Die unvollständigen Aufzeichnungen der Tourschlampe Doris

Roman | »Ein typischer Ringsgwandl-Streich: wehmütig und anarchisch, geil und verführerisch.« NDR Kultur
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Buchprofile - Rezension
Rocky Hour Show: Der Kabarettist und Musiker Georg Ringsgwandl lässt eine Tourbegleiterin aus ihrem bewegenden Leben erzählen.
Wieviel ‚Roman‘ ist in Georg Ringsgwandls „Die unvollständigen Aufzeichnungen der Tourschlampe Doris“? Im Nachwort behauptet der als Musiker und Kabarettist bekannte Autor, die Aufzeichnungen stammten von seiner ehemaligen Tourbegleiterin Doris; er habe sie nach ihrem Verschwinden von deren Mutter bekommen, aus Textfiles auf einem Laptop und in Form von Notizbüchern, gekürzt, leicht bearbeitet und nun unter seinem Namen veröffentlicht. Ob das stimmt, ist wahrscheinlich sekundär, nicht nur weil Ringsgwandl seine Figur im Roman über sich sagen lässt, es sei egal, ob etwas wahr sei oder nicht, Hauptsache, es funktioniere. Wichtiger ist: Er liefert eine Story aus dem Innern des Musikbusiness, so milieudicht erzählt und so sprachkreativ, dass sie exemplarischen künstlerischen Wert beanspruchen darf. Doris lebt nach der Scheidung ihrer Mutter in ärmlichen Verhältnissen, das Brennholzklauen im Winter wird als Mundraub rechtfertigt. Im Alter von zehn kommt sie als Babysitterin zu Ringsgwandls Familie. Bald nimmt Ringsgwandl, der im Nebenberuf als Frontmann einer Band tätige Oberarzt an einer bayerischen Klinik, Doris mit auf Tournee. Sie macht das Merchandising, verkauft Platten, verfolgt das Making-of der Songs, betreut den heroinsüchtigen Bassisten, nutzt das politisch inkorrekte Wort der „Tourschlampe“ als Kampfnamen und sieht kritisch, dass Experimente in der Musik noch keine experimentelle Musik sind. Die zusammengeknödelte „ZirkusFilmKitschKlassik“ einer schrillen Rockoperette mustert Doris ebenso unnachsichtig wie die Neureichen, die dem Sozialpurgatorium entkommen wollen. Am Ende taucht Doris ab und verlässt die Geschichte, ohne dass wir wissen, wohin. Gut aber, dass Ringsgwandl uns diese Story erzählt hat: ein eindringlicher und spannender Einblick ins Tourleben einer Musikband, anekdotisch angereichert. Empfehlenswert.
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Artikelbeschreibung

Rock 'n' Roll als Lebensprinzip

Schrill, zart und wild: der erste Roman der Ikone des bayerischen Musikkabaretts

Als Georg Ringsgwandl seinen alten Laptop verschrotten will, stößt er auf Textfiles, die offenbar seine langjährige Tourbegleiterin verfasst hat. Die Geschichte einer Frau, die mit elf als Babysitterin in Ringsgwandls Familie kam, mit zwölf Platten bei seinen Konzerten verkaufte und später sein Tourmanagement übernahm. Sie lernt Bett und Hirn von Toningenieuren, heroinsüchtigen Bassisten und Fernsehredakteuren kennen, den Glanz und Grusel des Showgeschäfts von der Absturzkneipe bis zum Hofstaat der Stones. Ihr Blick ist schärfer als alle, die mit ihr unterwegs waren, ahnen konnten. Mit 36 vernimmt sie das Ticken der Uhr und setzt sich mit einem Mechaniker und reichlich Schwarzgeld ins Ausland ab.

Ein Roman mit schnellen Szenenwechseln, wildem Sound und tiefen Untertönen - für alle Fans von Georg Ringsgwandl und Leser*innen von Musikerbiographien

»Ich bin ein gesamtgesellschaftlicher Seismometer, mein Hirn ist ein Radiowellenempfänger und mein Maul der Lautsprecher.« Georg Ringsgwandl

»Ein Punk-Qualtinger, ein Valentin des Rock 'n' Roll, ein bayerisches Genie.« DIE ZEIT

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Personeninformation

Georg Ringsgwandl - der »Valentin des Rock 'n' Roll« -, geb. 1948 in Bad Reichenhall, arbeitete bis 1993 als Arzt, parallel als Kabarettist und Musiker. Als Kind spielte er Zither, später Posaune, im Lungensanatorium kam die Gitarre dazu. 1978 präsentierte er Gurkenkönigs Hausfrauenshow, seit 1986 tourt er mit seiner Band und veröffentlichte 12 Alben. Ringsgwandl - vielfach ausgezeichneter Liedermacher, Autor einiger Theaterstücke und Regisseur -, ist eine der schillerndsten Figuren der Kulturszene.

Pressestimmen

Es wäre nicht seine Art gewesen, sich selbst ein Denkmal zu setzen. Aber durch diesen charmanten, humanen Roman fällt noch genug und allemal verdientermaßen Glanz auch auf ihn. (...) Das alles in einem schnörkellos-geerdeten, absolut unprätentiösen Ton voller Tempo und Mutterwitz. FAZ 20231214
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