der Gewalt, deren Realität von der Mutter vehement abgestritten wird. Einzig ihre Geschwister und eine Maus geben Halt. Doch wie kann man sich befreien, wenn man weder den Eltern noch den eigenen Erinnerungen traut? Die Befreiung gerät zum Feldzug - gegen die Eltern und das eigene Ich. Drei Jahrzehnte folgen wir Juli, die mit aller Macht versucht, die Deutungshoheit über ihr Leben zu erlangen. Ein eindringlicher Roman über Verletzungen und eine mögliche Heilung, voller Originalität und Wärme.

»Intensiv, wach, klug!« Helga Schubert

»Das hier ist nicht einfach nur ein starkes Debüt, es ist ein sprachgewaltiger, erschütternder, psychologisch kluger Wurf. Wie so oft im echten Leben liegt in diesem Roman alles dicht beisammen; das Komische neben dem Verstörenden, das Traurige und Schmerzhafte beim Zärtlichen. Es ist nicht leicht, die Worte für eine solche Geschichte zu finden, und ich kann mir nur zwei Personen vorstellen, die das so hinbekommen hätten: Der eine ist der wütende junge J.D. Salinger, in Bestform. Der Name der anderen Person steht auf dem Cover dieses Buchs.« Benedict Wells

»Ein viel zu oft beschwiegenes Thema, eine kraftvolle Sprache, eine Geschichte, die wütend macht und befreit. Dieser Roman tröstet, ohne zu lügen.« Teresa Bücker

»Achtung: nicht niedlich - Claudia Schumacher haut uns unerbittlich und voller Poesie die Welt ihrer Heldin um die Ohren. Ein Debüt mit phänomenaler Wucht, komplett unweglegbar.« Simone Buchholz

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Personeninformation

Claudia Schumacher, 1986 in Tübingen geboren, wuchs im Stuttgarter Speckgürtel auf, studierte in Berlin und lebte einige Jahre in Zürich. Sie arbeitete als Journalistin, unter anderem für die 'NZZ am Sonntag' und für 'DIE ZEIT'. Heute lebt sie als Schriftstellerin in Hamburg. Ihr Debütroman 'Liebe ist gewaltig', der für den aspekte-Literaturpreis sowie den Newcomer-Preis des Harbour Front Literaturfestivals nominiert war, wurde im Rahmen der Hamburger Literaturpreise als »Buch des Jahres« 2022 sowie mit dem Literaturstipendium 2023 des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. 2025 wurde er ausgewählt als »Ein Buch für die Stadt« Köln.

Pressestimmen

Ein bravouröses Debüt. Man liest diesen Roman mit angehaltenem Atem bis zur letzten Seite. Knut Cordsen Bayerischer Rundfunk 20220921
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