Kontinent Doderer

Eine Durchquerung
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Buchprofile - Rezension
Werkbeschreibung des österreichischen Schriftstellers Heimito von Doderer.
Zum 120. Geburtstag und zum 50. Todestag eines der größten Schriftsteller Österreichs im 20. Jh. hat der Literaturkritiker Klaus Nüchtern eine engagierte, zuweilen persönlich gefärbte, aber wissenschaftlich untermauerte Werkanalyse seines Landsmannes Heimito von Doderer vorgelegt. Klaus Nüchtern bespricht die wichtigsten Werke Doderers einzeln, stellt aber viele Querverbindungen her, sodass sich ein umfassendes Bild des Schriftstellers in seiner Zeit ergibt. Er arbeitet Parallelen zu filmischen Darstellungen heraus, lenkt den Blick auf den eigenartigen Humor Doderers und zeigt die Dankbarkeit der österreichischen Öffentlichkeit, weil Doderer geholfen hat, nach 1945 wieder an 1918 anzuknüpfen. Dabei wird aber die zeitweilige Verirrung Doderers kritisch beleuchtet, der den Nationalsozialismus im Nachhinein als Katalysator eines neuen Traditionsbewusstseins Österreichs interpretiert. Fasziniert zeigt sich Klaus Nüchtern von der stilistischen Virtuosität Doderers, die aber auch von Altertümlichkeit und überraschender Saloppheit gekennzeichnet ist. Dankbar ist man dem Autor für die Zusammenstellung des gewaltigen Personals der beiden berühmten Romane "Die Strudlhofstiege" und "Die Dämonen", die freilich heutigen Lesern eine gehörige Portion Geduld abverlangen. - Für große Bestände.
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Artikelbeschreibung

Die Romane Heimito von Doderers sind spannend, handlungsstark, figurenreich und sehr, sehr komisch - 50 Jahre nach dem Tod des Autors allerdings bilden sie einen fast vergessenen literarischen Kontinent. Dieser ist jetzt neu zu entdecken. Der Wiener Literaturkritiker Klaus Nüchtern folgt bei seiner Durchquerung des "Kontinents Doderer" strikt der eigenen Neugierde. Er durchmisst ganz Sibirien, wo der Autor im Kriegsgefangenenlager zum Schriftsteller wird, und steigt die Stufen nicht nur der berühmten Strudlhofstiege hinauf, sondern auch ins Souterrain schlecht ausgeleuchteter Hausflure herab, wo die von Doderer inbrünstig gehassten Hausmeister hausen.
Akribisch, aber nie akademisch, kritisch, aber nie verbissen, wird Doderers verschlungener Weg vom NSDAP-Mitglied zum gefeierten Über-Österreicher der Nachkriegszeit verfolgt. Nüchtern registriert die restaurativen Tendenzen Doderers ebenso wie dessen Tuchfühlung mit der Avantgarde und weist unter anderem nach, dass der passionierte Voyeur und arrogante Kinomuffel erstaunlich viel mit Alfred Hitchcock zu tun hatte.

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