Seinetwegen

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Buchprofile - Rezension
Als sie acht Monate alt ist, kommt ihr Vater bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Jahrzehnte später macht sich die Autorin auf die Suche nach dem damaligen Unfallverursacher.
Schon wieder ein Buch, mit dessen Verfassen der Autor versucht, seine Lebensprobleme aufzuarbeiten! So dachte ich beim Lesen des Klappentextes: „Der tote Vater war die große Leerstelle der Familie“ „Wie kann man heil werden, wenn eine Leerstelle doch immer bleiben wird?“ – Doch das Buch entpuppte sich als interessante Lektüre, der Klappentext war in Teilen schlicht falsch. Die Schweizer Autorin Zora del Buono will mit 60 Jahren wissen, was aus dem Mann geworden ist, der den Unfall verursacht hat, bei dem ihr italienischer Vater starb, als sie gerade acht Monate alt war. Sie fragt sich, warum sie mit 60 Jahren anfängt, nach dem Unfallfahrer zu forschen und sich dabei natürlich intensiv mit dem unbekannten Vater zu beschäftigen. Denn der Vater hat ihr nicht gefehlt: „Vaterlos zu sein war für mich, wie gesagt, kein Manko“ (S. 39). Vielleicht ist es der Verlust der Mutter, die wegen ihrer Demenz ihre Tochter nicht mehr erkennt. Doch sie stellt fest, dass sie einzig dem Unfallfahrer näherkommt, nicht dem Vater. Die Darstellung ihrer Suche ergibt keinen stringenten Handlungsablauf, sondern eher kurze Essays zu unterschiedlichen Themen oder nur Gedankensplitter, denn ihre Gedanken springen, Beobachtungen, neue Informationen regen zu Abschweifungen an. Regelmäßig erfolgt ein Zusammentreffen mit 2-3 Freunden im Kaffeehaus, wo Fragen des Lebens lebhaft und z.T. lebensklug diskutiert werden. Diese Art des Schreibens macht das Buch interessant. Zora del Buono findet bei ihrer Suche nach dem Unfallfahrer E.T. – Ernst Traxler – nicht den verantwortungslosen Autorowdy, sondern einen Mann, der seine Schuld am Tod eines Menschen nicht vergessen hat.
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Artikelbeschreibung

SCHWEIZER BUCHPREIS 2024

"Heute vor sechzig Jahren geschah der Unfall. Buche das einzige Zimmer, das sich ad hoc finden lässt, in einem Seminarhaus mit Blick über den Walensee, in dem hoch gelegenen Dorf, das Vater und Onkel querten, bevor sie den Berg hinab und ins Verderben fuhren." Zora del Buono war acht Monate alt, als ihr Vater 1963 bei einem Autounfall starb. Der tote Vater war die große Leerstelle der Familie. Mutter und Tochter sprachen kaum über ihn. Wenn die Mutter ihn erwähnte, brach die Tochter mit klopfendem Herzen das Gespräch ab. Sie konnte den Schmerz der Mutter nicht ertragen. Jetzt, inzwischen sechzig geworden, fragt sie sich: Was ist aus dem damals erst 28-jährigen E.T. geworden, der den Unfall verursacht hat? Wie hat er die letzten sechzig Jahre gelebt mit dieser Schuld?

Seinetwegen ist der Roman einer Recherche: Die Erzählerin macht sich auf die Suche nach E.T., um ihn mit der Geschichte ihrer Familie zu konfrontieren. Ihre Suche führt sie in abgründige Gegenden, in denen sie Antworten findet, die neue Fragen aufwerfen. Was macht es mit ihr, dass sie plötzlich mehr weiß über ihn, den Mann, der ihren Vater totgefahren hat, als über den Vater selbst? Und wie kann man heil werden, wenn eine Leerstelle doch immer bleiben wird?

  • Der viel zu frühe Unfalltod eines Vaters und was er für das Leben der Tochter bedeutet hat
  • Roman einer Recherche: Detailgenau, raffiniert komponiert, so präzise wie poetisch
  • Das neue Buch von Zora del Buono nach dem Bestseller Die Marschallin
  • Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024

Produktsicherheit

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Personeninformation

Zora del Buono, geboren 1962 in Zürich. Studium der Architektur an der ETH Zürich und der HdK Berlin, fünf Jahre Bauleiterin im Nachwende-Berlin. Gründungsmitglied und Kulturredakteurin der Zeitschrift "mare".
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