Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

Roman | »Wichtig und herzzerreißend« Elke Heidenreich
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Buchprofile - Rezension
Zwei Heimkinder in der Nachkriegszeit finden zueinander und halten ihre Liebe ein Leben lang fest.
Weil ihre junge Mutter aufgrund ihres Lebenswandels nicht ausreichend für Emily sorgen kann, nehmen ihre Urgroßeltern das kleine Mädchen bei sich auf, um sie vor einem Aufenthalt im Heim zu bewahren. Die beiden mussten in der Nachkriegszeit am eigenen Leib erfahren, wie grausam das (Über-)Leben in einer solchen Einrichtung sein kann. Noch zu klein und verstört von den traumatischen Fluchterlebnissen, war Emilys Urgroßvater, als dieser kurz nach Kriegsende mutterseelenallein gefunden wurde, nicht in der Lage zu sprechen und wurde daraufhin Hardy genannt. Diesen Namen sollte er jedoch nur sporadisch hören, denn die Kinder wurden von den Nonnen im katholischen Kinderheim lediglich als Nummern wahrgenommen. Was er in den folgenden Jahren erlebte, ist beim Lesen fast nicht zu ertragen. Einzige Stütze war damals die sechs Jahre ältere Margret, die versuchte, ihn so gut wie möglich vor psychischer wie physischer Gewalt zu schützen. Wie ihre Leben auseinandergerissen werden und einige Jahre später unverhofft wieder zusammenfinden und wie sich schließlich eine zarte Liebe nach langer treuer Freundschaft entwickelt, das erzählt Susanne Abel im zeitlichen Wechsel mit dem Aufwachsen Emilys zur Jugendlichen. Stück für Stück ergeben Vergangenheit und Gegenwart ein Ganzes, das so manches des auf den ersten Blick eigentümlichen Verhaltens von Hardy und Margret erklärt, die Lesenden mitfiebern und -fühlen lässt und auch nach der Lektüre nachdenklich stimmt. Man merkt dieser Geschichte Susanne Abels ausführliche Recherche an, die den Roman weder verkitscht noch übertrieben wirken, sondern zu einem absoluten Empfehlungstitel werden lässt.
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Artikelbeschreibung

Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht.

Wer ist man, wenn man niemand ist?

Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn Hardy nennt und schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen.

Klug, einfühlsam und berührend erzählt Susanne Abel in ihrem neuen Roman von der lebenslangen Liebe zweier Heimkinder.

Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend.

Eindringlich und aufrüttelnd. Ein bewegender Familienroman über den Einfluss unserer Vergangenheit auf unsere Nachkommen.

Die kleine Emily leidet unter dem hartnäckigen Schweigen ihrer Urgroßeltern Margret und Hardy, bei denen sie wegen des unsteten Lebenswandels ihrer Mutter aufwächst. Als Jugendliche beginnt sie schließlich, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Wird es ihr gelingen, das Erbe der unverarbeiteten Traumata ihrer Familie endlich aufzubrechen?

»Susanne Abel schreibt unterhaltsame, sogar humorvolle Romane aus dem Elend, in das wir alle hineingeboren werden, ohne es uns aussuchen zu können. Chapeau!« stern


»Seit Tagen wechselten sich Schnee und Regen ab, und es war glatt. Deshalb musste jedes größere Kind ein kleineres an die Hand nehmen. Und so marschierten die Heimkinder in Zweierreihen im Dunkeln hinunter nach Drolshagen. Der Zug wurde angeführt von zwei größeren Jungs, die mit Marschtrommeln den Rhythmus vorgaben. Dahinter schritt die Oberin, gefolgt von den übrigen Nonnen. Anders als sonst nahm es an diesem 24. Dezember 1947 niemand mit dem üblichen Redeverbot so genau. Doch mit wem hätte Margret sprechen sollen? Der kleine Kerl neben ihr, von dem sie nur die Nummer und nicht den Namen kannte, war dafür zu dumm. Er rutschte aus und Margret konnte nur durch beherztes Zugreifen verhindern, dass er stürzte und am Ende auch noch sie zu Fall brachte. 'Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104', ermahnte sie ihn. Der Kleine gab keine Antwort und setzte tapfer einen Fuß vor den anderen.«

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Personeninformation

Susanne Abel arbeitete als Erzieherin und realisierte nach ihrem Filmstudium als Regisseurin zahlreiche Dokus für das deutsche Fernsehen. Seit 2017 konzentriert sie sich ganz auf das Schreiben. Ihr gefeiertes Romandebüt 'Stay away from Gretchen' stürmte bis an die Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste und war ein sensationeller Erfolg, genau wie sein Nachfolger 'Was ich nie gesagt habe'. Die gebürtige Badenerin lebt nach Stationen in Bochum, Berlin und Hamburg überwiegend in Köln.

Pressestimmen

Wichtig und herzzerreißend. Elke Heidenreich Kölner Stadt-Anzeiger 20250901
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